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Tote bei Anschlag auf Einkaufszentrum in Nairobi: Shabaab-Miliz bekennt sich

Mindestens 30 Menschen in Einkaufszentrum von Nairobi getötet
Mindestens 30 Menschen in Einkaufszentrum von Nairobi getötet ©AP
Islamisten haben am Samstag ein Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gestürmt und dort mindestens 39 Menschen getötet und 150 verletzt. Die militante Shabaab-Miliz bekannte sich zu dem Anschlag, wie der Fernsehsender Al-Jazeera berichtete.
Anschlag auf Shopping Mall

Augenzeugen sprachen von einem Blutbad. Unter den Opfern befanden sich auch Kinder. Noch Stunden nach dem ersten Angriff waren Schüsse zu hören. Mittlerweile scheinen Polizei und Soldaten die Angreifer umstellt zu haben. Einer der Attentäter wurde dem kenianischen Präsidialamt zufolge festgenommen und erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

“Wir werden den Terrorismus besiegen”, betonte der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta am Samstagabend. Der Anschlag habe darauf abgezielt, “die kenianische Nation einzuschüchtern und zu teilen”.

Mit Anschlag auf Westgate Shopping Mall gedroht

Al-Shabaab erklärte, Kenia wiederholt dazu aufgefordert zu haben, Truppen aus Somalia abzuziehen. “Die kenianische Regierung ignorierte unsere Warnungen und massakrierte weiter unschuldige Muslime in Somalia”, hieß es in einer Twitter-Botschaft. Kenianische Truppen waren vor zwei Jahren in das Nachbarland eingedrungen, um bei der Bekämpfung militanter Gruppen zu helfen. Seitdem gibt es Anschlagsdrohungen gegen Hotels und Nachtklubs in Kenia. Die Extremisten hatten auch explizit damit gedroht, die bei Ausländern beliebte Westgate Shopping Mall anzugreifen, die am Wochenende stets gut besucht ist. Dementsprechend hatten Sicherheitsexperten seit längerem gefürchtet, das Zentrum könnte zum Ziel eines Anschlags werden.

Blutbad im Shopping-Paradies

Es ist ein typischer Samstagmittag im Westgate Mall: Wohlhabende Einheimische und Ausländer schlendern durch Nairobis luxuriöses Einkaufszentrum, Eltern mit ihren Kindern erledigen ihre Einkäufe, die Restaurants und Cafes sind voll. Plötzlich stürmen schwarzgekleidete, maskierte und mit Gewehren und Handgranaten bewaffnete Männer in das Zentrum und eröffnen das Feuer auf die Menge. Mit einem Schlag herrschen Zustände wie im Krieg. Von mindestens 39 Toten und 150 Verletzten berichtet Präsident Kenyatta am Samstagabend.

Kenneth Kerich war gerade mitten beim Einkaufen, als der Überfall begann. “Plötzlich hörte ich Schüsse, und alle begannen zu rennen. Ich schmiss mich auf den Boden, sah, wie zwei Menschen umfielen”, erzählt er. “Anfangs dachten wir ja noch, dass die Polizei Jagd auf Diebe macht.” Rasch jedoch merkt Kerich, dass die Lage viel ernster ist – doch da ist es bereits zu spät zur Flucht. Erst als Polizisten in das Einkaufszentrum stürmen, kann er es verlassen.

Kunden und Angestellte regelrecht hingerichtet

Ein anderer Augenzeuge berichtet, die Angreifer hätten Kunden und Angestellte des Einkaufszentrums regelrecht “hingerichtet”. Sie hätten eine Fremdsprache gesprochen – möglicherweise Arabisch oder Somali. “Ich sah, wie sie die Menschen aufforderten, etwas zu sagen, dann töteten sie sie”.

Schusswechsel bis in die Abendstunden

Nachdem um die Mittagszeit etwa 18 maskierte Täter das Einkaufszentrum gestürmt und um sich geschossen hatten, schien die Polizei die Lage in den Abendstunden langsam unter Kontrolle zu bringe. “Die Angreifer wurden in einem der Stockwerke isoliert und dort in einem Abschnitt eingekreist”, sagte ein Sicherheitsvertreter am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Die übrigen Gebäudeabschnitte “scheinen gesichert”, sagte er weiter.

Die Westgate Mall im Viertel Westland gibt es seit 2007. Das Einkaufszentrum beherbergt neben Geschäften zahlreiche Cafes und Restaurants, Banken und einen großen Supermarkt sowie ein beliebtes Multiplex-Kino, täglich kommen tausende Besucher.

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Mehrere Geschäfte sind in israelischem Besitz. Das Zentrum ist auch bei Mitarbeitern der Vereinten Nationen sehr beliebt – die UNO-Mission liegt ganz in der Nähe. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon ist entsprechend besorgt.

Stundenlang ziehen Polizisten und Soldaten von Geschäft zu Geschäft und durch die Kinosäle, bringen Leute in Sicherheit, suchen nach den Tätern und ihren Geiseln. Verängstigte Menschen stürmen aus dem Gebäude, einige haben Kinder in ihren Armen, andere sind verletzt. Auf der Straße stehen verlassene Autos, einige weisen Einschusslöcher auf.

“Die Angreifer zielten auf meinen Kopf”

Sudjar Singh hatte Glück, er überlebte knapp den Überfall. “Die Angreifer zielten auf meinen Kopf, aber sie haben mich verfehlt.” Er steht sichtlich unter Schock, berichtet mit stockender Stimme von einem kleinen Buben, der im Einkaufswagen herausgefahren wurde. “Er war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt und bewegte sich nicht mehr”. Eine Kundin versteckte sich sechs Stunden lang in einem Laden, bevor sie gerettet wurde. “Ich war im Cafe, als ich Schüsse und Explosionen hörte. Ich suchte Schutz in einem Geschäft und wartete”.

Laut US-Außenministerium gab es Hinweise, dass auch US-Bürger unter den Verletzten waren. Eine Außenamtssprecherin verurteilte den Anschlag als “sinnlosen Akt der Gewalt”. Der britische Außenminister William Hague teilte indes mit, dass sich unter den Opfern des Anschlags “zweifellos” auch Briten befänden.

(APA/ AFP/ red)

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