8. August 2011 07:13; Akt.: 29.08.2011 15:24

Oben Strom gewinnen, unten Fische züchten

Der verhinderte Fischzüchter Hans Raab nutzte seinen Auftritt vor den Medien für Kritik am St. Galler Veterinäramt Der verhinderte Fischzüchter Hans Raab nutzte seinen Auftritt vor den Medien für Kritik am St. Galler Veterinäramt - © Grabher
Millionär Hans Raab will auf dem Dach Solarstrom gewinnen und in den Hallen Fische züchten.

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Der in Schaan im Fürstentum Liechtenstein ansässige Putzmittelmillionär Hans Raab (71) und seine Frau Pia wollen trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben. Auf dem Dach der riesigen Fischzuchthallen in Oberriet soll die größte Solaranlage der Deutschschweiz entstehen. Und „so langsam“ werde auch die Zucht des „Melander“ genannten Speisefisches wieder aufgenommen. Am vergangenen Freitag durften Raab und seine als Geschäftsführerin eingesetzte Gattin Pia die riesige Anlage in der Parzelle Eichenwies nach monatelanger Sperre erstmals wieder betreten. Das Konkursamt des Kantons St. Gallen hob die Versiegelung auf, nachdem ein vermögensrechtliches Verfahren unmöglich geworden war, weil keiner der Gläubiger den für eine Durchführung des Konkurses nötigen Vorschuss aufbringen wollte. Millionär Raab, wegen einer Rückenoperation auf eine Gehhilfe angewiesen, zeigt sich vor den Medien kampfeslustig. Ins Visier nahm er einmal mehr den Leiter des kantonalen St.Galler Veterinäramtes, Thomas Giger. Der Beamte hatte Raab die in Oberriet angewendete Tötungsmethode der Fische durch Unterkühlung mit Eisstücken verboten. Raab hatte sich geweigert, die Tiere vor dem Schlachten mit Strom zu betäuben. Internationale Gutachter Raabs sollen nun beweisen, dass Giger mit seinem tierschutzrechtlichen Einwand nicht richtig liegt.

„Fische nie mit Strom töten“

Die provokante Frage eines Journalisten, ob er den auf dem Dach gewonnenen Strom zur Tötung der Fische verwenden wolle, zeigte bei Raab Wirkung. „Ich werde meine Fische nie mit Strom töten“, betonte er vor den Medien kategorisch. Dem Kantonstierarzt sprach er jede Qualifikation zur Beurteilung der Methode ab. „Er ist ein Schweinegutachter, der seine Macht ausspielt. Von Fischen hat er keine Ahnung“, sagte Raab. Aber auch die Schweizer Medien bekamen ihr Fett ab. Sie hätten ihn „wie einen Zigeuner behandelt“. Raab, der am Stammsitz seines Reinigungsmittelunternehmens im Saarland einen Stammbestand seiner „Melander“ am Leben erhält, will die Zucht in Oberriet „so langsam“ wieder aufnehmen. Konkreten Fragen nach Terminen wich Raab aus, „man wird sehen“. Kaufinteressenten für die Zucht und das Know-how gebe es zu Hauf, sogar Interessenten aus den Golfstaaten hätten sich gemeldet. Weniger überzeugt von einer schnellen Belegung der Zuchtanlage mit Fischen gab sich in Oberriet Markus Seiler, Stellvertreter des Kantonstierarztes. „Wenn Raab Fische in die Anlage bringen will, muss er um die Bewilligung für eine Wildtierhaltung neu ansuchen.“ Ein Gesuch liege dem Kanton bisher nicht vor. Tue Raab dies ohne Genehmigung, müsse er mit einem Strafverfahren rechnen.

„Nur keine Industriebrache“

Über die Pläne Raabs, auf dem Dach der Fischzucht eine 10.000 m2 große Solaranlage bauen zu lassen, informierte sich vor Ort auch Rolf Huber, Gemeindepräsident von Oberriet. „Mir kommt es vor allem darauf an, dass hier endlich etwas ins Laufen kommt, wir wollen in der Parzelle Eichenwies alles andere als eine Industriebrache.“ Grundsätzlich müsse sich aber jeder Unternehmer an die Gesetzeslage in der Schweiz halten. Die Möglichkeiten der Einflussnahme für Oberriet sind gleich null. Man werde einer Solarstrom­anlage, die 600 Haushalte versorgen soll, sicher nichts in den Weg legen, erklärte Huber, betonte jedoch: „Raab hat das Gelände gekauft und es ist unbefristet als Industrie­zone gewidmet. Wenn Raab die Anlage verkommen ließe, kann die Gemeinde dagegen gar nichts machen.“ (VN-GG)


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