Breivik wollte alle auf Utöya töten

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Breivik wollte alle auf Utöya töten
Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik wollte alle Menschen auf der Fjordinsel Utöya töten. "Das Ziel war nicht, 69 Menschen zu töten, das Ziel war, alle zu töten", sagte er am Donnerstag vor Gericht.

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Utöya sei ein politisches Ziel gewesen. Zum Zeitpunkt des Attentates waren rund 560 Menschen auf der Insel. Ursprünglich hatte Breivik nach eigenen Angaben noch mehrere andere Terrorziele in der engeren Wahl.

Weitere Terrorziele in engerer Wahl

Der erste Plan sei gewesen, drei Autobomben zu bauen, sagte er. Als Ziele habe er sowohl das Hauptquartier der Arbeiterpartei, das Regierungsgebäude Stortinget, das Osloer Rathaus und ein Gebäude nahe der Zeitung "Aftenposten" überdacht und verworfen. Hier wären zu viele unschuldige Menschen in der Nähe gewesen.

Er habe auch an das königliche Schloss gedacht, das von der Arbeiterpartei für Staatsbesuche genutzt werde. Wichtig sei ihm aber gewesen, der königlichen Familie keinen Schaden zuzufügen. "Ich bin Anhänger der Monarchie", sagte Breivik.

Ferienlager als "nächstbestes Ziel"

Er habe es jedoch nicht geschafft, mehr als eine Bombe zu bauen. Daher habe er eines der Ziele auswählen müssen. Zusätzlich habe er sich für ein Massaker entschieden. "Das attraktivste Ziel wäre die internationale Journalisten-Konferenz Skup gewesen." Seinen Plan hier habe er aus Zeitgründen 2011 aber nicht realisieren können. Das Ferienlager der sozialdemokratischen Jugend auf Utöya sei das nächstbeste Ziel gewesen.

Regierung sollte sterben

Von seiner massiven Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel hat sich Breivik mehr Opfer erwartet. "Die Kriterien für einen geglückten Angriff waren, dass mindestens die ersten Säulen der Gebäude zusammenbrechen und dass 12 Menschen sterben", sagte Breivik am Donnerstag vor Gericht in Oslo. "Das primäre Ziel war, die gesamte Regierung zu töten, inklusive dem Staatschef."Als er nach dem Anschlag im Radio zunächst gehört habe, dass bei der Explosion der 950-Kilogramm-Bombe wahrscheinlich ein Mensch getötet wurde, sei er sofort weiter nach Utöya gefahren. "Da wurde mir klar, dass ich die gesamte Operation durchziehen muss."

Breivik rechnete nicht mit seinem Überleben

Er habe damit gerechnet, den Bombenanschlag in Oslo nicht zu überleben, sagte Breivik. "Ich habe die Wahrscheinlichkeit, (den Angriff auf) das Regierungsviertel zu überleben, auf unter fünf Prozent geschätzt." Er habe die Situation daher simuliert und geübt, wieder herauszukommen, unter anderem mit dem Computerspiel "Modern Warfare".

"Stehe nicht vollkommen hinter Manifest"

Zugleich räumte der Massenmörder ein, er stehe nicht hinter allen Aussagen seines 1.500 Seiten starken Manifests. Er sei mit dem Dokument nicht ganz fertig geworden, es sei nur ein Entwurf, sagte der 33-Jährige. Auf die Frage von Staatsanwältin Inga Bejer Engh, ob er allem zustimme, was in dem Kompendium stehe, antwortete Breivik mit "Nein". "Sie haben 77 Menschen getötet, ohne ganz sicher über das zu sein, was im Manifest stand?", fragte Engh ungläubig. Breivik betonte, er stimme dem allermeisten zu.

Er habe beim Schreiben aber Rücksicht auf andere nehmen müssen. Das Manifest repräsentiere daher nicht seine Meinung, sondern die von vielen Europäern, sagte Breivik. Er hatte zuvor angegeben, von einem Netzwerk militanter Nationalisten mit dem Schreiben des Dokuments beauftragt worden zu sein. Nur Stunden vor den Terroranschlägen hatte er das Manifest mit dem Namen "2083 - Eine europäische Freiheitserklärung" per E-Mail an rund 1.000 Adressaten versandt.

Breivik hielt Opfer für volljährig

Der Attentäter meinte weiter, er habe damit gerechnet, dass die meisten der Personen auf Utöya älter als 18 Jahre alt seien. "Bis zum 23. Juli glaubte ich, keiner auf Utöya sei unter 16." Es sei für ihn nicht wünschenswert, Minderjährige zu töten. Die Jugendlichen hätten sich aber umgedreht, so dass er ihre Gesichter nicht sehen und das Alter nicht beurteilen konnte.

Hauptziel sei eigentlich die einstige sozialdemokratische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland gewesen - er habe sie vor laufender Kamera enthaupten wollen, sagte Breivik. Sie sei das "attraktivste" Ziel gewesen, war aber schon abgereist, als Breivik die Insel erreichte.

Als nächstes habe er den Anführer der sozialdemokratischen Jugend, Eskil Pedersen, im Visier gehabt. Den Rest der Jugendlichen habe er in Angst versetzen und mit der Waffe ins Wasser treiben wollen. "Ich habe damit gerechnet, dass sie im Wasser ertrinken." Sein gesamtes Massaker habe er eigentlich filmen wollen, sei damit aber gescheitert, weil er kein iPhone kaufen konnte.

16 Stunden pro Tag "World of Warcraft"

Breivik hat sich mit Computerspielen und Übungen am Schießstand akribisch auf seine Bluttaten vorbereitet. Er habe etwa "Modern Warfare" ("Moderne Kriegsführung") geübt, sagte der 33-Jährige am Donnerstag vor Gericht in der norwegischen Hauptstadt. Dabei kann der Spieler wie ein Scharfschütze Gegner mit einem Zielfernrohr im Fadenkreuz erfassen. Der ehemals Selbstständige gab zudem an, vor den Anschlägen ein ganzes Jahr freigenommen zu haben, um das Computerspiel "World of Warcraft" zu spielen. Er habe im Schnitt 16 Stunden am Tag vor dem Computer gesessen. "Das war aber reine Unterhaltung, ein Hobby, und hatte nichts mit dem 22. Juli zu tun", betonte er. Für seinen Anschlag habe er mit echten Waffen trainiert. Er sei mehrmals beim Schießtraining eines Vereins gewesen.

Am vierten Prozesstag wurde Breivik zu seinen Vorbereitungen für die Attentate mit insgesamt 77 Toten im vergangenen Sommer befragt. Der Norweger ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Erstmals verzichtete Breivik zu Beginn auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm und geballter Faust. Angehörige seiner Opfer hatten ihn am Vorabend darum gebeten.

(APA)

Dritter Prozesstag: Staatsanwältin zerpflückt Breiviks Manifest

Zweiter Prozesstag: "Ja, ich würde es wieder tun"

Erster Prozesstag: Breivik bekennt sich "nicht schuldig"

Gerichtsinformationen zum Breivik-Fall (auf norwegisch)

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