18. – 21. Juli: Das Tor zur Toskana

36 Grad und Sonnenschein, Gewitter mit heftigen Regenschauern und auch wieder einige zu bewältigende Höhenmeter: Auf den letzten Etappen von Pilger Peter Mayr war von allem etwas dabei. 

18. Juli 2014                                              TAG 31

Strecke: Fidenza – Costamezzana – Medesano – Fornovo di Taro                          

Streckenlänge: 35,2 Kilometer             Gehzeit: 7h43min

Aufstieg: 604 m                 Abstieg: 539 m

Ja, nach dem heutigen Tag ist mir wieder vollkommen bewusst, warum ich diesen Weg gehe. Aber dazu noch später. Leider war die Herberge ausgebucht, obwohl ich vorher kurz angerufen hatte. Das komische war nur, es waren keine anderen Pilger hier. Vielleicht hat diese Herberge ein Bettwanzenproblem, das soll ja vorkommen – das war ja auch 2012 immer wieder einmal der Fall. Ich fand aber Unterschlupf in einer kleinen Pension, und die war ein Volltreffer. Die Chefin des Hauses stand heute extra für mich um 04:45 Uhr auf, und machte mir ein ausgezeichnetes Frühstück. So konnte ich mich bereits um 05:15 Uhr auf den Weg machen. Die Strecke aus Fidenza hinaus ist relativ kurz. Danach ging es gleich auf wunderschönen Wegen immer wieder bergauf und bergab. Nach 57 Minuten hatte ich schon mehr Höhenmeter gemacht als in den letzten vier Tagen zusammen. Ich erlebte auch heute wieder ein wunderschönes Naturschauspiel, einen perfekten Sonnenaufgang. Die Landschaft hinter Fidenza ist gleich ganz anders. Hier sind nicht nur viele Felder, sondern man geht auch immer wieder durch Weinberge. Wie hatte ich mich auf die Berge gefreut. Natürlich kam ich gleich mächtig ins Schwitzen. Aber ich mag das, ich weiß, mein Körper arbeitet. Bei meiner ersten Rast lernte ich Paul aus London kennen. Er ist seit 55 Tagen unterwegs. Er startete in London und sein Ziel heiß ebenfalls Rom. Er erzählte mir, dass auch er Schienbeinentzündungen hatte. Jetzt geht es ihm aber wieder gut, er kommt gut vorwärts. Heute hatte es bereits um 09:00 Uhr 31 Grad Celsius. Um 11:00 Uhr war es dann wieder soweit, ich spannte meinen Sonnenschirm auf. Ich trage nicht gerne eine Kopfbedeckung, und ich muss ehrlich sagen, der Schirm taugt was. Er ist UV-beschichtet, und es ist doch so zwei Grad kühler darunter. Meine Uhr zeigte heute zeitweise 36 Grad an. Auf meiner heutigen Etappe lernte ich noch drei junge Italiener kennen. Sie sind gestern in Fidenza gestartet, ihr Ziel heißt Lucca in der Toskana. Es ist ihr erster Pilgerweg, sie wollen es mal probieren. Eine nette Begebenheit hatte ich in meiner zweiten Pause. Der Chef vom örtlichen Supermarkt in Medesano sprach mich auf Deutsch an. Er lebte früher in der Schweiz, und sprach daher perfektes „Schwizer Dütsch“. Er wollte mich auf ein Bier einladen, das ich aber dankend ablehnte. Es wäre für mich noch zu früh, immerhin lagen noch gut 15 Kilometer vor mir. Danach wurde ich noch von einem 86-jährigen Italiener auf Englisch angesprochen. Er interessierte sich für meine Pilgerreise, und erzählte mir auch von seinen Wanderungen.
Nach diesem schönen Zwischenstopp ging es für mich weiter nach Fornovo di Taro. Der Weg dahin war ebenfalls wieder wunderschön, wenngleich auch sehr anstrengend. Nicht nur die Höhenmeter setzten zu, sondern auch die Hitze. Zum Schluss ging es entlang einer Au dem Fluss Taro entlang. Gegen 15:00 Uhr erreichte ich meine heutige Herberge. Morgen soll es nicht kühler werden, dafür noch mehr bergauf gehen.

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Die Eisenbrücke über den Fluß Taro.
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Keine Angst, das Haus brennt nicht ;-).
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Ohne Worte.
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Es wird wieder hügelig.
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Was täte ich bloß ohne Schirm?

 

19. Juli 2014                                              TAG 32

Strecke: Fornovo di Taro – Cassio di Terenzo – Berceto                      

Streckenlänge: 35,2 Kilometer             Gehzeit: 79h14min

Aufstieg: 1.464 m              Abstieg: 816 m

Gestern um 19:30 Uhr trafen ganz erschöpft die drei jungen Italiener ein. Sie waren froh, dass in der Herberge noch ein Platz war. Sie erzählten mir, dass sie immer um 11:00 Uhr weggehen. Sie baten mich, dass ich sie morgen früh um 04:40 Uhr wecke. Sollten sie aber nicht reagieren, dann soll ich sie schlafen lassen. Was glauben Sie, hab ich sie wach bekommen oder nicht? Natürlich nicht!  ;-)
So marschierte ich um 05:00 Uhr alleine los, das Thermometer zeigte 21 °C. Um 08:00 Uhr erreichte das Thermometer schon 32 °C, es war also wieder sehr heiß heute. Heute Morgen sprangen viele Feldhasen über die abgeernteten Felder. Auch Rehe ließen sich immer wieder mal blicken. Der Weg heute war sehr anstrengend, es ging zum Teil auf Nebenstraßen dahin. Der Großteil waren aber unbefestigte Wege, Wiesen und Waldpfade. Landschaftlich war es ein Hochgenuss. Man hatte herrliche Fernsicht. Um 11:30 Uhr erreichte ich Cassio di Terenzo. Ich kehrte in ein Restaurant ein, und stärkte mich mit einer großen Portion Knoblauchspaghetti. Es war meine erste Mahlzeit für heute und mein Körper verlangte schon dringend die Kohlenhydrate. Bei der Mittagsrast entschied ich mich, dass ich die 10 Kilometer bis Berceto noch machen werde. Ich fühlte mich noch fit, und nach dem guten Essen auch noch voller Kraft. So marschierte ich nach einer langen Mittagspause weiter. Der Weg war weiterhin wunderschön. Nach ungefähr einer Stunde Gehzeit winkte mir eine Frau zu. Sie und ihre Familie luden mich zu einer Rast in ihrem Haus ein. Sie servierten mir Pizzaecken und kaltes Wasser. Den Wein, den sie mir anbaten, schlug ich dankbar aus. Magdalena, so hieß die Frau, war selber schon nach Santiago gepilgert. Sie und Ihre Familie wollen Pilgern einfach was Gutes tun. Tolle Sache! Jetzt war ich endgültig genug gestärkt für den restlichen Weg. Kurz vor Berceto kamen mir zwei Pilger entgegen. Wie sich herausstellte, waren es Schweizer – Simon und Valentin aus Martigny. Simon hatte zwei Jahre in Rom gearbeitet, und er geht jetzt zu Fuß nach Hause. Sein Bruder Valentin begleitet ihn. Für mich ist das eine coole Aktion. Wir unterhielten uns für eine Weile, dann gingen wir wieder alle in unsere Richtungen. Gegen 16:00 Uhr erreichte ich Berceto. Leider war die Herberge schon voll. Ich fragte einen Einheimischen nach Schlafmöglichkeiten. Er begleitete mich zu zwei verschiedenen Unterkünften, die leider ebenfalls alle belegt waren. Bei der dritten Unterkunft hatten wir Glück. Ich bedankte mich bei ihm und bezog mein Zimmer. Heute werde ich wiederum früh schlafen gehen. Morgen geht es über den Cisopass – das heißt wieder viele Höhenmeter.

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Morgendlicher Aufstieg.
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Pilgerdenkmal.
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Wunderschöne Motive.
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Cassio di Terence  ist erreicht.
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Simon und Valentin aus der Schweiz.
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Pilgerdenkmal und Dom in Berceto.

 

20. Juli 2014                                              TAG 33

Strecke: Berceto – Passo della Cisa – Pontremoli                    

Streckenlänge: 27,2 Kilometer             Gehzeit: 7h21min

Aufstieg: 707 m                 Abstieg: 1.245 m

Gestern ging ich nach langen Überlegungen doch noch rein nach Berceto. Ich wollte mir schließlich noch den Dom anschauen. In Berceto war richtig was los. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Am Domplatz spielte eine große Band, die Cafés und Bars waren sehr gut besucht. Auch ich genoss nach dem Dombesuch noch die gute Stimmung, dann war es aber Zeit für mich ins Bett zu gehen. Heute Morgen bekam ich um 05:00 Uhr vom Chef des Hauses frischen Kaffee serviert. So startete ich um 05:15 Uhr meinen heutigen Weg. Der Aufstieg zum Pass de Cisa war wunderschön. Es ging zum Teil sehr steil bergauf, zum Großteil aber immer sehr gemächlich. Um 07:00 Uhr hatte ich die höchste Stelle des heutigen Tages erreicht. Oben angekommen, traf ich einen Einheimischen, der Pilze suchte. Er erklärte mir die Umgebung –in der Ferne konnte man sogar das Meer sehen. Danach ging es für mich leicht bergab in Richtung Passo di Cisa, den ich nach 40 Minuten erreichte. Ich schaute mir noch die Kapelle Nostra Signora della Guardia am Pass an. Immerhin war diese um diese Zeit schon geöffnet. Leider lag aber in der Kapelle für uns Pilger kein Stempel. Ich traf eine Einheimische und fragte sie, wann die Bar hier oben aufmachen würde. Leider erst in 45 Minuten, sie sagte mir aber, dass in circa zwei Kilometer wieder eine Bar sein würde. So marschierte ich weiter. Um 07:52 Uhr durchschritt ich das Tor der Toskana. Ab jetzt ist die Küche noch besser und der Wein auch.  ;-) Leider war nach zwei Kilometern keine Bar. Zu dieser Bar kommt man nur, wenn man mit dem Rad oder dem Auto auf der Via Francigena unterwegs ist. So machte ich einfach an einer für mich schönen Stelle eine kurze Rast. Meine Füße brauchten Frischluft. Anschließend ging es weiter durch Laub- und Mischwald. Das Licht- Schattenspiel war heute wunderschön. Bei einem schönen Aussichtpunkt machte ich meinen nächsten Stopp. Hier traf ich auf einen italienischen Pilger namens Giorgio. Er startete in Pavia und geht heuer bis Sarzana. Gemeinsam gingen wir bis Groppoli. Hier trennten sich unsere Wege. Ich ging von hier weg auf der Straße, laut meinem Pilgerführer sollte ich bald in eine Ortschaft mit einer kleinen Bar kommen. Ich brauchte einfach was Kaltes zum Trinken. In Molinello kam ich dann zu der besagten Bar. Nach einer schönen erfrischenden Pause ging es für mich fünf Kilometer weiter bis Pontremoli, wo ich Antonia wieder traf. Gemeinsam gingen wir Mittagessen. Anschließend schauten wir uns noch den Dom an. Kurz danach traf ich Giorgio, der mir relativ atemlos entgegenkam. Er sagte mir, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Der Weg danach war scheinbar nicht so toll. Wer weiß! Morgen geht es für mich wieder alleine weiter nach Aulla, Antonia wird mindestens noch einen Tag Pause machen.

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Wunderbare Stimmung beim Aufstieg.
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Schatten-Selfie.
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Ein erster Blick in die Toskana.
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Das Tor zur Toskana.

 

21. Juli 2014                                              TAG 34

Strecke: Pontremoli – Filatteria – Villafranca bei Lunigiana – Aulla                    

Streckenlänge: 25,2 Kilometer             Gehzeit: 5h27min

Aufstieg: 112 m                 Abstieg: 284 m

Kurz nachdem ich heute Morgen um 04:20 Uhr wach wurde, fing es an zu donnern. Kurz danach dann auch zu regen. Also blieb ich noch liegen, es macht absolut keinen Sinn bei Gewitter los zu gehen. Eine Stunde später stand ich auf und machte mich gehbereit. So marschierte ich heute erst um 06:00 Uhr bei starker Bewölkung, aber ohne Regen los. Der Weg hinaus aus der Stadt war wunderschön. Es ging rasch auf Schotterwegen und später durch kleine Wälder hindurch. Nach ungefähr einer Stunde Gehzeit fing es an, in der näheren Umgebung zu donnern. Nicht schon wieder, dachte ich mir – Ich war ja bereits in der Schweiz in ein Gewitter hinein geraten. Ich beschleunigte meine Schritte, bis zu meinem ersten Pausenort Filatteria waren es noch circa vier Kilometer. Dort könnte ich in einer Bar wunderbar trocken eine Pause machen. Als ich das Dorf Migliarina erreichte, blitzte es doch schon sehr heftig in meiner Gegend. Ich suchte mir einen geeigneten Unterschlupf und wurde auch fündig. Es gab hier eine Gasse mit einem Gewölbe. Sogar ein Sessel stand hier herum. Sicherheitshalber richtete ich es mir hier gemütlich ein. Es dauerte keine fünf Minuten und es fing heftig an zu regen, und ein starkes Gewitter brach los. So verbrachte ich hier die nächsten 70 Minuten. Danach ging ich weiter, jetzt durch das Dorf Filatteria hindurch, Pause hatte ich ja jetzt schon genug. Ich traf hier aber eine Entscheidung. Der Weg bis hierher war wunderschön, es ging immer wieder auf alten Römerwegen dahin. Der Nachteil war aber, diese Wege sind ja nicht befestigt, das heißt, sie sind absolut rutschig. So ging ich die nächsten 16 Kilometer auf der Schnellstraße. Das war zwar wegen dem Verkehr auch gefährlich, aber für mich dennoch sicherer. Kurz nach Filatteria traf ich auf zwei Radpilger. Sie erzählten mir, dass sie heute vom Passo della Cisa gestartet waren. Auch dort hatte es hefig geregnet, sogar Hagel war im Spiel. Wieder einmal habe ich Glück gehabt. Ich durfte diese schöne Passage bei herrlichem Wetter erleben. Gegen 13:00 Uhr erreichte ich Allua. Ich bin froh, mein heutiges Tagesziel erreicht zu haben.

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Über alte Brücken geht es hinaus.
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Es schaut nach Regen aus.
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Der Regen war schneller als ich.
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Mein dankbarer Unterschlupf.
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Villafranca.

 

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