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19-jähriger Tiroler wegen versuchter Tötung auf Verlangen verurteilt

Wegen der versuchten Tötung auf Verlangen eines unter Depressionen leidenden Bekannten ist am Montag ein 19-jähriger Tiroler von einem Innsbrucker Schöffengericht verurteilt worden.

Eine sechsmonatige unbedingte Freiheitsstrafe muss der zweifach Vorbestrafte absitzen, nachdem er fünf Monate nach seiner letzten Verurteilung und somit innerhalb seiner Probezeit straffällig geworden war. Das Urteil ist vorerst nicht rechtskräftig, der Verurteilte verließ weinend den Gerichtssaal.

“Es ist Gott sei Dank nur beim Versuch geblieben”, führte Richter Andreas Fleckl den Milderungsgrund an. Aufgrund der Gegenwehr des Mannes Mitte Zwanzig sei der Versuch gescheitert, ihm durch Ertränken in der eigenen Badewanne zum “Selbstmord” zu verhelfen. “Sie sind nicht freiwillig von der Tat zurückgetreten, sondern haben Ihrem Bekannten noch Alternativen für einen Suizid vorgeschlagen”, warf Fleckl ihm vor.

Dafür habe dieser dem depressiven Mann vorgeschlagen, ihn von einer Autobahnbrücke zu stoßen. Unschön sei auch, dass der Verurteilte durch die Entgegennahme von rund 850 Euro seine Hilfsbereitschaft für einen “Selbstmord” gezeigt habe. Das Geld hatte er nach dem Scheitern wieder zurückgegeben.

Der Vater einer zweieinhalb Monate alten Tochter hatte sich im Voraus nicht schuldig bekannt. Er hatte hinter der Anklage einen Racheakt wegen der verschmähten homosexuellen Liebe zu dem psychisch kranken Mann gesehen. “Er wollte es nie akzeptieren, dass ich eine Freundin und jetzt eine Familie habe”, gab der arbeitssuchende Unterländer an. In der besagten Nacht im April habe er den Kollegen um Mitternacht zwar in seine Wohnung begleitet, sei allerdings zehn Minuten später nach Hause gegangen.

“Ich wollte, dass mein Bekannter gut heimkommt. Er war so betrunken und stand unter Medikamenten”, schilderte der Angeklagte. Nach Angaben des in psychiatrischer Behandlung stehenden Mannes sei dieser aber bis in die frühen Morgenstunden geblieben. Der Selbstmord in der Badewanne sei eingefallen, weil es am ehesten nach einem Unfall aussehe, sagte der Zeuge. “Ich habe ihm gesagt, er soll meinen Kopf unter Wasser drücken, wenn ich es nicht mehr alleine schaffe”, gab er an. Der 19-Jährige habe dafür Einweghandschuhe verwendet. Nach dem gescheiterten Versuch habe die Freundin des Angeklagten nach dessen telefonischer Bitte die Rettung für eine Einlieferung ins Krankenhaus gerufen.

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