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Stausee-Projekt im Montafon: Leitungen ohne Genehmigung verlegt

Landesrat Johannes Rauch: "Diese Vorgangsweise ist meines Erachtens gesetzeswidrig!"
Landesrat Johannes Rauch: "Diese Vorgangsweise ist meines Erachtens gesetzeswidrig!" ©VN/Paulitsch
St. Gallenkirch - Am Mittwoch Abend trafen Gegner und Befürworter des geplanten Speichersees Schwarzköpfle im Montafon beim VN-Stammtisch aufeinander. Umweltlandesrat Rauch warf den Betreibern dabei vor bereits Vorarbeiten zum Projekt ohne Bewilligung durchgeführt zu haben. Peter Marko, GEschäftsführer der Silvretta Montafon bemühte sich zu betonen, dass das Projekt notwendig sei, und nach den höchsten ökologischen Standards angegangen werde.
Bilder vom VN-Stammtisch
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Aufzeichnung des gesamten VN-Stammtisch

Beim VN-Stammtisch im Montafon am Mittwoch Abend zum Thema „Speicherteich: Was wiegt mehr – Schutz der Natur oder Tourismus?“ informierte der Umwelt- und Klimaschutzlandesrat Johannes Rauch am Podium das Publikum darüber, dass bereits 2016 umfangreiche Baumaßnahmen zur Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage Versettla und Valisera durchgeführt worden sind, obwohl sie gar nicht bewilligt waren. „So darf man das nicht machen,“ kritisierte Rauch die Verantwortlichen der Silvretta Montafon GmbH. „Diese Vorgangsweise ist meines Erachtens gesetzeswidrig und stellt möglicherweise eine Umgehung des UVP-Gesetzes dar.“

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Leitungen ohne Genehmigung verlegt

Den entscheidenden Hinweis lieferte eine einheimische Bergfreundin mit belastenden Fotos aus dem Sommer 2016. Darauf sichtbar: Lange Gräben entlang der Pisten. „Mich hat von Anfang an stutzig gemacht, dass im 300-Seiten-Akt über den Stausee mit keinem Wort auf die Zu- und Ableitungen (Wasser und Strom) bzw. deren Längen eingegangen wurde,“ wundert sich Rauch und erinnert an das geplante Stauseeprojekt mit über 300.000 m³ Fassungsvermögen, einem Stauwerk mit 26 Metern Höhe, das Ausbaggern einer hochalpinen Moorlandschaft, die Errichtung eines Gebäudes mit 50 Meter Länge und neun Metern Höhe mitten in einer sensiblen Hochgebirgslandschaft.

Auf Nachfrage bei der Bezirkshauptmannschaft Bludenz stellte sich heraus, dass auf den Fotos die Verlegung der Feldleitungen zur Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage Versettla und Valisera der Silvretta Montafon Bergbahnen GmbH zu sehen sind. Weiters weist die BH daraufhin hin, dass die Baumaßnahmen erst im Nachhinein und zwar mit Bescheid der BH Bludenz vom 2.2.2017 als Bestandteil des Projekts bewilligt worden ist. Dies führte dazu, dass die BH beabsichtigt, die Verwaltungsübertretungen umgehend der Verwaltungsbehörde anzuzeigen bzw. einen Strafantrag zu stellen. Damit wurde deutlich, dass die SIMO begonnen hatte, insgesamt 17,4 Kilometer neue Feldleitungen zu verlegen ohne eine Genehmigung zu haben. Auflagen, die von der Behörde im Bescheid vom 2.2.2017 erteilt wurden, wie zum Beispiel die ökologische Bauaufsicht, können nun gar nicht mehr eingehalten werden. „Wenn bereits für neun Millionen Euro Leitungen verlegt worden sind, ist es noch schwerer zu argumentieren, das Projekt doch zu stoppen. Mit dieser Vorgangsweise wurden vollendete Tatsachen geschaffen, die eine Nichtgenehmigung des Stauseeprojekts offenbar von vornherein verhindern sollten,“ kritisiert der Umweltlandesrat, „diese Vorgangsweise ist klar gesetzeswidrig und stellt möglicherweise eine Umgehung des UVP-Gesetzes dar.“

Tourismus der Zukunft – Themen statt Saisonen?

„Es ist ein Faktum, dass der Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor im Montafon ist. Der Wintertourismus bringt derzeit dabei etwa 65 Prozent der Nächtigungen, der Sommer 35 Prozent“, erläutert Rauch. Es sei aber auch nicht zu verleugnen, dass Schneesicherheit in Zeiten des Klimawandels zu bestimmenden Größe für den Wintertourismus ist. Und diese Sicherheit gebe es nicht mehr. In den Alpen sind die Temperaturen in den vergangenen 120 Jahren um knapp zwei Grad Celsius gestiegen und in den nächsten 40 Jahren sollen noch weitere zwei Grad Celsius dazukommen. Viele Skigebiete sehen daher in der Beschneiung ihre Chance. Die Investitionen steigen, doch die Skifahrerzahlen sinken dagegen. „Inwiefern wir also mit ‚höher-schneller-weiter‘ im Tourismus noch weiterkommen ist fraglich,“ ist Rauch skeptisch. Im Vergleich zu 1995 fahren ein Drittel weniger ÖsterreicherInnen Ski als noch Mitte der 1990er Jahre. Die Zahl der Ersteintritte der Skigebiete, die sogenannten Skier Days, ist in allen Alpenländern seit fünf Jahren tendenziell rückläufig, ebenso die Aufenthaltstage. Insbesondere junge Menschen üben Wintersport, wenn überhaupt, nur gelegentlich aus. Wachstum ist nur dort noch möglich, wo es gelingt, anderen Skigebieten Gäste abzuwerben. Die Konsequenz dieser Entwicklung: Ein Viertel bis ein Drittel aller Skigebiete in den Alpen arbeitet bereits heuer defizitär. Die schneearmen Winter der letzten Jahre verschärfen die Situation.

Naturnaher Tourismus und dessen Interpretation könnte neue Möglichkeiten im Vergleich zum auf kurzfristigem Wachstum basierenden Modell bieten. Das hatte auch Montafon Tourismus eigentlich erkannt. In einer Presseaussendung vom 10. Mai 2016 sagt Montafon Tourismus Geschäftsführer Manuel Bitschnau: „Der vergangene milde Winter hat gezeigt, dass das gängige Denken in touristischen Saisonen nicht mehr zukunftsfähig ist (…) Wir werden künftig Themen statt Saisonen in den Fokus stellen.“ Warum Montafon Tourismus sich nicht mehr dazu äußert, stattdessen die Petition für mehr Beschneiung unterstützt, bleibt offen.

„Zwischen ‚Wirtschaft‘ und ‚Umwelt‘ gehört kein ‚oder‘“

„Zwischen „Wirtschaft“ und „Umwelt“ gehört kein „oder“. Das gilt insbesondere für Regionen, die, wie Vorarlberg, von beidem gut leben! Aber wenn „Umwelt“ immer dann weggelassen, auf die Seite geschoben oder in die zweite Reihe verbannt wird, wenn es um Rentabilität geht, dann bringt das vielleicht kurzfristig Profit. Langfristig werden die Verluste und die Kosten gigantisch sein“, gibt Rauch zu Bedenken. Die oft belächelten, vermeintlich altmodischen Tugenden wie Augenmaß und Hausverstand könnten unter Umständen bei der Beurteilung dieses Projektes hilfreich sein. „Um diese Beurteilung vornehmen zu können, müssten alle Fakten auf den Tisch. Genau das war und ist meine Absicht“, so der Umweltlandesrat. Der heutige Abend sei ein wichtiger Beitrag zur umfassenden Information der gesamten Bevölkerung gewesen und nicht nur von handverlesenen Steakholdern, ist Rauch überzeugt: „Das Für und Wider von solchen Großprojekten gehört mit allen wesentlichen Aspekten breit öffentlich diskutiert.“

„Umwelt und Wirtschaft im Einklang“

Der geplante Beschneiungsteich im Bereich Schwarzköpfle in der Silvretta Montafon verschaffe Schneesicherheit für das Skigebiet und sichert damit den Wintertourismus im Tal, betonte der Geschäftsführer der Silvretta Montafon, Peter Marko, eingangs der Diskussion. Erstmals zeigt ein Rendering des Beschneiungsteichs ein Bild der Umsetzung inklusive der Renaturierungsmaßnahmen.

„Der Ausbau der Beschneiungsanlagen der Silvretta Montafon bedeutet eine Standortabsicherung und Qualitätsverbesserung für den Wintertourismus“, sagte Peter Marko. Schneesicherheit sei der Hauptbuchungsgrund für Wintergäste. „Darauf müssen wir als Skigebiet reagieren“, so Marko. „Die Umsetzung des Beschneiungsteichs erfolgt möglichst rücksichtsvoll und schonend. Gleichzeitig befindet sie sich im Einklang mit der in und für Vorarlberg beschlossenen Tourismus-Strategie 2020“, versichert der Geschäftsführer. Zum Beispiel würden Gras- und Humusschichten abgetragen und sofort an anderer Stelle wieder eingebaut werden. „Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst, deshalb haben wir mit der Realisierung des Projekts führende Unternehmen in diesem Fachbereich angefragt. So stellen wir sicher, dass die höchsten ökologischen Standards gewährleistet werden. Die Schönheit der Natur ist auch unser touristisches Potenzial. Für uns sind Umwelt und Wirtschaft im Einklang“, so Marko abschließend.

Silvretta Montafon
Silvretta Montafon ©Silvretta Montafon

(Red.)

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