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14 Jahre FPÖ-Parteichef: Ära Strache ist zu Ende

Die Ära Strache ist zu Ende.
Die Ära Strache ist zu Ende. ©APA/HERBERT NEUBAUER
14 Jahre war Heinz-Christian Strache Parteichef der FPÖ. 2005 übernahm er die Partei, baute sie wieder auf und brachte ihr zum Abschied einen Absturz. Hier finden Sie einen Überblick über die lange Zeit von HC Strache in der FPÖ.
Partei-Ausschluss fix

Der nun ausgeschlossene FPÖ-Langzeit-Chef Heinz-Christian Strache hat die Partei mehr als ein Jahrzehnt geprägt, insgesamt stand der Wiener den Freiheitlichen 14 Jahre vor. Die Stunde des gelernten Zahntechnikers schlug 2005, nachdem Jörg Haider das BZÖ gegründet hatte und der FPÖ den Rücken kehrte. Strache baute die Partei wieder auf, bescherte ihr große Siege und zum Schluss den Absturz.

Strache 2005 zum neuen FPÖ-Obmann gewählt

Straches Aufstieg hatte seine Wurzeln im berühmten Delegiertentreffen von Knittelfeld 2002, dass das Ende der blauen Vizekanzlerschaft von Susanne Riess brachte und den Grundstein für die dann im April 2005 erfolgte BZÖ-Abspaltung durch Ex-Parteichef Haider legte. Haider entging mit seinem Absprung auch einer möglichen Kampfkandidatur gegen Strache beim FPÖ-Parteitag 2005. Wenige Tage nach der Gründung des BZÖ wurde Haider dann aus der FPÖ ausgeschlossen.

Die FPÖ-Delegierten wählten dann Strache beim Parteitag am 23. April 2005 in Salzburg zum neuen Obmann. Nach gröberen Verlusten bei zwei Landtagswahlen überraschte die FPÖ bereits im Oktober: Bei der Wahl zum Wiener Landtag eroberte sie entgegen der Prognosen knapp 15 Prozent und Platz drei hinter der ÖVP, wenngleich dabei gut fünf Prozentpunkte verloren gingen. Auch bei der Nationalratswahl im Oktober 2006 wurde der freie Fall, den die FPÖ zuvor seit Eintritt in die ÖVP-FPÖ-Koalition Anfang der 2000er-Jahre im Bund hingelegt hatte, gebremst. Nach dem Rekord-Minus von 2002 schafften die Blauen wieder einen Zuwachs von einem Prozentpunkt und lagen bei 11 Prozent der Stimmen.

Strache 2005 - APA

FPÖ bei Landtagswahlen immer erfolgreicher

Bei den folgenden Landtagswahlen ging es - ähnlich wie in den Jahrzehnten zuvor unter Haider - weiter recht steil bergauf: Mit einem Ergebnis von 17,5 Prozent (+6,5 Prozentpunkte) bei der Nationalratswahl 2008 zeigte sich die Partei konsolidiert, und das, obwohl das BZÖ unter Spitzenkandidat Haider mit 10,7 Prozent erstmals ein passables Resultat einfuhr. Zum FPÖ-Höchststand von 26,9 Prozent im Jahr 1999 fehlte allerdings noch einiges.

Quasi zerbröselt wurden die Freiheitlichen jedoch bei der Kärntner Landtagswahl Anfang März 2009. Hier triumphierte das BZÖ, das nach dem Unfall-Tod ihres Gründers Haider (im Oktober 2008) mit Spitzenkandidat Landeshauptmann Gerhard Dörfler sogar noch ein wenig zulegen konnte (gegenüber dem FPÖ-Ergebnis Haiders aus dem Jahr 2004). Dörfler kam damals auf knapp 45 Prozent der Stimmen. Für die FPÖ blieben nur 3,8 Prozent.

Die EU-Wahl im Juni 2009 und die Landtagswahlen in Vorarlberg und in Oberösterreich waren ebenfalls höchst erfolgreich. Einen klaren Triumph fuhr Strache bei der Wien-Wahl im Oktober 2010 ein. Ein Plus von knapp elf Prozentpunkten bedeutete fast 26 Prozent Zustimmung. Nach der Wahl-Pause in den Jahren 2011 und 2012 setzte es 2013 zunächst drei Niederlagen: Bei der Kärntner Landtagswahl verloren die mittlerweile vom BZÖ zum FPK gewandelten Kärntner Freiheitlichen nach mehreren Korruptionsskandalen satte 28 Prozentpunkte und erreichten unter Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Parteichef Uwe Scheuch mit 16,9 Prozent nur mehr Platz zwei.

Wien-Wahl 2015 brachte 30,8 Prozent für FPÖ

Bei der Nationalratswahl im September 2013 schaffte Strache trotz des Antretens von Stronach ein kleines Plus von drei Prozentpunkten und ein Ergebnis von 20,4 Prozent. Bei der EU-Wahl im Mai 2014 gab es einen Zuwachs von 7 Prozentpunkten. Klar bergauf ging es bei den Landtagswahlen im Jahr 2015 - was auch dem strikten Kurs der Partei in der Flüchtlingsfrage geschuldet war. Neben Triumphen bei Landtagswahlen im Burgenland, der Steiermark und Oberösterreich folgte bei der Wien-Wahl im Oktober 2015 ein Zugewinn auf 30,8 Prozent.

Den ganz großen blauen Sieg fuhr dann 2016 der nunmehrige Parteichef Norbert Hofer ein: Bei der Bundespräsidentschaftswahl erreichte er im ersten Durchgang klar Platz eins. In der Stichwahl unterlag der FPÖ-Kandidat zwar Alexander Van der Bellen, hatte aber enorme Popularität und Bekanntheit gewonnen, was sich später noch als nützlich erweisen sollte.

2015: Strache schaffte Sprung ins Vize-Kanzleramt

Eingebremst wurden die Blauen durch die Übernahme der ÖVP durch Sebastian Kurz. Bei der Nationalratswahl im Oktober 2015 fuhr die FPÖ mit 26 Prozent zwar nur Platz drei knapp hinter der SPÖ ein, Strache schaffte aber wie geplant die türkis-blaue Koalition sowie den Sprung ins Vizekanzleramt und stand damit am Zenit seiner Karriere.

Ibiza-Video brachte Straches Sturz

Danach folgte der Absturz Straches ins Bodenlose durch die Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019. Strache musste den Hut nehmen, Kurz kündigte die Koalition auf und rief Neuwahlen aus. Hofer übernahm die FPÖ und es sah fast so aus, als könnte Hofer die Partei trotz anhaltender verbaler Querschüsse Straches einigermaßen stabil halten, doch eine Woche vor der vorgezogenen Nationalratswahl vom 29. September wurde die Partei von neuen Spesen-Vorwürfen erschüttert: Strache soll sich eines reichhaltigen Spesen-Kontos bedient haben, auch räumte die Wiener FPÖ ein, dem Ex-Chef jahrelang 2.500 Euro Mietzuschuss gewährt zu haben. Das kam bei den Wählern nicht gut an und die FPÖ schnitt beim Urnengang deutlich schlechter ab als die Umfragen erwarten ließen. Das Ergebnis von 16,2 Prozent bedeutete einen Absturz um fast zehn Prozentpunkte - den zweitgrößten der Parteigeschichte.

Ibiza-Video brachte Karriere abrupt zum Stehen

Mit dem Ausschluss aus der FPÖ hat Heinz-Christian Strache den Weg Jörg Haiders genommen. Beide FPÖ-Chefs hatten die Partei in lichte Höhen katapultiert, bescherten ihr tiefe Abstürze und wurden am Ende ausgeschlossen. Für Strache brachte nicht gleich die Ibiza-Affäre, sondern sein Drang zurück in Parteifunktionen und andauernde Enthüllungen das Fass zum Überlaufen.

Die langjährige Erfolgswelle Straches, die in seiner Vizekanzlerschaft mündete, kam freilich schon im Mai abrupt zum Stehen: Ein zwei Jahre altes Agent-Provocateur-Video brachte den ohnehin wegen seiner Vergangenheit im rechtsextremen Milieu umstrittenen Vizekanzler in arge Nöte. Einer vermeintlichen russischen Millionärin hatte er bei dem auf Film gebannten Treffen etwa dargelegt, wie sie am Rechnungshof vorbei der FPÖ eine Spende zukommen lassen könnte. Der Rest ist Geschichte: Die Regierung mit der ÖVP platzte, Strache legte Obmann- und Vizekanzlerschaft nieder.

1991: Strache als jüngster Bezirksrat in Wien-Landstraße

So hat sich Strache das Ende seiner langjährigen Parteikarriere sicher nicht vorgestellt: Schon mit 21 Jahren begann er die blaue Leiter hinaufzuklettern und wurde 1991 jüngster Bezirksrat in Wien-Landstraße. Nebenbei wurde Strache zum Zahntechniker ausgebildet und auch relativ früh Vater von zwei Kindern mit seiner damaligen, einer prominenten Wiener Gastronomen-Familie entstammenden Ehefrau.

Politisch ging es flott nach oben. Lange vor seinem 30. Geburtstag angelte er sich ein Mandat im Wiener Landtag und galt rasch als Hoffnungsträger der traditionell starken Landesgruppe. Anfangs noch Fan Jörg Haiders, hantelte er sich während Schwarz-Blau zu dessen stärkstem parteiinternen Kontrahenten hoch. Strache war auch eine der prominentesten Figuren des Knittelfelder Delegiertentreffens, das Susanne Riess-Passer aus Partei und Politik trieb - und Straches steigende Popularität wohl mit ein Anlass für Haider, sich mit dem BZÖ aus der FPÖ zu verabschieden.

Vergangenheit in Neonazi-Szene konnte Strache nicht stoppen

Damit war 2005 die Stunde Straches gekommen: Er wurde Parteichef. Umgeben von einem treuen Stab - mit Herbert Kickl, Harald Vilimsky und Norbert Hofer - konsolidierte er die Partei sowohl finanziell als auch beim Wähler. Immer wiederkehrende Vorwürfe aus der Vergangenheit - etwa seine Vergangenheit in der Neonazi-Szene - stoppten Straches Weg nach oben nicht. Anti-EU- und -Islampolitik erwiesen sich als beständige Wahlkampfschlager.

Der Niedergang der SPÖ-ÖVP-Koalition schwemmte ihn in Umfragen im Jahr 2017 zeitweise sogar an die Umfragen-Spitze, erst Sebastian Kurz' Kür zum ÖVP-Obmann ließ die Freiheitlichen ein wenig nach unten sacken. Das hatte für Strache - inzwischen mit der ehemaligen SPÖ-Assistentin Philippa verheiratet - aber auch seinen Vorteil. Denn der neue ÖVP-Chef scheute sich nicht, Strache und seine Getreuen in die Regierung zu holen.

Strache gab sich in staatsmännischeren Rolle

Dass Kurz sich das traute, hatte der FPÖ-Chef aber auch einem eigenen Image-Wandel zu verdanken. Vertrieb Strache früher potenzielle Partner mit rüden Wahlkämpfen und wenig geschmackssicheren Auftritten - etwa mit einem Burschenschafter-Käppchen am Kopf bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem -, versuchte er sich über die Jahre zunehmend in einer immer staatsmännischeren Rolle. 2017 lotete sogar der damalige SPÖ-Chef Christian Kern eine Zusammenarbeit aus.

In Regierungsfunktion angekommen machte der Langzeit-Parteichef selbst inhaltlich nicht viel - was auch mit seinen schmalen Ressorts öffentlicher Dienst und Sport zusammenhing. Mehr inszenierte sich Strache - auf den sozialen Medien - als romantischer Ehemann, Papa-Monat-Vater (seines dritten, Anfang des heurigen Jahres geborenen, Kindes) und Hundefreund. Wichtig war ihm zu allererst, dass das türkis-blaue Projekt insgesamt auf Schiene blieb.

Strache könnte DAÖ in Wien-Wahl führen

Ob Strache nach seinem Parteiausschluss weiter auf Haiders Spuren wandeln wird, wird sich zeigen. Sehr gut möglich ist, dass er die von ehemaligen blauen Gemeinderatsmandataren gegründete Partei "Allianz für Österreich" (DAÖ) in die Wien-Wahl führt.

Zur Person: Heinz-Christian Strache, geboren am 12. Juni 1969 in Wien, zwei Kinder aus erster Ehe, ein weiteres aus der jetzigen, verheiratet. Gelernter Zahntechniker. Ab 1991 Mitglied der Bezirksvertretung (Bezirksrat) von Wien-Landstraße, ab 1993 Bezirksparteiobmann der FPÖ Wien-Landstraße, 1996-2006: Wr. Landtags-Abgeordneter, 2004 Landesparteiobmann der FPÖ Wien, 2005-2019 FPÖ-Bundesparteiobmann, seit 2006 Klubobmann des FPÖ-Parlamentsklubs, Dezember 2017 bis Mai 2019 Vizekanzler.

(APA/Red)

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