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150 Flüchtlinge vor Italien von Boot gerettet

Ein Boot mit rund 150 Flüchtlingen ist in der Nacht auf Donnerstag in internationalen Gewässern 100 Meilen vor der Küste der Mittelmeerinsel Lampedusa gesunken.

Die mehrheitlich afrikanischen Flüchtlingen konnten von einigen Fischkuttern gerettet werden. Sie waren bereits seit Tagen auf dem knapp acht Meter langem Boot unterwegs.

Zu den Flüchtlingen zählten 14 Frauen und 14 Kinder. Sie wurden in ein Aufnahmelager in Lampedusa untergebracht, ehe sie nach Sizilien geflogen wurden. Erst am Samstag war vor der Küste von Lampedusa ein Flüchtlingsboot mit vermutlich 70 Menschen gesunken. Bisher wurden erst sechs Leichen gefunden. Die Küstenwache suchte am Donnerstag weiter nach den Opfern des Schiffsunglücks.

Seit Jahresbeginn erreichten mehr als 5.600 Flüchtlinge die 20 Quadratkilometer große Insel Lampedusa, die sich zwischen Sizilien und Tunesien befindet. Das einzige Aufnahmelager der Insel, das für 190 Personen gebaut worden war, ist seit Monaten überfüllt. „Lampedusa ist für Verzweifelte aus allen Kontinenten zum Haupteingang zur EU geworden. Man hat uns mit diesem unaufhörlichen Flüchtlingsstrom allein gelassen“, klagte der Bürgermeister von Lampedusa, Bruno Siracusa.

Die Einwohner der Insel, die mehrheitlich vom Tourismus leben, bangen um ihre Sommergäste. Dutzende von Personen, die ihren Urlaub in Lampedusa planten, hätten ihren Aufenthalt in den Hotels und Ferienwohnungen der Insel abgesagt, hieß es. „Die Touristen sind von den Fernsehbildern erschreckt worden. Der massive Flüchtlingsstrom würgt den Tourismus ab, von dem wir leben“, klagte ein Sprecher des lokalen Hotelierverbands.

Rund 2.000 Euro bezahlen die Flüchtlinge aus Marokko, Tunesien, Sierra Leone und anderen afrikanischen Staaten für die Überfahrt. Dafür werden sie von Schleppern in Tunesien auf ein winziges Fischerboot gebracht. Sie können nur hoffen, dass auf der einige Dutzend Kilometer langen Überfahrt nicht hohe Wellen die kleinen Booten zum Kentern bringen. Die italienischen Behörden vermuten Verbindungen zwischen internationalen Schieberbanden und sizilianischen Mafia-Clans, die den Menschenhandel über das Mittelmeer kontrollieren.

Die Regierung in Rom scheint machtlos zu sein. Seit Wochen streiten die Regierungsparteien darüber, wie der Immigrantenstrom gestoppt werden soll. Italien, das ab 1. Juli den EU-Vorsitz übernimmt, will die Debatte über gesamteuropäische Maßnahmen zur aktiven Bekämpfung der illegalen Einwanderung zur Priorität seiner Antsausübung machen.

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