Milliarden verzockt: Händler warnte UBS selbst

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Milliarden verzockt: Händler warnte UBS selbst
Jener UBS-Händler, der UBS einen Verlust von rund 1,45 Milliardan Euro eingebrockt hat, soll nach einem Bericht der britischen BBC die Bank in London selbst über die von ihm ausgeführten nicht-autorisierten Transaktionen informiert haben.

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Er sei nicht von der internen Kontrolle entdeckt worden, schrieb der Sender am Freitag auf seiner Internet-Seite. Die UBS-Verantwortlichen hätten dann im Anschluss die fraglichen Handelspositionen unter die Lupe genommen und die britischen Behörden informiert, berichtete die BBC weiter. Die UBS nahm am Freitag in Zürich dazu keine Stellung.

Anklage gegen UBS-Investmentbanker Adoboli

Die Polizei der City of London hat Anklage gegen den inhaftierten 31 Jahre alten Investmentbanker der Schweizer Großbank UBS erhoben. Dem aus Ghana stammenden Kweku Adoboli werde Betrug zum Nachteil der Bank in Höhe von 1,3 Mrd. britischen Pfund (rund 1,5 Mrd. Euro) vorgeworfen, teilte die Polizei am Freitag mit. Nach Medienberichten soll Adoboli noch am Freitag vor Gericht erscheinen.

UBS-Aktie hat sich erholt

Inzwischen hat sich die UBS-Aktie hat am Freitag vom Absturz um 10,8 Prozent am Vortag teilweise erholt. Am Nachmittag notierte der Titel 5,8 Prozent fester auf 10,32 Franken. Allein seit Anfang Jahr hat die UBS-Aktie aber rund ein Drittel an Wert verloren.

Unverhohlen machte UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger seinem Unmut über den Vorfall Luft. Er sei "persönlich sehr enttäuscht" sagte er und sprach am Donnerstagabend nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens von einem "unseligen Ereignis". Es sei "ein Jammer", dass die UBS nach harter Arbeit während zwei Jahren und ganz enormen Fortschritten durch dieses Ereignis wieder sehr stark zurückgeworfen werde.

Hohe Verluste während Finanzkrise

Die größte Schweizer Bank gehört in Europa zu den Banken, die am schwersten von der Finanzkrise getroffen wurden. Sie häufte in den Jahren 2007 und 2008 knapp 28 Mrd. Franken (23,2 Mrd. Euro) an Verlusten an und musste vom Staat gerettet werden. Die Bank hatte die Folgen erst in jüngster in den Griff bekommen und plante einen Neuanfang.

Ruf nach Ablösung von UBS-Chef Grübel

Nach Bekanntwerden des Spekulationsskandals um die Schweizer Großbank UBS wird der Ruf nach einer Ablösung von UBS-Chef Oswald Grübel lauter. Er müsse "Platz machen" forderte etwa das Wirtschaftsmagazin "Cash" am Freitag. Hoffnungen werden auf Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber gesetzt, der 2012 in den Verwaltungsrat der UBS einziehen soll und 2013 dort das Ruder übernehmen soll.

Neben Grübel sollte laut "Cash" auch Villiger die Konsequenzen ziehen. Für Investoren wie Kunden müsse "es haarsträubend sein zu erfahren, dass in der Investment Bank noch immer eine Managementkultur verankert ist, welche es zulässt, dass ein einzelner Händler Milliarden vom Eigenkapital an der Börse verzocken kann". Dafür seien Grübel und Villiger verantwortlich.

Folgen für Finanzplatz Schweiz

Ohne Namen zu nennen, warnt auch die "Neue Zürcher Zeitung" vor den Folgen des Skandals für den Finanzplatz Schweiz. Leichtfertigkeit müssten sich jene Banker vorwerfen lassen, "die hierzulande weiterhin so tun, als sei 2008 nur ein kleiner Betriebsunfall gewesen und als sei die Welt vor und nach der Staatshilfe für die UBS im Grund die gleiche", schreibt die Zeitung am Freitag.

"Wer im Finanzplatz an die Sorgfalt appelliert und sich gegen zu strenge staatliche Bestimmungen zur Wehr setzt, muss selbst glaubwürdig aufzeigen, dass er die Lehren für sein Unternehmen gezogen hat und sie im Kontext der politischen und gesellschaftlichen Erwartungen ernst nimmt." Hier liege einiges im Argen, schreibt die Zeitung. Vor allem Grübel gilt als Gegner staatlicher Bevormundung von Banken nach der Krise.

Grundproblematik im Geschäftsmodell

Die auflagenstarke Zeitung "Blick" schreibt von einer Grundproblematik im Geschäftsmodell des Investmentbankings. "Wer aggressiv Risiken eingeht, erhält hohe Boni." Der frühere Händler Oswald Grübel habe "diese Zockerkultur goutiert und gefördert. Dass die umstrittene Sparte vornehmlich Verluste schrieb, schien er bewusst in Kauf zu nehmen." Den Vertrauensverlust könne die Bank nun nicht mit einem Vorstand wettmachen, dem offenbar die Kontrolle über das Geschäft fehle, kommentiert die Zeitung. APA/Redaktion

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