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26. - 29. Juni: Wiedersehen mit Antonia

Nach einem kleinen Motivationstief an Tag 9 schöpft Peter Mayr wieder neue Kraft und lief am Wochenende bis nach Romont.

26. Juni 2014                                             TAG 9

Strecke: Iseltwald – Bönigen – Interlaken – Neuhaus – Beatushöhlen – Merligen – Spiez – Einigen – Burgunderweg – Amsoldingen

 Streckenlänge: 43,1 Kilometer                       Gehzeit: 9h11min

Aufstieg: 771m                   Abstieg: 737m

Wenn ich den heutigen Tag mit einem Satz beschreiben müsste, so würde er ungefähr so lauten: Ein Tag mit vielen Aufs und Abs. Aber nun von vorne:
Heute marschierte ich zur Abwechslung mal wieder mit leerem Magen los. Man hatte vergessen, das Frühstück für mich herzurichten. Das kann passieren, viel Hunger hatte ich sowieso nicht. Gestern Abend ging ich noch in das Dorflokal und aß das Tagesmenü, es gab Suppe mit Ei und Spaghetti Bolognese. Mir schmeckte es vorzüglich, nur mein Magen hatte scheinbar etwas dagegen, in der Nacht darauf schlief ich nicht gut. Trotzdem startete ich um 05:20 Uhr meine heutige Etappe. Es ging zuerst bergauf, danach auf einer alten Landstraße in Richtung Bönigen. Circa 20 Minuten vor Bönigen traf ich auf einen Jogger. Sein Name war Stan und er war aus Salt Lake City. Wir wechselten ein paar Worte und machten jeweils Fotos für den Anderen. Die Stimmung war nämlich perfekt, es zeichneten sich wunderbare Spiegelungen im See. Kurz darauf spiegelte sich sogar der Sonnaufgang im See. Nach Bönigen ging es für mich eben weiter bis Interlaken. Heut zeigten sich sogar noch die Schweizer Berge, das Jungfraumassiv strahlte im schönsten Weiß. Kurz danach machte ich in einer Bäckerei meine erste Pause. Den Weg aus Interlaken heraus zu finden war nicht gerade einfach, aber schlussendlich fand ich doch wieder auf den richtigen Weg. Der Weg führte entlang der Aare in das Naturschutzgebiet Weissenau. Hier wurde wirklich tolle Arbeit geleistet. Das Land ist bis hin zum See renaturiert worden. Vorher war das Gebiet verlandet, jetzt gibt es viele Kanäle und viel Schilf: Ein wahres Tierparadies. Von Neuhaus aus ging es dann bergauf auf alten Wegen zur Beatushöhle, die im Mittelalter ein wichtiger Wallfahrtsort war. Hier machte ich meine zweite Pause. Eine Kellnerin sprach mich an, wohin meine Reise gehe. Sie gab mir noch den Ratschlag, mit dem Boot von Merligen nach Spiez zu fahren. Dies wäre eine Variante des Jakobsweges. Der große Vorteil sei, so erklärte sie mir, dass man auf der anderen Seite mehr Schatten habe. Mein Pilgerführer kennt diese Variante auch, die Schweizer Jakobsweg Gesellschaft empfiehlt sie sogar. Ich war im Zweifel. Wie geht es auf der anderen Seite weiter, wie viele Höhenmeter sind dort zu machen? Gibt es auch Raststationen? Ich beschloss, einmal den Weg bis Merligen fortzusetzen und mir erst dort den Kopf darüber zu zerbrechen. Der Weg dorthin war zumeist sehr schön, lediglich ein kleiner Abschnitt war nichts für mein Gemüt. Ich muss an der Stelle ganz ehrlich zugeben, dass ich seit dem späteren Vormittag ein kleines Motivationstief hatte.
In Merligen hatte ich dann die Qual der Wahl – ich stand an der Wegkreuzunng und beide Wege waren angeschrieben. Ich nahm den Ratschlag der Kellnerin an, und fuhr mit dem Schiff auf die andere Seite. Und ich kann sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Es ging mir sofort viel besser, was sich nach circa 1 Stunde noch steigern sollte. Die Landschaft war hier gänzlich anders. Der Weg führte über Weinberge hinauf, es ging weiter durch kleine Wäldchen, und vor allem eins: Der Großteil des Weges war wirklich im Schatten. Im Boot hatte ich mir noch eine Panoramakarte mitgenommen. Bei einer kleinen Pause studierte ich die Karte und konnte hocherfreut etwas feststellen: Ich muss nicht nach Thun, sondern kann diese Großstadt „rechts“ liegen lassen. Meine Stimmung stieg nochmals rasant an. Ich beschloss deshalb, meine Etappe heute in Amsoldingen zu beenden. In Einigen machte ich nochmals eine längere Pause, ich war doch schon wieder lange unterwegs. Der weitere Weg von Einigen in Richtung Amsoldingen war leider sehr schlecht angeschrieben. Ich lief für kurze Zeit im Kreis, was meiner Stimmung natürlich einen Dämpfer versetzte. Nur durch Zufall fand ich wieder auf den richtigen Weg zurück. Ich war froh, als ich um 18:00 Uhr mein Ziel erreichte.

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Der Thurnersee.

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Entlang der Aare.

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Hier fange ich nur beim Anblick schon zu schwitzen an.

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Perfekte Sonnenaufgänge.

 

27. Juni 2014                                             TAG 10

 Strecke: Amsoldingen – Blumenstein – Wattenwil – Burgistein – Riggisberg – Rüeggisberg – Wislisau – Henzischwand

 Streckenlänge: 31,5 Kilometer               Gehzeit: 6h59min

Aufstieg: 669m                   Abstieg: 504m

Gestern kam ich im Gasthof Kreuz unter. Auch hier waren wiederum alle ausgesprochen freundlich. Die Schweizer haben, glaube ich, sehr viel Verständnis für uns Pilger. Auch hier erklärte mir die Kellnerin „alles“ hinter der Theke, damit ich morgen wieder ein tolles Frühstück bekomme.
So marschierte ich heute um 05:20 Uhr voll gestärkt los. Mein Stimmungsbarometer war immer noch hoch. Gut gelaunt ging es für mich auf schönen Wegen in Richtung Blumenstein. Das Wetter war überraschenderweise sehr gut, der Wetterbericht hatte eigentlich schlechtes Wetter prophezeit. Ich glaube sogar, dass sich auch die Natur über das schöne Wetter freute, es kam mir zumindest so vor, als zwitscherten die Vögel heute morgen besonders laut. Kurz vor Blumenstein ging die Sonne auf. Dies genieße ich immer besonders intensiv. Mir kommt es immer so vor, als werfe die Sonne eine unsichtbare Farbdecke über die Landschaft. Die Kornfelder schimmern dann immer in einem ganz intensiven Goldton. Dies sind die Momente, wo ich sehr gerne verweile. Nach Wattenwil geht man einem wunderschönen Weg entlang dem Fallbach, anschließend entlang der Gürbe. Hier hat man einen kleinen Naturschaupfad angelegt. In Wattenwil machte ich in der Ortsbäckerei meine erste längere Pause.
Beim Aufstieg von Wattenwil in Richtung Burgistein blitzte auch noch im Hintergrund der Eiger kurz hervor. Die Lichtverhältnisse ließen aber leider kein Foto zu. In Burgistein angekommen, begrüßte mich wieder ein Einheimischer, der gerade beim Kirschen pflücken war. Wir wechselten ein paar Worte und wie sich herausstellte, lebte er früher in Altstätten. Er gab mir noch Kirschen mit auf den Weg und wünschte mir alles Gute. Je länger ich heute gehe, umso mehr verändert sich die Landschaft. Das Land wird wieder offener, weiter. Die Berge rücken immer mehr in die Ferne. In Riggisberg angekommen, machte ich meine nächste Pause, denn im Anschluss geht es wieder bergauf nach Rüeggisberg. Ich versuche immer meine Pausen so einzurichten, dass danach ein Anstieg kommt. Die Füße tun sich einfach leichter. In Rüeggisberg besuchte ich die Klosterruine. Dieses Kloster stammt aus dem 11. Jahrhundert und war eine wichtige Herberge für die damaligen Jakobspilger.
Von Rüeggisberg aus geht es wieder hinunter nach Wislisau. Anschließend ging es zuerst auf einem wunderschönen Weg am Fluss entlang bis der letzte doch etwas härtere Anstieg kam. Vor allem waren wieder etliche Stufen zu bezwingen. Anstiege gehen für mich noch, aber wenn ich viele Stufen sehe, schwitze ich schon beim Hinschauen. Nachdem ich diese Höhenmeter bezwungen hatte, ging es auf einer Ebene weiter bis nach Henzischwand, wo meine heutige Etappe endete.

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Die Kirche Riggisberg.

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Die Klosterruine Rüeggisberg.

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Einfach nur traumhaft.

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Keine Abgaswolke.

 

28. Juni 2014                                             TAG 11

 Strecke: Henzischwand – Schwarzenburg – Heitenried – St. Antoni – Tafers – Fribourg

 Streckenlänge: 29,9 Kilometer               Gehzeit: 5h43min

Aufstieg: 364 m                    Abstieg: 559m

 

Heute war Abmarsch um 05:19 Uhr. Natürlich hatte ich wieder gefrühstückt. Dieses Mal war sogar alles frisch hergerichtet, denn meine Hausherrin war um diese Zeit auch schon munter. Sie betreibt eine Landwirtschaft und bäckt für einen Laden in Fribourg samstags immer frisches Brot. Von Henzischwand, das zur Gemeinde mit dem wunderbaren Namen Mamishaus gehört, geht es auf einer sanft hügeligen Hochebene nach Schwarzenburg. Die Landschaft ist hier wunderschön. Ein Getreidefeld reiht sich an das andere. Ich kam sehr schnell vorwärts und erreichte schon bald Schwarzenburg. Für eine Pause war es mir noch zu früh, also ging ich schnurstracks weiter. Es ging in einem Wäldchen hinunter in den Sensegraben. Hier marschierte ich immer wieder auf alten historischen, noch gut erhaltenen Wegen. Im Tal angelangt überquerte ich den Fluss auf der Sodbachbrücke. Diese Brücke wurde im Jahre 1867 erbaut und hat eine Spannweite von über 40 Metern. Kurz darauf erreichte ich den Ort Heitenried, wo ich meine erste Pause einlegte. Frisch gestärkt zog ich weiter nach St. Antoni und von dort aus ging es wiederum weiter in den schönen Ort Tafers. Tafers ist der Hauptort des Sensebezirkes und wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal erwähnt. Die Kirche St. Martin wurde im Jahre 1148 erstmals urkundlich erwähnt. Sehenswert ist außerdem die Jakobskapelle auf dem Friedhof. Sie wurde zum ersten Mal 1665 erwähnt, der frühbarocke Altar stammt aber aus dem Jahre 1640. Auf der Fassade der Kapelle wird die Legende vom Galgenwunder dargestellt, eine sehr wichtige Legende auf dem Jakobsweg.
Hier in Tafers machte ich nochmals eine Pause und überlegte, welcher Wochentag heute eigentlich war. Ach ja, Samstag – Brunitag. Denn immer samstags telefonieren wir miteinander. Also nichts wie raus mit dem Telefon!
Motiviert durch Brunis Worte ging es danach weiter in Richtung Fribourg. Nach circa 1 Stunde und 15 Minuten erreichte ich die Altstadt von Fribourg. Diese ist absolut sehenswert. Was mir besonders gut gefiel war die gute Beschriftung des Jakobswegs durch Fribourg. Heute war ein Markttag und es herrschte reges Treiben in den Gassen. Der Weg führte mich direkt zur Kathedrale St. Niklaus. Ich betrat die Kathedrale und ich bekam Gänsehaut, da in der Kirche gerade ein wunderschönes Orgelkonzert gespielt wurde. Ich setzte mich ganz hinten in eine freie Reihe und lauschte den Tönen. Nach 5 Minuten war das Konzert aber leider schon vorbei. Ich ließ meinen Pilgerpass noch abstempeln und zog weiter in Richtung Herberge, wo meine deutsche Pilgerfreundin Antonia bereits auf mich wartete. Die Wiedersehensfreude war riesengroß. Morgen marschieren wir zu zweit los. Ich bin schon gespannt, wie es wird!

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Wunderschöne Natur.

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In Fribourg.

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Ohne Worte!

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… und immer wieder geht die Sonne auf.

 

 29. Juni 2014                                             TAG 12

 Strecke: Fribourg – St. Apolline – Posieux – Autigny – Romont

 Streckenlänge: 32 Kilometer                  Gehzeit: 6h26min

Aufstieg: 547m                    Abstieg: 412m

Gestern Nachmittag genossen Antonia und ich noch die schönen Lokale in den engen Gassen von Fribourg. Da wir uns schon lange nicht mehr gesehen hatten, gab es natürlich viel zu erzählen.

Heute Morgen gingen wir es gemächlicher an. Dies hatte zweierlei Gründe: Zum einen war es für Antonia heute die erste Etappe, zum anderen regnete es sehr heftig. So zogen wir erst um 06:15 Uhr ohne Frühstück los. Wir waren sehr schnell aus Fribourg raus. Der Weg ging heute sehr oft auf wunderschönen Wald- und Wiesenwegen dahin. Wir waren immer sehr froh, wenn der Weg durch einen Wald führte. Hier waren wir einigermaßen geschützt von Wind und Regen. Kurz nach dem Bahnhof von Villars-sur-Glâne passierten wir die historische Brücke St. Apolline. Mit großer Hoffnung näherten wir uns dem Dorf Posieux. Ob dort wohl ein Restaurant geöffnet hat? Als wir ins Dorf kamen sahen wir, dass zwar der örtliche Supermarkt offen war, das Restaurant daneben hatte leider zu. Plötzlich erschien eine Dame und erklärte uns, dass sie gerne für uns aufsperren würde. So saßen Antonia und ich keine fünf Minuten später in dem Lokal mit dem Namen „La Croix Blanche“. Wir bestellten beide eine wärmende Tasse Tee und einen Liter Mineralwasser. Dazu bestellten wir auch noch Toastbrot. Das konnte sie uns aber nicht anbieten, da sie normalerweise erst in einer Stunde aufsperren würde. Sie erlaubte uns aber, unsere selbst mitgebrachten Sachen zu verspeisen und brachte uns auch noch Olivenöl. Als ich zahlen wollte, nahm sie kein Geld an. „Das geht auf das Haus, ich habe ja noch gar nicht offen“, erklärte sie uns lachend. Wieder eines dieser einmaligen Erlebnisse heuer am Schweizer Jakobsweg. Dankend verließen wir das Haus und zogen weiter. Der Regen hatte in der Zwischenzeit etwas nachgelassen. Antonia und ich schwelgen in alten gemeinsamen Pilger-Erinnerungen und so verflog die Zeit wie im Flug. In Autigny angekommen, machten wir unsere zweite Pause – dieses Mal sogar mit Mittagessen. Wir brauchten einfach eine warme Mahlzeit. So konnten wir unsere letzten Kilometer für heute gut in Angriff nehmen. Von weitem sahen wir am Hügel bereits die mittelalterliche Stadt Romont, die wir nach einer weiteren Stunde Gehzeit erreichten. Wir gingen zuerst in die Stiftskirche Maria Himmelfahrt. Romont ist besonders bekannt für die Glasmalerei. In dieser Stiftskirche kann man wertvolle Glasmalereien bestaunen. Morgen kommen wir in die Nähe von Lausanne gehen, das Wetter sollte dann auch wieder besser sein.

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Das pilgerfreundliche Lokal “La Croix Blanche”.

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Die alte Pilgerbrücke St. Apolline.

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Romont erreicht.

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