22. – 24. Juli: Endlich Meer in Sicht!

Pilger Peter Mayr ist seinem Ziel Rom wieder einen großen Schritt näher gekommen und erblickte bereits das Meer.

22. Juli 2014                                               TAG 35

 Strecke: Aulla – Sarzana

Streckenlänge: 17,5 Kilometer             Gehzeit: 5h49min

Aufstieg: 624 m                  Abstieg: 648 m

In Aulla gab es gestern nicht viel zu sehen. Diese italienische Gemeinde war im Zweiten Weltkrieg durch Kriegseinwirkung sehr stark betroffen. Die Zerstörungen wurden nie richtig behoben. Gestern schaute ich mir am Nachmittag die weitere Strecke nach Rom an. Es sind ungefähr noch 480 Kilometer zu bewältigen. Ich liege sehr gut im Plan, sodass ich ein bisschen bremsen darf. Zu früh möchte ich nicht in Rom ankommen, das macht keinen Sinn. Mein Plan ist es, am 11. oder 12. August in Rom einzutreffen. Jeder Rompilger erhält eine Papstaudienz, und die ist immer am Mittwoch, das wäre in dem Fall am 13. August. Ich habe auch noch ein paar sehr schöne Städte wie Lucca oder Siena vor mir. Vielleicht gönne ich mir ja doch mal einen Ruhetag.

Ich setzte mein Vorhaben heute gleich in die Tat um und marschierte erst um 06:20 Uhr los. Die Wolken hingen sehr tief, aber immerhin regnete es nicht, obwohl es in der Nacht noch sehr stark geregnet hatte. Ich entschied mich für den schönen Weg über die Berge. Auf der Schnellstraße bin ich genug gelaufen! Hinter Aulla ging es gleich einmal sehr steil bergauf auf einem wunderschönen Waldpfad. Der Regen kam nicht vom Himmel, sondern von den hohen Gräsern, Sträuchern und Bäumen. Brombeerranken versperrten mir immer wieder den Weg. Als ich meinen ersten Berg geschafft hatte, hatte ich eine traumhafte Aussicht. Unten im Tal waren die Wolken, doch oben strahlend blauer Himmel. Der Weg ging weiter am wunderschönen Dorf Bibola vorbei. Ich kam mächtig ins Schwitzen. Schuld waren nicht nur der doch immer wieder sehr steile Aufstieg sondern auch meine Regenjacke. Aber die Jacke auszuziehen kam nicht in Frage, denn immer wieder bekam ich eine Wasserdusche von den Bäumen ab. Die Ausblicke, die ich heute hatte, waren fantastisch. Auf jedem noch so kleinen Hügel thront ein kleines Dorf. Auch das Dorf Ponzano Superiore liegt wunderbar auf einem Hügel. Hier machte ich eine Pause. Ich beobachtete nicht nur die Schwalbenschwänze wie sie sich hungrig auf die Blüten stürzten. Ich konnte von hier aus auch zum ersten Mal das Meer sehen. Ich genoss dieses Panorama! Hier traf ich meine heute beste Entscheidung: Ich werde nur bis Sarzano marschieren. Der heutige Weg war sehr anstrengend, und ich habe ja genügend Zeit. Warum also weiter laufen? So marschierte ich gut gelaunt die letzten Kilometer bis Sarzano und bezog dort mein Quartier. Anschließend besichtigte ich den Dom, die Porta Romana und die Citadella. Firmafede. Nach diesem Sightseeing-Programm hatte ich doch Hunger. Ich fand eine nette Ostaria in einer Seitengasse, wo ich das Tagesmenü genoss. Morgen werde ich voraussichtlich bis nach Massa gehen.

dieKathedraleSantaMariaAssunta
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Die Kathedrale Santa Maria Assunta.

Schwalbenschwanz2
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Ein Schwalbenschwanz.

zumerstenMaldasMeergesichtet
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Zum ersten Mal das Meer gesichtet.

 

23. Juli 2014                                               TAG 36

 Strecke: Sarzana – Luni – Avenza – Massa

 Streckenlänge: 28,1 Kilometer             Gehzeit: 6h26min

Aufstieg: 368 m                  Abstieg: 355 m

Gestern gönnte ich mir am Nachmittag ein kurzes Nickerchen. Gegen 17:00 Uhr ging ich noch ins Zentrum von Sarzana und setzte mich in ein Kaffeehaus. Kurze Zeit später kam zufällig Giorgio vorbei, für den ja hier der Weg vorbei war. Wir freuten uns, uns nochmals zu treffen, und wünschten uns alles Gute für die Zukunft. Er war in Begleitung eines weiteren italienischen Pilgers. Für ihn war leider auch Schluss in Sarzana. Er war gestern am Regentag ausgerutscht und hatte sich den Fuß verdreht. Er wollte es heute nochmals probieren, aber er merkte, dass es keinen Sinn machte. Das machte mir bewusst, dass ich bis dato sehr viel Glück auf meinem Weg habe.
Heute marschierte ich um 05:28 Uhr los. Der Wetterprognose war eigentlich gut, aber es tröpfelte leicht. Ich verließ mich auf den Wetterbericht und zog keine Regenjacke an. Der leichte Regen hörte auch nach wenigen Minuten auf. Der Himmel war heute immer leicht bewölkt, es herrschte also ideales Wanderwetter. Zu Beginn führte mich der Weg hinauf zur Burg Castracani. Nach einem Rundgang zog es mich weiter in Richtung Luni. Landschaftlich war es auch wieder sehr schön. Leider ging es aber zumeist auf Asphalt dahin.

Hier in der Toskana sieht man wieder viele Weinkulturen, aber auch Oliven- und Orangenbäume. Kurz vor Luni sieht man sehr viele Ausgrabungen. Es wird auch aktuell immer noch gearbeitet. Mein Weg führte am Amphitheater vorbei. Der Ort Luni geht lückenlos über in den Ort Avenza. Hier machte ich bei der ersten Bar meine erste Pause, ich war doch schon fast 15 Kilometer lang unterwegs. Nach einer Stärkung ging es für mich weiter. Ich kam in das Zentrum von Avenza, wo heute Markt war. Bei einem großen Grillstand konnte ich nicht widerstehen. Ich kaufte mir gegrillte Rippchen und panierte Scampi. So setzte ich mich in einen nahen Park und machte bereits 20 Minuten später meine zweite Pause. Als ich das Dorf endgültig verließ, sprach mich noch ein Einheimischer an. „Stempel, Stempel“ rief er mir auf Deutsch zu. Er war der Messner der Kirche und lud mich ins Pfarrhaus ein. Wir plauderten ein Weilchen und zum Schluss stempelte er noch meinen Pilgerpass ab. Nach diesen drei Pausen ging es für mich jetzt aber endgültig weiter in Richtung Massa. Ich passierte den Ort Carrara, der übersetzt “Stein” heißt. Und das mit gutem Grund: Von hier stammt der weltberühmte Carrara Marmor. Schon die Römer bauten hier Marmor ab. Berühmt wurde dieser Marmor aber vor allem durch Michelangelo, der diesen Marmor verwendete. Hinter Carrara führte mich endlich ein wunderschöner Weg hinauf in die Weinberge. Leider endete dieser Weg aber abrupt bei einem verfallenen Haus. Natürlich ärgerte mich das. Ich fand einen schmalen Pfad, der durch einen Olivenhain nach unten führte. Ich erreichte die Schnellstraße SS1, die nach Massa führte. So marschierte ich wieder einmal auf einer Schnellstraße zu meinem Etappenziel. In Massa ging ich zuerst zum Dom, der wunderschön ist. Danach suchte ich nach den Markierungen der Via Francigena, damit ich morgen gleich wieder in die richtige Richtung unterwegs bin. Ich denke, heute werde ich wieder ein Nickerchen am Nachmittag machen, das schadet nie. ;-)

derDominMassa
derDominMassa

Der Dom in Massa.

esblueht
esblueht

Es blüht.

schoeneMorgenstimmung
schoeneMorgenstimmung

Schöne Morgenstimmung.

Trauben
Trauben

So viele Trauben!

 

24. Juli 2014                                               TAG 37

Strecke: Massa – Pietrasanta – Camaiore

Streckenlänge: 26,5 Kilometer               Gehzeit: 6h14min

Aufstieg: 440 m                  Abstieg: 483 m

Gestern, nach dem Nachmittagsschläfchen, erkundigte ich mich noch über den Wegverlauf der Via Francigena aus Massa hinaus. Man erklärte mir, dass der Weg zur Burg führt, danach wieder hinab. So startete ich heute um 05:28 Uhr mit großer Zuversicht, den richtigen Weg zu finden. Der Weg war anfangs auch wirklich gut gekennzeichnet. Es ging in Richtung Burg und ich kam zu einer Weggabelung bei einer Kirche. Hier waren anscheinend Vollprofis mit den Markierungsarbeiten beschäftigt. Wo markiert man normalerweise einen Weg? Direkt an der Kreuzung oder erst 50 Meter dahinter? Jedenfalls war hier keine Markierung vorhanden. Da ich aber wusste, dass der Weg nach oben zur Burg führt, wählte ich den diesen Weg. Oben bei der Burg angekommen, stand ich vor 2 verschlossenen Toren. Das war dann doch nicht der richtige Weg. Also nichts wie runter und den anderen Weg nehmen. Gesagt – getan. Nur hier waren auch nach 200 Metern keine Markierungen vorhanden. Ich überlegte, was ich machen sollte. Zurück nach Massa und wieder der Schnellstraße entlang gehen? Ich muss ehrlich zugeben, dass ich doch ein bisschen frustriert und auch sauer war. Ich ging zu der Stelle, wo ich die letzte Markierung gesehen hatte. Hier war über die Via Francigena sogar eine große Tafel aufgestellt. Da muss doch noch was sein. Ich suchte, und siehe da, ich fand bei der Kirche einen schmalen Durchgang. Dahinter, nach ungefähr 100 Metern, war auch wieder eine Markierung! Was für Profis! Mein Zorn legte sich aber rasch. Zufrieden, wieder am richtigen Weg zu sein, marschierte ich weiter. Leider führte dieser Weg aber schnurstracks zur Schnellstraße. Hier fand ich eine offene Bar, und ich genehmigte mir einen Espresso, bevor ich weiter ging. Der Weg führte für die nächsten Kilometer an der Schnellstraße entlang. Im Dorf Capanne zweigte die Via Francigena dann ab. Es ging zwar weiterhin auf Asphalt dahin, die Nebenstraßen waren aber zum Glück nicht so stark befahren. Es ging nun einen kleinen Berg hinauf. Auf halber Höhe fing es leicht an zu regnen. Ich blieb stehen, und zog den Regenschutz über meinen Rucksack. Ich selbst marschierte ohne Regenschutz weiter. So erreichte ich das Dorf Vallecchia. Die Markierungen waren von hier an wieder sehr gut. Auch der Weg für die Füße war hier sehr angenehm. Es ging auf einem Dammweg in Richtung Pietrasanta. In dieser Region sind viele Marmorverarbeiter angesiedelt. Kurz vor Pietrasanta fing es an zu regnen. Ich beschleunigte meinen Schritt und erreichte die Fußgängerzone. In einem überdachten Café machte ich eine kleine Pause.

Anschließend ging ich jetzt mit Regenjacke weiter in Richtung Camaiore. Der Weg zweigte von der Hauptstraße ab, und es ging auf einer ruhigen Nebenstraße dahin. Es hörte dann sogar auf zu regnen. Nass wurde ich aber trotzdem. Mein Weg zweigte in einen schmalen Pfad ab. Es ging bergauf, Brombeerranken und andere Sträucher versperrten mir immer wieder den Weg. Mit jeder Berührung bekam ich eine ordentliche Dusche ab. Oben angekommen, führte mich der Weg durch einen Bambuswald hinab. Irgendwo auf diesem Weg verlor ich wegen der vielen natürlichen Hindernisse meine Trinkflasche. Die Gegend hier war wunderschön. Bananen, Oliven, Wein, all das wächst hier. Gegen 13:30 Uhr erreichte ich mein Etappenziel Camaiore. Morgen geht es nach Lucca. Lucca soll einer der schönsten Städte der Toskana sein. Ich bin voller Erwartungen.

amDammentlang
amDammentlang

Am Damm entlang.

Etappenzielfasterreicht
Etappenzielfasterreicht

Etappenziel fast erreicht.

Marmorverarbeiter
Marmorverarbeiter

Marmorverarbeiter.

netteMarkierung
netteMarkierung

Nette Markierung.

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