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10. Todestag von Willy Brandt

Sein Tod löste weltweite Bestürzung aus. Bis zu seinem Tod stand der SPD-Politiker und frühere Bundeskanzler für die Öffnung des Landes nach Osten und für Reformen im Innern.

Für die gelungene Aussöhnung mit den Ländern Mittel- und Osteuropas war Brandt 1971 mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. Er habe sich im Geist guten Willens hervorragend eingesetzt, um Voraussetzungen für den Frieden in Europa zu schaffen, erklärte das Nobelpreis-Komitee damals zur Begründung für die Ehrung.

Brandt habe „zu Tauwetter im kalten politischen Klima“ beigetragen, das „Hoffnung auf einen neuen Friedensfrühling nach langem Frost in Europa“ gebe, hieß es bei der Nobelpreis-Übergabe. 1969 war Brandt als Kanzler einer sozial-liberalen Koalition angetreten. Er machte sich sofort daran, die neue Ostpolitik zu intensivieren, die die vorangegangene Große Koalition mit ihm als Außenminister eingeleitet hatte. Dass es nicht einfach werden würde, hatte schon das Ende des Prager Frühlings 1968 deutlich gemacht.

Stationen des Brandt’schen Aussöhnungsprozesses waren die Verträge der Bundesrepublik mit Moskau und Warschau, das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin und schließlich der Grundlagen-Vertrag mit der DDR sowie die Aufnahme beider deutscher Staaten in die Vereinten Nationen. Dass Brandt dann 1974 wegen der Enttarnung seines engen Mitarbeiters Günter Guillaume als DDR-Spion zurücktreten musste, war das tragische Ende einer erfolgreichen Strategie. Mit dem SPD-Prinzip „Wandel durch Annäherung“ hatte jedoch der Weg zur deutschen Wiedervereinigung begonnen, die Brandt 1990 noch miterlebt hatte.

„Die Ostpolitik ist zweifellos das größte Verdienst von Willy Brandt“, schrieb die Herausgeberin der Wochenzeitung „Die Zeit“, Marion Gräfin Dönhoff, in ihrem Buch „Deutschland, deine Kanzler“. Die im Osten lange als militaristisch und revanchistisch verrufene Bundesrepublik sei nach Brandts Ostpolitik nicht mehr länger das Schreckgespenst gewesen. Soweit die Verhandlungspartner dies zuließen, habe Brandt seine außenpolitischen Ziele auch erreicht.

In der Innenpolitik fiel Dönhoffs Bilanz der Brandt-Kanzlerjahre zurückhaltender aus. „Zu kühn waren die Visionen“, schrieb sie. Die Erwartungen und Ansprüche der Bürger seien immer größer geworden, „eine Reformsucht allergrößten Stils“ habe in allen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt.

„Mehr Demokratie wagen“ war Brandts Motto bei seinem Amtsantritt. Dies traf das Lebensgefühl vieler Menschen in jener Zeit. Von der Zeit des ersten Nachkriegs-Kanzlers Konrad Adenauer sollte endgültig Abschied genommen werden, nach den Jahren der Restauration sollte ein frischer Wind wehen. Doch die Erwartungen konnten sich nicht alle erfüllen. Aus Sicht mancher Beobachter scheiterte Brandt auch an der Doppel-Belastung als Kanzler und SPD-Chef, an der ihm vorgeworfenen „Führungsschwäche“.

In der Rückschau ist dies längst verblasst. Geblieben ist Deutschlands Aussöhnung mit dem Osten, die eine weltweite Entspannungspolitik möglich machte und in ihren Auswirkungen damals überhaupt nicht zu übersehen war.

Zum Symbol für Brandts Politik wurde sein Kniefall im Ghetto von Warschau, vor der Unterzeichnung des Vertrages mit Polen. Der Kanzler, der während der Hitler-Zeit nach Norwegen emigriert war und dabei den Namen Willy Brandt angenommen hatte, hat sich mit der Ostpolitik in die Geschichte Deutschlands eingeschrieben. Der spätere Bundespräsident Walter Scheel, der als FDP-Außenminister eng mit Brandt zusammengearbeitet hatte, würdigte ihn einmal als Visionär:
„Er hatte das, was man Charisma nannte.“

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