Zika-Virus: Was bedeutet die Notfall-Einstufung durch die WHO?

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Die Einstufung als internationaler Gesundheitsnotfall soll dem Kampf gegen das Zika-Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen neuen Schub verleihen. Die Einstufung als internationaler Gesundheitsnotfall soll dem Kampf gegen das Zika-Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen neuen Schub verleihen. - © AP
Die Einstufung von Zika als internationaler Gesundheitsnotfall ist auch ein Weckruf, der weltweit Fachleute, die Pharmabranche und die Geldgeber erreichen soll. Fragen, Antworten und Hintergründe zum Virus.

“Der Wille ist wichtig und auch der finanzielle Schub”, sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation. Viele Fragen rund um das seit Jahrzehnten bekannte Virus seien noch unbeantwortet. Auf der Suche nach der Ursache der Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen sollen nun unter anderem Schwangere in den betroffenen Ländern medizinisch beobachtet, die Diagnoseverfahren für Zika und Mikrozephalie standardisiert und die Moskito-Bekämpfung verstärkt werden.

Auch wenn Zika nun ein Notfall wie Ebola sei, seien beide Epidemien in ihrer Gefährlichkeit nicht miteinander zu vergleichen. “Es gibt verschiedene Kriterien, nach denen ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen werden kann”, so der Sprecher weiter.

Österreich nicht bis kaum betroffen

Österreich betreffen diese Warnungen nicht bis kaum. “Wir sind von Zika-Virus-Infektionen nicht betroffen”, sagte Montagabend die Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Pamela Rendi-Wagner, gegenüber der APA.

Eine Etablierung der Zika-Virus-Infektionen in Österreich hat vor Tagen bereits der Wiener Tropenmedizin-Experte Herwig Kollartisch ausgeschlossen. Es ist in Österreich einfach zu kalt für die Ausbreitung der Gelsen. Kollaritsch verglich die aktuelle Diskussion mit dem “Umfallen eines Reissacks” in China.

> Erster Fall von Zika-Virus in Österreich

Symptome bei einer möglichen Erkrankung

Aufgrund von geringfügigen genetischen Unterschieden können zwei Zika-Virus-Subtypen unterschieden werden, der afrikanische und der asiatische. Genauso wie Dengue und Chikungunya wird das Zika-Virus durch den Stich von Moskitos der Spezies Aedes aegypti und wahrscheinlich auch durch Aedes albopictus auf den Menschen übertragen.

Die gute Nachricht, so die Experten: “Klinisch bleiben 80 Prozent der Zika-Virusinfektionen beim Menschen asymptomatisch. Entwickelt sich nach einer Inkubationszeit von drei bis zwölf Tagen eine Symptomatik, besteht diese typischerweise aus mildem Fieber (meist unter 38,5 Grad Celsius), vorübergehenden Gelenksschmerzen und Arthritiden (Gelenksentzündungen; Anm.) ….”.

Dazu können ein Ausschlag, Bindehautentzündungen, Abgeschlagenheit, Muskel- und Kopfschmerzen hinzukommen. “Die Symptome halten in der Regel für zwei bis sieben Tage an, und die Infektion heilt im Anschluss komplett aus. Aufgrund der Ähnlichkeit der Symptomatik mit dem Dengue- und dem Chikungunya-Fieber, des gemeinsamen Vektors und der größtenteils gemeinsamen Verbreitungsgebiete, ist eine Unterscheidung dieser Virusinfektionen allein anhand der Klinik (Symptome, Anm.) kaum möglich.”

>Verhalten bei Symptomen nach Reiserückkehr: dazu raten Experten

Stichwort I: Aedes aegypti – der Zika-Überträger

Aedes Aegypti. Foto: AFP ©

Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff erklärte der Mücke den Krieg und mobilisiert 220 000 Soldaten gegen sie. Denn die Moskitoart Aedes aegypti ist Überträger des gerade für Schwangere gefährlichen Zika-Virus. Sie wird auch als Gelbfieber- und Denguemücke bezeichnet, da die in tropischen Gebieten beheimatete Stechmücke auch diese Krankheiten überträgt. Im südamerikanischen Sommer vermehrt sie sich rasant, an stehenden Gewässern legt sie ihre Eier ab. Charakteristisch für die nur einige Millimeter kleine Mücke sind weiße Streifen an den Beinen.

Eine Theorie besagt, dass sie durch Schiffstransporte von Äthiopien nach Brasilien eingeschleppt worden sei. Heute ist sie weltweit in tropischen Gegenden verbreitet. Auf dem amerikanischen Kontinent gelten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur Chile und Kanada als frei von diesen Mücken – ebenso alle Gebiete über 2200 Meter Höhe. In Deutschland ist die Art nicht vorhanden. Sie sticht auch tagsüber, vor allem in Morgen- und Nachmittagsstunden.

Stichwort II: Mikrozephalie: Ungewöhnlich kleiner Kopf und Hirnschäden

In this Dec. 23, 2015 photo, 10-year-old Elison nurses his 2-month-old brother Jose Wesley at their house in Poco Fundo, Pernambuco state, Brazil. Suspicion of the link between microcephaly and the Zika virus arose after officials recorded 17 cases of central nervous system malformations among fetuses and newborns after a Zika outbreak began last year in French Polynesia, according to the European Center for Disease Prevention and Control. (AP Photo/Felipe Dana) Der zwei Monate alte Jose Wesley leidet an einer Mikrozephalie. Es ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig bewiesen, dass das Zika-Virus die Mikrozephalie verursacht. Allerdings liegt ein Zusammenhang nach Angaben von Experten durchaus nahe. Foto: AP ©

Für gesunde Menschen ist das Zika-Virus kaum gefährlich. Schwangere allerdings können das Virus auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, bei denen es zu Fehlbildungen kommen kann.

Was ist eine Mikrozephalie?

Neugeborene mit Mikrozephalie haben einen ungewöhnlich kleinen Kopf und damit auch ein besonders kleines Gehirn. Der Kopfumfang bei der Geburt der Babys liegt deutlich unter 32 Zentimetern. Die Kinder sind häufig geistig behindert und leiden unter neurologischen Störungen, weil das Gehirn unterentwickelt ist. In schweren Fällen sterben sie kurz nach der Geburt oder noch im Mutterleib.

Wie zeigt sich die Fehlbildung bei den Babys?

Neben dem auffällig kleinen Kopf zeigen sich neurologische Störungen. Die Kinder haben oft kognitive und motorische Beeinträchtigungen. Das Denken ist verlangsamt, sie zeigen Sprach- und Bewegungsstörungen oder auch Krampfanfälle.

Welche Ursachen gibt es?

Neben Infektionen können ein Gendefekt und umweltbedingte Ursachen, zum Beispiel Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft oder erhöhte radioaktive Strahlung, zu der Schädel-Hirnfehlbildung führen. Bekannt ist, dass bestimmte Virusinfektionen wie zum Beispiel Toxoplasmosen oder Röteln während der Schwangerschaft eine Mikrozephalie verursachen können. Eine Rötelinfektion über die Plazenta der Mutter kann vor allem in den ersten Schwangerschaftsmonaten beim Ungeborenen schwere Schäden an Herz, Augen, Ohren und eben auch eine Mikrozephalie auslösen. Auch das zu den Herpesviren gehörende Zytomegalievirus kann zu dieser Fehlbildung führen.

Wie eindeutig ist der Zusammenhang zwischen Zika und den Fehlbildungen?

Es ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig bewiesen, dass das Zika-Virus die Mikrozephalie verursacht. Allerdings liegt ein Zusammenhang nach Angaben von Experten durchaus nahe. Denn die starke Zunahme der Fehlbildungen in Brasilien lässt sich parallel zum dortigen Anstieg der Zika-Infektionen beobachten. In einigen Fällen wurde das Virus bei Föten mit Mikrozephalie und im Fruchtwasser nachgewiesen. Der Bonner Virologe Christian Drosten warnt gleichwohl vor voreiligen Rückschlüssen. Nicht bei jedem Kind, dessen Mutter eine Infektion durchgemacht hat, komme es zwangsläufig zu Fehlbildungen. Auch von früheren Ausbrüchen sei dieses Phänomen so nicht bekannt, werde aber im Nachhinein untersucht.

Es deute zwar einiges daraufhin, dass das Zika-Virus die Fehlbildungen verursache, meint auch die deutsche Infektionsepidemiologin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI). Sie warnt allerdings vor vorschnellen Schlüssen: “Was man noch gar nicht abschätzen kann, ist, ob noch Co-Faktoren vorhanden sein müssen. Das könnten zum Beispiel Antikörper gegen andere Viren sein, die zusammen mit dem Zika-Virus eine Mikrozephalie auslösen. Ebenfalls theoretisch möglich ist auch noch, dass das Zika-Virus gänzlich unschuldig ist, aber ein anderer Faktor, der im zeitlichen Zusammenhang mit Zika-Virus-Ausbrüchen auftritt der eigentliche Auslöser ist. Das könnte zum Beispiel ein Medikament sein”, so Frank im Interview mit der Deutschen Presseagentur. Und fügt hinzu: “So oder so ist es aber sinnvoll, dass man trotz der bestehenden Unklarheit Schwangeren von Reisen in Ausbruchsgebiete abrät, denn man kann eben im Moment eine Rolle des Zika-Virus beim Entstehen der Mikrozephalie nicht ausschließen.”

Zika-Virus in Lateinamerika - ERWEITERT

Das Zika-Virus: von der Entdeckung bis zum globalen Notstand

Vor fast 70 Jahren wurde das Zika-Virus entdeckt, erst jetzt gilt es als globale Bedrohung. Ein Rückblick:

1947: Bei einem Rhesusaffen aus dem Zika-Wald in Uganda wird das Virus erstmals nachgewiesen.

1952: Forscher finden den Erreger bei Menschen in Uganda und Tansania. In den folgenden Jahrzehnten werden jedoch nur vereinzelte Infektionen aus Afrika und Südasien bekannt.

2007: Im Pazifik-Raum häufen sich Infektionen. Seit 2013 gibt es laut Weltgesundheitsorganisation weitere Fälle in Afrika und Amerika.

November 2015: Der erste bekannte große Ausbruch nimmt seinen Anfang in Brasilien. Eine Häufung von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen geht nach Ansicht von Fachleuten auf das Virus zurück.

Dezember 2015: Nach Angaben des brasilianischen Regierung sind die Verdachtsfälle im Land sprunghaft angestiegen.

Januar 2016: Die Behörden in Jamaika und Kolumbien empfehlen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben. In Deutschland gab es seit 2013 mehrere Fälle bei zurückkehrenden Reisenden, davon mindestens fünf in Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch in Lateinamerika.

Februar 2016: Die Weltgesundheitsorganisation erklärt den globalen Gesundheitsnotstand. Es gebe eine starke räumliche und zeitliche Verbindung zwischen Zika und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen.

(red/dpa/APA/AFP)

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