30. Juni - 3. Juli: Der Große Sankt Bernhard wartet

Nach einigen Etappen mit Gewittern und starker Bewölkung, hofft Peter Mayr auf Wetterglück: Am Wochenende wartet die Herausforderung Großer Sankt Bernhard auf den Rompilger.

30. Juni 2014                                             TAG 13

Strecke: Romont – Curtilles – Moudon – Vucherens – Montpreveyres – Lausanne

Streckenlänge: 43,7 Kilometer             Gehzeit: 9h12min

Aufstieg: 723m                  Abstieg: 807m

Gestern Abend brach noch ein heftiges Gewitter los. Wir hatten die Hoffnung, dass dadurch das Wetter morgen wirklich besser ist. Ein Regentag reicht! Ich wachte heute so gegen 4:00 Uhr auf. Und was hörte ich? Regentropfen, die an das Fenster hämmerten. Das Gute daran war, dass ich bis 05:15 Uhr liegen blieb. Um 05:44 Uhr marschierten Antonia und ich dann los – bei stärkerer Bewölkung, aber ohne Regen. Kurz darauf versuchte die Sonne zum ersten Mal die Wolken zu durchbrechen. Es herrschte eine wunderbare Stimmung. Gut gelaunt marschierten Antonia und ich in Richtung Moudon. Wir kamen bei einem Gewerbegebiet vorbei, und dort mussten ein paar Scherzbolde unterwegs gewesen sein. Ein Wegweiser zeigte in die falsche Richtung und so liefen wir in eine Sackgasse. Also nichts wie zurück und in die richtige Richtung weiter. In Curtilles machten wir unsere erste Pause. Der weitere Weg nach Moudon war wunderschön, es ging entlang dem Fluss Broye. Wir kamen an den ersten Sonnenblumenfeldern vorbei und sahen jungen Füchsen beim Spielen zu. In Moudon besichtigten wir zuerst die Pfarrkirche St. Etienne, danach machten wir eine weitere Pause. In Moudon entschied Antonia, dass wir heute bis nach Lausanne gehen werden. Das bedeutet doch wieder über 40 Kilometer. Ich überlasse es ihr zur Zeit die Distanzen zu bestimmen, sie ist noch frisch am Pilgerweg.
So pilgerten wir weiter in Richtung Vucherens, wo wir wieder eine Pause machten. Leider gab es hier kein Geschäft oder eine Bar – so machten wir es uns einfach im Grünen gemütlich. Der Weg danach war wieder sehr schön zu gehen. Es ging wieder über Wiesen- und Feldwege. Wir kamen an vielen Sonnenblumenfeldern und Erbsenfeldern vorbei. Nach Montpreveyres ging es einen Mischwald hinauf. Der Weg war sehr rutschig. Hier mussten in letzter Zeit Holzarbeiten durchgeführt worden sein – der Boden war durch die Traktorspuren aufgewühlt. Hinzu kam noch der Regen vom Vortag. Es war eine wirklich rutschige Angelegenheit. Als wir endlich aus dem „rutschigen“ Wald rauskamen, standen wir vor einer Pizzeria. Nichts wie rein in den Gastgarten, Schuhe ausziehen, und ein großes Mineralwasser bestellen. Dann zogen wir weiter zur Kapelle Croisettes à Epalinges. Von hier hatten wir einen traumhaften Blick auf den Genfersee. Anschließend ging es hinunter nach Lausanne.
Morgen werden wir zuerst noch die Kathedrale besichtigen. Anschließend verlassen wir den Jakobsweg und es geht weiter auf der Via Francigena in Richtung Rom.

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Traumhafte Lichtverhätnisse.

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Es geht mir gut!

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Ein Erbsenfeld.

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Immer weiter geradeaus.

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Ein Blick zurück auf Romont.

 

01. Juli 2014                                              TAG 14

Strecke: Lausanne Randbezirk – Lausanne Kathedrale – Lutry – Cully – Rivaz – Corseaux – Vevey

Streckenlänge: 32,1 Kilometer             Gehzeit: 7h47min

Aufstieg: 413m                    Abstieg: 681m

Heute Morgen brachen Antonia und ich erst um 06:03 Uhr auf. Unser Plan war, dass wir ungefähr um 07:30 Uhr bei der Kathedrale in Lausanne eintreffen. Der Weg dorthin war einerseits wunderschön, da es durch viele kleine Wäldchen ging. Andererseits war er auch anstrengend, denn wir mussten einmal eine doch etwas längere Treppe hochsteigen. Um 07:15 Uhr waren wir bei der Kathedrale, jedoch war diese noch verschlossen. Zufällig kamen 2 Polizisten vorbei und wir fragten sie, wann denn die Kathedrale aufsperren würde. Wir erfuhren, dass diese normalerweise ab 07:00 Uhr offen sei. Wir wollten es später noch einmal probieren und deshalb gingen Antonia und ich noch in ein Kaffeehaus. Um 08:00 Uhr probierten wir unser Glück auf ein Neues. Ich zog kräftig an der Pforte, die aber immer noch verschlossen war. Also klopfte ich heftig an der Tür – und siehe da – von innen kamen Rufe. Keine 5 Minuten später waren wir in der schönen Kathedrale.
Als ich wieder auf dem Vorplatz der Kathedrale stand, kamen zufällig Irmgard und Romana, 2 Pilgerinnen aus Graz, auf uns zu. Sie sind gemeinsam unterwegs auf dem Schweizer Jakobsweg bis Genf. Ich habe von ihnen schon des Öfteren in den Pilgerbüchern gelesen, die in den Kapellen und Kirchen aufliegen. In Fribourg habe ich sie zum ersten Mal getroffen. Wir wanderten nun für ein paar Minuten zu viert. Dann verabschiedeten wir uns, Antonia und ich gingen in Richtung Hafen. Dort sollten wir auf die Via Francigena stoßen. Und so war es auch. Ich freute mich besonders, das erste Hinweisschild zu sehen. Für mich beginnt hier etwas ganz „Neues“. Der eigentliche Weg nach Rom. Nach einer weiteren Pause zogen wir weiter in Richtung Cully. Es ging zuerst direkt am See entlang, anschließend führte uns der Weg in die Weinberge. Obwohl ich es oft wiederhole, muss ich wieder sagen, dass es einfach nur wunderschön war. Ich kannte den Weg bereits von Fotos. Ich hatte immer gehofft, dass das Wetter in Lausanne gut sein möge. Und wir hatten tatsächlich einen Traumtag erwischt: Strahlendblauer Himmel, dunkelgrüne Weinberge und ein tiefblauer See. In den Weinbergen ging es sehr rührig zu. Die Arbeiter spritzten die Kulturen und auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Er ließ aus der Luft immer eine wässrige Substanz auf die Weinreben nieder.
In Cully machten wir im Restaurant „La Gare“ unsere Mittagsrast. Heute aßen wir wieder einmal ein Mittagsmenü, das ausgezeichnet schmeckte. Und auch hier war das Personal wieder sehr freundlich und bemüht. Anschließend ging es wieder bergauf in die Weinberge. Wir genossen die Aussicht die sich uns bot, kamen aber sehr ins schwitzen. Die Wege in den Weinbergen gehen nicht geradeaus, sondern immer wieder bergauf und bergab. Kurz vor Vevey machten wir unter einem großen Kastanienbaum unsere letzte Rast, bevor wir nach Vevey weitermarschierten.
Morgen gehen wir zuerst nach Montreux, dort werden sich die Wege von Antonia und mir trennen. Sie wird nicht mit mir über den Großen Sankt Bernhard marschieren, aber in in Aosta auf mich warten. Ich freue mich auf die nächsten Tage, wenngleich diese auch anstrengend werden.

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Romana und Irmgard aus Graz – sie pilgern nach Genf.

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Die Kathedrale in Lausanne.

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Der erste Wegweiser “Via Francigena”

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Wunderbare Aussicht.

 

02. Juli 2014                                              TAG 15

Strecke: Vevey – La Tour de Peilz – Montreux – Territet – Villeneuve – Roche – Versvey – Aigle

Streckenlänge: 27,6 Kilometer             Gehzeit: 6h46min

Aufstieg: 189m                 Abstieg: 214m

Heute wachte ich so gegen 3:30 Uhr durch heftigen Regen auf. Nicht schon wieder! Die einzige Hoffnung, die blieb, war, dass bis zum Losgehen noch Zeit war. Als wir um 5:30 Uhr dann aufbrachen, hatte es tatsächlich schon aufgehört zu regnen. Wir gingen auf der Uferpromenade in Richtung Montreux. Wenngleich die Wolken tief hingen, so herrschte trotz allem eine sehr mystische Stimmung am See. In Vevey passierten wir das Kennzeichen der Stadt – Die Gabel im See. Die Gabel wurde vom Neuenburger Plastikkünstler Jean-Pierre Zaugg zum 10-jährigen Jubiläum des Alimentariums erschaffen. Das Kunstwerk aus Inox-Stahl ist 8 Meter hoch und 1,3 Meter breit. Das Alimentarium ist das Museum für Ernährung.
Unser Weg führte uns zunächst weiter direkt am See entlang, Ab La Tour de Peilz ging es dann aber entlang einer stärker befahrenen Straße bis Montreux. In Montreux machten wir unsere erste ausgiebige Pause. Für Antonia war hier fürs erste Schluss. Ich werde sie in Aosta wieder treffen. Mein weiterer Weg ging wieder direkt am See entlang. Hier auf der Uferpromenade herrschte reges Treiben. In 2 Tagen beginnt hier das 48. Internationale Jazzfestival. Überall werden Bars und kleinere Bühnen aufgebaut. Nach ungefähr einer Stunde Gehzeit erreichte ich das schöne Château de Chillon. Das Schloss ist eine imposante Wasserburg. 1005 wurde die Burg zum ersten Mal urkundlich erwähnt. An dieser Stelle lag im Mittelalter eine wichtige und ertragreiche Zollstation. Kurz nachdem ich das Schloss passiert hatte, setzte wieder heftiger Regen ein. Ich muss schon sagen, dass ich gestern riesiges Glück hatte. Meine Etappe wäre bei schlechter Aussicht nur halb so schön gewesen. Mein Weg ging noch bis Villeneuve direkt am See weiter. Anschließend führte mich die Via Francigena weg vom See in das Zentrum von Villeneuve. Im örtlichen Supermarkt kaufte ich mir eine kleine Jause für die nächste Pause. Kurz nach diesem Ort gelangte ich in ein Gewerbegebiet, dass mir sofort bekannt vorkam. Vor gut einem Jahr hatte ich hier beruflich zu tun. Die weitere Strecke bis Roche war unspektakulär, gehört aber eben auch zum Weg dazu. In Roche machte ich bei einer kleinen überdachten Kirche eine Pause. Gerade als ich aufbrechen wollten, kamen drei Pilgerinnen auf mich zu. Sie stellten sich als Rita, Karin und Beate aus Deutschland vor. Das erste Pilgertreffen auf der Via Francigena! Die Drei wollen von Lausanne bis Aosta gehen. Wir unterhielten uns, und tauschten einige Pilgererfahrungen aus.
Kurz nach Versvey wurde der Weg wieder schöner. Es ging wieder einmal in die Weinberge hinauf in das Dorf Yvorne. Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis Aigle. In der Gemeinde angekommen, ging ich in der Fußgängerzone in ein kleines Restaurant und stärkte mich. Ich versuchte in der nächsten Ortschaft Ollon telefonisch ein Zimmer zu reservieren, da es dort nur eine Unterkunftsmöglichkeit ggibt. Wie sich herausstellte, war diese aber geschlossen. So beendete ich hier in Aigle meine heutige Etappe. Morgen möchte ich möglichst nahe nach Martigny gehen.

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Mystische Morgenstimmung.

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Die Gabel im See.

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Das Château de Chillon.

 

03. Juli 2014                                              TAG 16

Strecke: Aigle – Ollon – Saint Maurice – Vernayaz – Martigny

Streckenlänge: 38,5 Kilometer             Gehzeit: 9h44min

Aufstieg: 867 m                 Abstieg: 808 m

Meine Frage des Tages lautete folgendermaßen: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Umdrehen? Den gestrigen Nachmittag vertrödelte ich in Aigle. Ich flanierte durch die engen Gassen und beobachtete die Einheimischen. Um 20:00 Uhr war ich aber schon wieder „bettfertig“. So startete ich meine Etappe ausgeschlafen um 05:13 Uhr. Der Weg führte mich zuerst hoch zum Château Aigle, das schön eingebettet in den Weinbergen liegt. Danach führte mich der Weg durch einen Wald zur Bahnhaltestelle von Verchiez. Und hier passierte mir ein Fehler. In meinem Pilgerführer stand: „Gehen sie hier geradeaus über die Gleise“. Und da war auch eine gelbe Markierung wie sie sonst auch immer am Weg ist. Leider gab es hier auch noch eine weitere Möglichkeit zu gehen, nämlich halbrechts. Ich pilgerte also einen wunderschönen Waldweg empor. Die Schwarzspechte flogen hier nur so umher. Ich querte ein paar Mal eine Schotterstraße, aber irgendwie kam es mir komisch vor. Laut meinem Pilgerführer schätzte ich diesen Anstieg nicht als so zeitandauernd ein. Aber was tun? Umdrehen? NEIN! Womöglich kommt hinter der nächsten Ecke die beschriebene Raststelle. Also ging ich immer brav den wunderschönen Waldpfad weiter. Nach einem ungefähr 45-minütigen Aufwärtsgalopp hatte ich dann aber endgültig die Nase voll. Ich beschloss umzudrehen, und den Schotterweg gemütlich hinabzugehen. Der Waldpfad war mir zu rutschig. Ich marschierte nicht gerade mit fröhlichem Gesicht den Schotterweg hinunter, denn der kürzeste Weg war dies natürlich nicht. Also beschloss ich wiederum, bei nächster Gelegenheit in meinen Waldweg einzubiegen. Gesagt – getan. Jetzt marschierte ich wieder den Waldpfad hinunter. Nach ungefähr 5 Minuten bemerkte ich, dass ich diesen Weg nicht gegangen bin. Was mir aber gefiel war, dass der Weg in die Richtung meines nächsten Zielortes führte. Und siehe da, nach 10 Minuten kam ich an der Stelle raus, wo die beschriebene Raststelle war. Meine Freude übertrumpfte meinen Ärger. In Ollon angekommen, machte ich eine ausgiebige Rast. Danach ging es wieder in die Weinberge. Heute, wo wieder die Sonne schien, wurde fleißig gearbeitet. Der weitere Weg nach Saint Maurice führte der Rhône entlang. In Saint Maurice besichtigte ich noch die Basilika. Saint Maurice gilt als ältestes christliches Zentrum der Schweiz. Deshalb war dieser Ort schon immer ein wichtiger Pilgerort für die Rompilger.
Nach einer weiteren Pause ging es für mich weiter in Richtung Martigny. Der Weg dorthin ging immer wieder durch romantische Hohlwege. Noch einmal legte ich eine Pause ein. Gegen 17:00 Uhr erreichte ich Martigny. Ich marschierte in die Touristeninformation um mir ein Zimmer zu besorgen, zudem brauchte ich noch meinen Tagesstempel. Carina, die Mitarbeiterin, freute sich besonders, dass ich einen Stempel wollte. Sie haben einen neuen wunderschönen Stempel, und ich war der erste Pilger der ihn bekam. Hoffentlich kann ich heute gut schlafen! Morgen soll das Wetter wieder umschlagen. Ich werde versuchen Bourg Saint Pierre zu erreichen, aber nur, wenn es nicht regnet.

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Der ungewollte Ausblick.

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Der Weg führte durch zahlreiche Weinberge.

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Die Burg Burg Saint Maurice.

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Die Berge rufen.

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Ende gut, alles gut.

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Martigny

 

 

 

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