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Schreibübungen mit türkischen Wörtern im Deutschunterricht

Schreibübungen mit türkischen Wörtern im Deutschunterricht
von Sascha Schmidt (VOL.AT) - Um den Buchstaben "Ü" zu üben, wurden in einer Volksschule in Niederösterreich türkische Vokabeln verwendet. VOL.AT hat bei Vorarlberger Politikern nachgefragt, ob dies auch in heimischen Schulen denkbar wäre.

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Volksschulkinder in ganz Österreich werden die Verwendung von Umlauten wie „Ü“, „Ö“ oder „Ä“ mit Schreibübungen näher gebracht. So auch in einer niederösterreichischen Volksschule. Doch hier nahm eine Lehrerin den Deutschunterricht zum Anlass, den Buchstaben „Ü“ anhand von türkischen Wörtern den Schülern zu vermitteln. So wurde anhand eines Arbeitsblattes des "Zebra-Buchstabenheftes", das vom Österreichischen Bundesverlag herausgeben wird, das Schriftzeichen „Ü“ geübt. Doch dieses Arbeitsblatt ist nicht auf Deutsch, sondern auf Türkisch. So findet man dort türkischen Vokabeln wie „otobüs“ (steht für Autobus) oder „süt“, was Milch bedeutet.

Türkischunterricht oder nicht?

Das lässt natürlich darauf schließen, dass in dieser niederösterreichischen Volksschule Türkisch in der Deutschstunde unterrichtet wird. Laut Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sei das ganz und gar nicht so. Gegenüber der Zeitung "Der Standard" erklärte die Ministerin, dass die Hausübung auf Basis des Lehrplanes für Volksschulen gegeben wurde. Die Wörter waren auch nicht dazu gedacht, türkische Vokabeln zu üben. „Außerdem ist es für Kinder immer sehr motivierend und herausfordernd, Wörter auf fremden Sprachen kennenzulernen“, so Ministerin Schmied. Randnotiz: Das Arbeitsblatt stammt aus einem zugelassenen Schulbuch für den Unterricht in Österreich.

Walter Rosenkranz, Bildungssprecher Bundes-FPÖ äußerte sich kritisch und zeigt sich empört über den Umstand, türkische Vokabeln im Deutschunterricht zu verwenden, weswegen er auch gleich eine parlamentarische Anfrage an die Unterrichtsministerin einbrachte.

Vorarlbergs SPÖ wettert gegen FPÖ-Stellungnahme

Inhaltliche Argumente zur Vorgehensweise in der Volksschule in Niederrösterreich vermisst man seitens der SPÖ. Für die SPÖ Vorarlberg demonstriert hier die FPÖ einmal mehr Ausländerfeindlichkeit und Engstirnigkeit. „Den Freiheitlichen gehen offenbar die Themen aus“, so SPÖ-Landtagsabgeordnete Gabi Sprickler-Falschlunger. So würden die Freiheitlichen "diese Lächerlichkeit" zum Anlass nehmen, ihre ausländerfeindliche Haltung und ihr engstirniges bildungspolitisches Weltbild zu demonstrieren, lässt die SPÖ verlauten. „Nicht einmal bildungsferne freiheitliche Politiker werden ernsthaft glauben, dass ein Kind Schaden nimmt, weil es ein paar türkische Wörter einkreist oder lernt“, meint Gabi Sprickler-Falschlunger weiter. Wirklich spannend wären laut SPÖ Stellungnahmen namhafter Freiheitlicher Politiker zu der Anfrage ihres freiheitlichen Kollegen in Wien. "Wenn sie sich aber nicht selbst zum Gespött machen wollen, wäre eine Distanzierung von dieser Dummheit angebracht", so die Landes-SPÖ.

FPÖ-Klubobmann Dieter Egger gibt sich kämpferisch

Laut FPÖ-Klubobmann Dieter Egger gäbe mehr als genügend deutsche Wörter, um die Umlaute ausführlich zu lernen. Ziel einer vernünftigen Bildungspolitik müsse es sein, alle Möglichkeiten zu nutzen, um den Schülern - vor allem mit Migrationshintergrund - die deutsche Sprache näher zu bringen. „Hauptaugenmerk ist der Deutschunterricht! Alles andere ist Freiwilligkeit in der Muttersprache und so soll es bleiben.“

Bildungssprache ist Deutsch und soll Deutsch bleiben

Die Schüler sollen anhand von deutschen Wörtern, wie zum Beispiel hier den Umlaut „Ü“ erlernen. Egger findet dazu klare Worte. „Unsere Amts- und Bildungssprache ist Deutsch und bleibt Deutsch.“ Es sei enorm wichtig, dass alle Kinder so rasch als möglich die deutsche Sprache lernen, damit sie Bildungschancen wahrnehmen können. Das müsse einerseits gefördert, anderseits auch eingefordert werden, vor allem auch vom Elternhaus. Zu den beschwichtigenden Aussagen von Unterrichtsministerin Schmid meint Egger, dass er sich diesbezüglich eine klare Aussage der Ministerin erwartet hätte, „weil das kann und wird sich sicher nicht spielen.“

"Multikultiträumereien führen in Sackgasse"

Dass sich nun Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, empört über die FPÖ-Reaktion zeigt, versteht Egger nicht. „Unsere diesbezüglich Haltung ist wie erwähnt klar - wer in unserem Land lebt, muss die deutsche Sprache lernen. Walser ist gegen alles, was von der FPÖ kommt und überrascht mich nicht“, meint Egger kämpferisch. Die Mitbürger würden sich ihr Bild machen und er wisse, dass der Großteil der Bevölkerung so denke wie die Freiheitlichen. „Auch ein links-linker Bildungssprecher wie Harald Walser sollte aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und einsehen, dass die linken Multikultiträumereien in die Sackgasse führen“, ergänzt Egger und meint weiter, dass Mehrsprachigkeit zwar immer ein Schatz sei, aber für die Integration, insbesondere der türkischen Migranten, sei das Erlernen der Landessprache von enormer Wichtigkeit und müsse auch Vorrang haben.

Schullandesrat Stemer spricht sich gegen türkische Vokabeln aus

Auch Vorarlbergs Schullandesrat hat eine klare, wenn auch kurze Meinung zum Thema türkische Vokabeln im Deutschunterricht. „Für mich ist das nicht einsichtig und auch nicht notwendig“, so Sigi Stemer. Es gäbe genügend deutsche Wörter mit dem Umlaut „Ü“, die für den Unterricht herangezogen werden könnten.

Grüne: Türkische Sprache findet keine Anerkennung

Vorarlbergs Grüne wiederrum glauben, dass in der Diskussion der Eindruck erweckt werde, dass das Buch nur türkische Wörter beinhaltet. „Ich habe mir dieses Buch „Zebra 1“ angesehen. Es ist nur eine einzige Seite, die ein paar türkische Hauptwörter mit Zeichnungen enthält“, erklärt die Grüne-Migrantensprecherin Vahide Aydın. Grundsätzlich fände sie es nicht schlimm, wenn Kinder etwas in anderen Sprachen hineinschnuppern. Die Aufregung der FPÖ würde sich aber nur darauf beziehen, dass die Wörter türkisch sind. „Wie wir alle wissen, ist die türkische Sprache hier in Österreich ohne Prestige“, so Aydın. Natürlich gäbe es eine Menge deutscher Wörter mit dem Buchstaben „Ü“ - warum der Verlag diese nicht bevorzugt hätte, müsse man den Verlag fragen.

"Es wird nur Angst geschürt"

Die Grünen sind aber auch der Meinung, dass die Kinder natürlich anhand der deutschen Wörter die Verwendung und Aussprache des „Ü“ oder anderen Buchstaben erlernen sollen. "Hier geht  es nicht darum, ob Türkisch im Alltag notwendig ist, sondern um das Schüren von Angst“, ärgert sich Aydın. Es sei doch gut, wenn die Österreicher mehrere Fremdsprachen können und wenn auch Türkisch dabei sei, könne das für die wirtschaftlichen Beziehungen, die man mit der Türkei pflege, nur von Vorteil sein.

Man soll die Kirche im Dorf lassen

Unterrichtsministerin Schmid beschwichtige die Vorgehensweise. "Natürlich werden die Kinder die Übersetzung dieser Wörter bekommen, aber daraus zu schließen, dass sie Türkischunterricht bekommen, finde ich wirklich übertrieben“, so die Ansicht der Migrantensprecherin Aydin.“Bitte lassen wir die Kirche im Dorf“, meint Aydin zur geführten Diskussion.

Grüne fordern Türkisch als zweite lebende Fremdsprache

Für die Grünen ist klar, dass Türkisch als zweite lebende Fremdsprache in den höheren Schulen angeboten werden soll. Mehrsprachigkeit sei eine Ressource, die eine wachsende wirtschaftliche Bedeutung habe. „Die Einführung eines Lehramtsstudiums für Türkisch ist überfällig. Der Wirtschaftsstandort Österreich braucht gut ausgebildete und vielsprachige junge Menschen“, untermauert Aydın den Standpunkt der Grünen.

Es gibt wichtiger Themen zu Integrationsfragen

Dass diese Seite im Schulbuch nichts mit Integration zu tun hätte, dem pflichtet auch Vahide Aydın bei. Für Integration brauche es vielmehr und nicht nur eine Seite mit ein paar Wörter auf Türkisch oder Serbokroatisch. In der Integration brauche es einen respektvoller Umgang miteinander. Das Bindende sei in der Integration viel wichtiger als das Trennende. „Wir haben in der Integrationsfrage ganz andere Probleme als diese eine Schulbuchseite. Wir, die Politiker, sollten uns um diese Probleme kümmern und nicht uns über ein paar Wörter aufregen“, sagt die Landtagsabgeordnete der Grünen.

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