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Toni-Russ-Preis geht an Dr. Gebhard Mathis

David (2) besucht seinen Opa gerne in der Praxis. David (2) besucht seinen Opa gerne in der Praxis. - © VOL.AT/Bernd Hofmeister
Die Jury würdigt den Einsatz des Rankweiler Internisten für Palliativ­medizin und Krebshilfe.

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Schwer- und ster­benskranke Menschen benö­tigen eine besondere Behandlung. Das wurde dem Rankweiler Internisten Dr. Gebhard Mathis (61) bei seiner ärztlichen Tätigkeit schon früh klar. Neben einer adäquaten Schmerztherapie und einer Symptomkontrolle brauchen diese Patienten auch ganzheitliche Zuwendung. Gestärkt durch dieses Wissen setzte sich Dr. Mathis allen Vorbehalten zum Trotz für eine Palliativabteilung im LKH Hohenems ein.

Für sein außerordentliches Engagement wird der Internist am 3. September mit dem Dr.-Toni-Russ-Preis und -Ring ausgezeichnet.

Mathis, der sich neben seinem Engagement für die Palliativmedizin auch um die Vorarlberger Krebshilfe verdient gemacht hat, erhielt von der Jury, bestehend aus VN-Herausgeber und -Redakteuren sowie den bisherigen Preisträgern, ein überzeugendes Votum.

“Austherapiert” gibt es nicht

Der Rankweiler Internist Dr. Gebhard Mathis brachte die Palliativmedizin ins Land. Die Botschaft, dass er am 3. September den Dr.-Toni-Russ-Preis und -ring verliehen bekommt, erreichte ihn auf Mallorca, wo er jedes Jahr deutschen Kollegen die hohe Kunst des Ultraschalls vermittelt. Und obwohl es eine frohe Kunde war, brauchte Prof. Dr. Gebhard Mathis (61) doch einige Zeit, um sie zu verdauen. Denn: „Mit vielem hätte ich gerechnet, aber nicht mit dem Russ-Preis“, sagt er. Doch genau diese Ehre wird dem Internisten zuteil. Mit großer Mehrheit hat sich die Jury, bestehend aus VN-Herausgeber und -Redakteuren sowie Russ-Preis-Trägern, für Gebhard Mathis entschieden. Damit werden seine großen Verdienste um den Aufbau einer Palliativkultur, sein Einsatz für die Krebshilfe und die Realisierung eines Darmkrebsvorsorgeprogramms gewürdigt.

Der Mediziner aus Rankweil ist ein „stiller Sieger“, die Öffentlichkeit seine Sache nicht. Lieber kniet sich Gebhard Mathis in Dinge, die ihm wichtig erscheinen. Da lässt er dann nicht locker. Beispiel dafür ist die Palliativstation im LKH Hohenems. Ein zähes Unterfangen. „Weil lange die Meinung vorherrschte, dass jede Therapie eine Art Schmerztherapie darstellt“, liefert der Arzt die Erklärung. Doch ihm war das zu wenig. Auch, weil er während einer onkologischen Weiterbildung in St. Gallen erfahren hat, was Leiden wirklich heißt. Das prägte ihn. Den Begriff „austherapiert“ verbannte er aus seinem Wortschatz. Stellte stattdessen für sich fest: „Wenn man nichts mehr tun kann, ist doch noch viel zu tun.“ Medizinisch heißt das, eine gute Schmerztherapie und Symptomkontrolle zu gewährleisten. Menschlich bedeutet es, Schwerkranken und Sterbenden durch Zuwendung Zeit zum Leben schenken.

Offensive gestartet

Zurück in Hohenems bemühte sich Mathis, sein Anliegen umzusetzen. Er startete eine Schmerzinformationsoffensive und tingelte mit Vorträgen durch das Land. Er sah sich Einrichtungen an und kümmerte sich um begleitende Maßnahmen wie Palliativlehrgänge. Das war vor neun Jahren. Heute muss er solche Fortbildungen nicht mehr bewerben. Ärzte und Pflegepersonen kommen von selbst. Gebhard Mathis macht keine großen Worte darum. Er freut sich einfach über die positive Entwicklung, die sein Ansinnen genommen hat. Denn inzwischen gibt es auch ein mobiles Palliativteam, das Angehörige in der Betreuung von Schwerkranken zu Hause unterstützt.

Die Palliativmedizin verdankt ihm also viel. „Ja, ich konnte einiges bewegen“, räumt Dr. Gebhard Mathis bescheiden ein. Der Beruf selbst liegt ihm nach 35 Jahren immer noch am Herzen. Trotzdem denkt er schon an die Zeit danach. „Wenn ich gesund bleibe“, plaudert er sinnierend aus dem privaten Nähkästchen, „möchte ich in ein Afrika-Projekt der Weltgesundheitsorganisation einsteigen.“ Konkret geht es darum, Krankenschwestern in Buschambulanzen, für die nur schwer Ärzte zu finden sind, im Umgang mit Ultraschallgerät und Diagnostik zu schulen. Gebhard Mathis als unermüdlicher Helfer – wie es eben so seine Art ist.

Ein Dankeschön auch für die Arbeit der Krebshilfe

Dr. Gebhard Mathis widmet den Russ-Preis der Vorarlberger Krebshilfe. Gebhard Mathis widmet den Russpreis der Vorarlberger Krebshilfe. Warum? „Weil dort noch viel Handlungsbedarf besteht.“ Es gilt, neue Erkenntnisse zum Wohle der Patienten und ihrer Angehörigen umzusetzen. So spielt beispielsweise die Ernährung bei Krebs eine größere Rolle als bisher angenommen, und auch der Bewegung muss höheres Augenmerk geschenkt werden.

Die Diagnose Krebs ist „immer noch ein Hammer“, weiß der Internist und Mitbegründer der Krebshilfe. Dass mehr Betroffene denn je überleben, sei aber noch nicht in den Köpfen der Leute. „Wäre das der Fall, würden mehr zur Vorsorge gehen“, ist Mathis überzeugt. So heißt es, noch viel Aufklärungsarbeit in diese Richtung zu leisten.

Wie gut Früherkennung wirkt, macht die Darmkrebsvorsorge deutlich, zumal sich der Erfolg auch finanziell messen lässt. Denn eine Darmkrebsbehandlung kostet immerhin rund 250.000 Euro. Die Vorsorgekoloskopie ersparte dem Vorarlberger Gesundheitswesen also bislang geschätzte 20 Millionen Euro. Mathis ist sogar überzeugt, dass sich Darmkrebs überhaupt ausrotten ließe, würden alle ab 50 das auch von Ärztekammer, GKK und dem Land getragene An-gebot in Anspruch nehmen. Derzeit liegt der Anteil bei 15 Prozent.

Hoher Beratungsaufwand

Viel zu tun für die Krebshilfe gibt es auch im Bereich der Psychoonkologie. „Der Preis für das Überleben sind intensive Therapien“, will Gebhard Mathis die Belastungen nicht schönreden. Dazu komme die ständige Angst vor einem neuerlichen Rückfall. Umso wichtiger sei eine adäquate Beratung und Unterstützung aller Beteiligten. Was der Krebshilfepräsident in diesem Zusammenhang bedauert, ist, dass die vielfältigen psychosozialen Angebote offenbar noch zu wenig bekannt sind. Was ihn dagegen freut: Auch immer mehr Männer finden den Weg in die Beratungsstelle nach Dornbirn.

Kampf dem Darmkrebs

Gebhard Mathis war im Verbund mit der Krebshilfe auch maßgeblich an der Einführung eines Darmkrebsvorsorgeprogramms beteiligt. Bereits 1990 lancierte die Krebshilfe ein Darmkrebsrisikovorsorgeprogramm. Diesem folgte 2007 die kostenlose Vorsorge-Koloskopie. Über 13.000 Personen wurden seitdem untersucht, die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen ging von 180 auf 100 zurück.

Mehr Chancen aufs Überleben

Die intensive Vorsorgekultur, für die Vorarlberg bekannt ist und zu der die Krebshilfe viel beigesteuert hat, trägt Früchte. So überleben heute deutlich mehr Krebsbetroffene ihre Erkrankung als früher. Der Anteil stieg von 40 auf über 60 Prozent. „Beim gegenwärtigen Wissensstand und den heutigen Behandlungsmöglichkeiten kann man davon ausgehen, dass zwei Drittel der Neuerkrankten geheilt werden“, so Gebhard Mathis.

Mit der Familie im Einklang

Medizinisches Engagement mit den Bedürfnissen der Familie in Einklang zu bringen, war für Dr. Gebhard Mathis nicht immer einfach. „Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen“, gibt er zu. Denn Gattin Ingrid (57) und die drei Kinder mussten häufig auf den Ehemann und Vater verzichten. Ingrid Mathis, von Beruf Psychotherapeutin, findet diplomatische Worte. „Wir haben die gleichen Werte und Zielvorstellungen.“ Die Kinder meinen, dass der Vater „schon oft fehlte“. Aber: „Wenn du da warst, warst du ganz da“, lautete das für Gebhard Mathis beruhigende Fazit.

Dr.-Toni-Russ-Preis

Der Dr.-Toni-Russ-Preis wird zusammen mit dem Dr.-Toni-Russ-Ring seit 1970 durch eine Jury – gebildet aus Herausgeber, Redakteuren der VN und Preisträgern – an Vorarlberger Persönlichkeiten verliehen, die durch Privatinitiativen dem Land und seinen Menschen wertvolle Dienste geleistet haben und leisten. Dieser Preis wird im Gedenken an den ehemaligen Herausgeber und Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten, Dr. Toni Russ, vergeben. Russ ist am 2. September 1969 im Alter von 55 Jahren gestorben.

(VN/Marlies Mohr)

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