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„Schneiderle, wir nehmen dich auch so“

Werner Scheider, Bürgermeister Höchst.
Werner Scheider, Bürgermeister Höchst. ©VN
Höchst – 24 Jahre ist der Höchster Bürgermeister Werner Schneider (60) im Amt. Im VN-Interview verrät Schneider, dass er sein Amt noch in dieser Legislaturperiode in jüngere Hände legen will.

Sein Nachfolger wird Herbert Sparr (52), derzeit in der Sozialabteilung des Landes tätig. Werner Schneider übt Kritik an der saftigen Gehaltserhöhung seines Kollegen Gottfried Brändle in Altach. In der Verkehrsfrage formuliert Schneider den Höchster Standpunkt: Ja zur derzeit vorliegenden Entlastungsstraße, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Rheingemeinde eine vollständige Untertunnelung bis zum Zollamt in der Schweiz erhält. Beim Thema Salzmann-Hafen glaubt Schneider durch die Verpflichtung zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung nicht mehr an eine Realisierung des derzeit vorliegenden Projekts.

 

Über Bürgermeister wird derzeit geredet. Wegen der Ge­hälter . . .

Schneider: . . . und wegen Lohnerhöhung, ich weiß. Also ich beziehe mein Gehalt auf Basis breiter Zustimmung der Gemeindevertreter. Ich verdiene 8219,01 Euro monatlich brutto. Das ist 61 Prozent vom Gehalt eines Landesrats. Ich dürfte vom Rahmen her sogar mehr verdienen, aber ich bin zufrieden.

 

Was sagen Sie zum Kollegen Brändle aus Altach, der sich 28 Prozent mehr Gehalt zuweist?

Schneider: Ich will jetzt nicht über einen Kollegen herziehen, aber 28 Prozent Lohnerhöhung auf einen Schlag ist schon happig. Das ist in Zeiten wie diesen nicht das nobelste Signal.

 

Sie sind einer der längst dienenden Bürgermeister im Land und 60 Jahre alt. Werden Sie diese Legislaturperiode durchdienen?

Schneider: Nein, das werde ich nicht, und das ist auch abgesprochen so. Ich werde im Laufe des Jahres 2013 mein Amt abgeben. Mein Nachfolger ist Herbert Sparr, der derzeit in der Sozialabteilung des Landes arbeitet. Er soll beim Ortsparteitag am 25. Jänner kommenden Jahres bereits die Leitung der Partei übernehmen. Ich bin froh, dass das geregelt ist. Wenn ich gehe, bin ich fast 62 und werde zu dem Zeitpunkt fast 26 Jahre Bürgermeister gewesen sein. Ich denke, das ist genug.

 

In Höchst gibt es keine klaren Verhältnisse zugunsten der Bürgermeister-Partei. Sie regieren nur mit knapper absoluter Mehrheit. Stört Sie das?

Schneider: Höchst hat eben verschiedene politische Lager. Als die Fraktion „Höchste Zeit“ auftauchte, ist eine starke Fraktion dazugekommen. Aber ich muss eines sagen: Ich hätte kein Problem gehabt, auch ohne klare Mehrheit zu regieren. 95 Prozent aller unserer Beschlüsse in der Gemeindevertretung sind auch jetzt einstimmig. Das ist nicht selbstverständlich und zeugt von einem guten Klima der Zusammenarbeit. Ich bin einer, der am liebsten den Konsens hat. Meine eigenen Leute sagen mir ab und zu: Du bist zu gutmütig.

 

Sie sind so lange Bürgermeister, dass man gar nicht mehr weiß, was Sie vorher gemacht haben.

Schneider: Ich bin HTL-Absolvent für den Bereich Maschinenbau, habe in den großen Höchster Firmen Blum und Grass gearbeitet und war von 1980 bis zu meinem Amtsantritt beim Straßenbauamt im Land – zuständig für den Pfändertunnel. Ein halbes Jahr war ich sogar arbeitslos. Das war eine unangenehme Zeit. Ich habe während meiner Arbeitslosigkeit geheiratet und werd‘ nie vergessen, wie mir mein Schwiegervater damals auf die Schulter klopfte und meinte: ‚Schneiderle, wir nehmen dich auch so‘.

 

Kommen wir zur Höchster Politik. Ihre Kommune spielt in der Verkehrsfrage eine Schlüsselrolle. Was genau ist die Höchster Haltung?

Schneider: Die ist klar. Wir begrüßen das Ergebnis des Planungsprozesses. Für uns Höchster fordern wir eine komplette Untertunne­lung: von Lustenau unter dem Rhein bis zum neuen Zollamt in der Schweiz. Wenn das so kommt, dann kann man diese Baumaßnahmen auch vorziehen. Da sind wir mit Lustenau solidarisch. Insgesamt bin ich noch skeptisch, ob die große angepeilte Lösung mit der Entlastungsstraße auch kommt. Das hat mit jahrzehntelangen negativen Erfahrungen zu tun.

 

Was Höchst bewegt, sind auch die Entwicklungen beim Salzmann-Hafen. Was wird Ihrer Einschätzung nach da herauskommen?

Schneider: Jetzt, wo die Verpflichtung zur Umweltverträglichkeitsprüfung für den Betreiber vorliegt, glaube ich nicht, dass er das durchsteht. Sollte am See doch noch gebaut werden, gilt, was wir immer gesagt haben: Kein Bauverkehr durch unsere Gemeinde.

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