Vettel entriss Räikkönen Ferrari-Sieg in Monaco

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Für Vettel war es der dritte Sieg im Jahr 2017 und der insgesamt 45. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere.
Für Vettel war es der dritte Sieg im Jahr 2017 und der insgesamt 45. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere. - © AP
Ferrari hat erstmals seit 2001 wieder den Formel-1-Klassiker in Monaco gewonnen. Doch auch dank der Boxenstrategie durfte am Sonntag nicht Pole-Position-Mann Kimi Räikkönen, sondern WM-Leader Sebastian Vettel die Glückwunsche des Fürstenpaares entgegennehmen. Hinter den in ihrer eigenen Liga fahrenden Ferraris belegte der Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo aus Australien Platz drei.

Für Vettel war es der dritte Sieg im Jahr 2017 und der insgesamt 45. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere. In Monaco hatte der 29-Jährige bisher erst 2011 gewonnen. Im WM-Klassement baute der Vierfach-Champion seine Führung auf Mercedes-Star Lewis Hamilton, der nach einer verpatzten Qualifikation vom 13. Startplatz auf Rang sieben rauschte, deutlich auf 25 Punkte aus. Valtteri Bottas im zweiten Mercedes wurde Vierter, dahinter klassierte sich Max Verstappen im zweiten Red Bull.

“Unglaublich, sehr intensiv”

Ferrari durfte erstmals seit 16 Jahren wieder im Fürstentum jubeln, damals triumphierte der spätere Rekordweltmeister Michael Schumacher. Es war der erste Doppelsieg der Scuderia seit Hockenheim 2010, als Fernando Alonso vor Felipe Massa gewann. Mercedes geriet in der Konstrukteurs-WM gegenüber den Italienern ins Hintertreffen und liegt nunmehr 17 Punkte hinter Ferrari.

“Unglaublich, es war sehr intensiv”, sagte Vettel. “Das Team hat einen tollen Job gemacht. Ein tolles Wochenende für Ferrari.” Am Start hatte es an der Spitze keine Veränderungen gegeben: Räikkönen bestritt die erste Runde als Führender und knallte zunächst die schnelleren Rundenzeiten als Vettel auf die Straßen von Monaco. Bottas dahinter konnte den Speed der Ferraris nicht halten.

“Habe das Rennen kontrolliert”

Etwa um die Halbzeit des Rennen vollzog sich nicht auf der Strecke, sondern durch das Boxenstopp-Timing der entscheidende Positionswechsel: Räikkönen kam schon in Runde 34 an die Box, Vettel fuhr daraufhin auf den älteren Reifen Topzeiten heraus. Bis zu seinem Stopp in der 39. Runde hatte er genügend Vorsprung beisammen, um bei seiner Rückkehr auf die Strecke vor Räikkönen zu bleiben.

“Der zweite Reifensatz war wirklich gut. Ich habe gewusst, wenn es eine Chance zu gewinnen gibt, dann nach diesem Stopp. Danach habe ich das Rennen kontrolliert”, erklärte der Deutsche. Dem Vorwurf, Ferrari habe Vettel auf diese Weise elegant an Räikkönen vorbeigelotst, erteilte Vettel eine Absage. “Wir konnten nicht viel planen. Der Plan war, von den anderen weg zu kommen.”

Diskussionen um Boxenstop

Wortkarg wie üblich zeigte sich Räikkönen in seiner ersten Reaktion. Die Enttäuschung war dem Finnen ins versteinerte Gesicht geschrieben. “Es ist schwer, dazu was zu sagen. Es ist ein zweiter Platz, das fühlt sich nicht super an. Ich hätte mir heute sicher mehr gewünscht”, meinte der Routinier. Mercedes-Ausichtsratschef Niki Lauda stemmte sich gegen Teamorder-Spekulationen. “Kimi kam im richtigen Moment hinein, Vettel hat nachher Super-Runden hingeknallt”, sagte der Wiener bei RTL. Für reichlich Diskussionen sorgte es aber dennoch, dass sich das Rennen in der Box entschied. Sofort machte der Vorwurf der Stallregie die Runde, ORF-Experte Alexander Wurz: “Das ist ein abgemachtes Spiel, eine elegante Teamstratgie”.

Bei Red Bull Racing zog Ricciardo an Bottas und an seinem Teamkollegen Verstappen vorbei, der früher die Reifen wechseln ließ und nachher im Cockpit fluchte. Ricciardo, dessen Crew im Vorjahr einen möglichen Sieg im Fürstentum durch einen Boxen-Fauxpas verspielt hatte, holte somit seinen zweiten Podestplatz in dieser Saison, nachdem er schon vor zwei Wochen in Spanien Dritter gewesen war. “Ich bin absolut glücklich”, freute sich der Australier.

Bange Momente nach heftigem Unfall

Für bange Momente war gegen Ende des Rennens nach einem heftigen Unfall von Sauber-Pilot Pascal Wehrlein gesorgt. Nach einem Kontakt mit dem Vorderreifen von Jenson Button krachte der Deutsche kopfüber auf zwei Rädern in die Leitschienen vor dem Tunnel. Das Safety Car rückte aus, Wehrlein stieg nach einigen Minuten aber scheinbar ohne gravierende Verletzungen aus dem Auto aus.

“Ja, ich spüre was. Aber mal sehen”, sagte er nachher. “Ich werde nächste Woche wieder einen Scan machen müssen. Das ist ziemlich ärgerlich”. Wehrlein hatte sich im Winter beim “Race of Champions” in Miami Brustwirbel-Frakturen zugezogen und dadurch den Saisonstart verpasst. Erst beim dritten Saisonlauf in Bahrain gab er sein Debüt für Sauber.

Button schied kurz nach dem Vorfall in der 61. Runde mit einer beschädigten Aufhängung aus. Der Brite, der für den beim Indy 500 startenden Alonso im McLaren saß, war zuvor als Schlusslicht am Ende des Feldes herumgekrebst. Auch sein Teamkollege Stoffel Vandoorne sah das Ziel nicht, somit erlebte McLaren-Honda erneut eine Enttäuschung.

Eine bemerkenswerte Serie ging für “Mister Zuverlässig” Sergio Perez zu Ende. Der Force-India-Pilot kam nach 15 Rennen in den Punkterängen erstmals seit dem Ungarn-Grand-Prix 2016 nicht in die Top Ten und belegte nur Rang 13. Die schnellste Rennrunde dürfte wohl ein schwacher Trost für den Mexikaner gewesen sein.

 

Grand Prix von Monaco in Monte Carlo

Endstand (78 Runden = 260,52 km):
1. Sebastian Vettel GER Ferrari 1:44:44,340
2. Kimi Räikkönen FIN Ferrari + 3,1
3. Daniel Ricciardo AUS Red Bull 3,7
4. Valtteri Bottas FIN Mercedes 5,5
5. Max Verstappen NED Red Bull 6,1
6. Carlos Sainz ESP Toro Rosso 12,0
7. Lewis Hamilton GBR Mercedes 15,8
8. Romain Grosjean FRA Haas 18,1
9. Felipe Massa BRA Williams 19,4
10. Kevin Magnussen DEN Haas 21,4
11. Jolyon Palmer GBR Renault 22,7
12. Esteban Ocon FRA Force India 23,7
13. Sergio Perez MEX Force India 39,0

Out: Nico Hülkenberg (GER/Renault), Pascal Wehrlein (GER/Sauber), Jenson Button (GBR/McLaren), Marcus Ericsson (SWE/Sauber), Stoffel Vandoorne (BEL/McLaren), Lance Stroll (CAN/Williams), Daniil Kwjat (RUS/Toro Rosso)

Schnellste Runde: Perez 1:14,820 Minuten

 

(APA)

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