Mehr Nachrichten aus Mellau
10. Juni 2011 04:18; Akt.: 10.06.2011 04:18

Mellau-Damüls: Eine folgenschwere Zerstörung

Umfassender Eingriff in die Natur: Kritik der Naturschützer führt nun zu einem Umdenken auf europäischer Ebene. Umfassender Eingriff in die Natur: Kritik der Naturschützer führt nun zu einem Umdenken auf europäischer Ebene. - © VOL Live/Hofmeister
Mellau, Damüls  – Umstrittenes Skiprojekt Mellau-Damüls wird „Präzedenzfall“ in Europa: EU novelliert UVP-Richtlinie 2012. (13 Kommentare)

Im EU-Parlament wurde gestern ein Thema diskutiert, das für Vorarlberg von besonderer Bedeutung ist - die „Anwendung der Umweltverträglichkeitsprüfungs-Richtlinie in Österreich“, am konkreten Beispiel Mellau-Damüls. Fazit? Mellau-Damüls wird zum Präzedenzfall in Europa, die EU wird ihre Politik ändern - und 2012 eine entsprechend überarbeitete Novelle zur UVP-Richtlinie präsentieren. Diese Novelle wird maßgeblich ein Ziel haben: Bestimmungen zu schaffen, die künftige Umgehungen europäischer Richtlinien bestmöglich verhindern.

„Fehlentwicklung gebremst“

Für Vorarlbergs Natur- und Umweltschützer, die die bereits fertiggestellte Verbindung zweier Skigebiete von Anfang an harsch kritisiert und den Behörden vorgeworfen hatten, eine UVP durch eine Stückelung des Projektes absichtlich umgangen zu haben, ist dies ein später Sieg. „Endlich wird diese Fehlentwicklung gebremst“, freute sich gestern Lothar Petter, der mit seiner Beschwerde an den EU-Petitionsausschuss den Fall auf die europäische Ebene gehievt hatte.

Kritik an den Behörden

Die Debatte im Plenarsaal des Parlaments in Straßburg ließ an Deutlichkeit nichts missen. Parlaments-Vizepräsident Wieland Rainer (CDU) - er hatte mit dem Petitionsausschuss das Projekt Ende 2010 vor Ort in Augenschein genommen - schilderte eingangs die Kritikpunkte am Projekt Mellau-Damüls. Der Deutsche stellte klar: „Es herrscht oft der Eindruck, dass die EU eine Art Superrevisionsinstanz sein kann. Das ist völlig verfehlt. Wir müssen uns darauf verlassen, dass örtliche Behörden das Recht ordentlich umsetzen.“ EU-Kommissar Günther Oettinger fand dann klare Worte. „Im Skigebiet Mellau-Damüls hätte schon im Vorfeld der Erweiterung ein Screening (Anm.: Vorprüfung) durchgeführt werden müssen - um festzustellen, ob für dieses Projekt eine UVP notwendig gewesen wäre.“ Eine Entscheidung samt Begründung hätte zudem öffentlich gemacht werden müssen. Oettinger: „Die österreichischen Behörden sind dieser Verpflichtung nicht nachgekommen.“ Von Wien begehre er weitere Einzelheiten, wolle wissen, welche Maßnahmen zur Folgenabschwächung dieses Projektes durchgeführt würden: „Wir werden dann entscheiden, welche weiteren Maßnahmen erforderlich sein werden.“ Bei künftigen Erweiterungen dieses Skigebiets oder anderer Skigebiete in Österreich sei zwingend ein Screening durchzuführen.

Ein folgenschweres Projekt

Mellau-Damüls, 2006 genehmigt und längst fertiggestellt, wird damit zum Präzedenzfall in Europa. Denn die Erfahrungen aus diesem Projekt führen zu einer Überarbeitung der EU-Richtlinie in Bezug auf das UVP-Verfahren. „2012“, sagte Oettinger, „werden wir unseren Vorschlag präsentieren.“ Erarbeitet werde ein Text, „der den Umweltschutz weiter stärkt - und der Umgehungsmöglichkeiten noch stärker ausschließt.“ Die „missbräuchliche Durchführung“ in diesem konkreten Fall hat laut Oettinger „somit auch etwas Gutes für die Zukunft, weil darauf aufbauend das europäische Recht nicht mehr so leicht umgehbar sein wird“. Neu, und das ist ebenfalls Folge des Wälder Projektes, wird auch sein, dass strittige Bauprojekte in Zukunft durch die EU eingefroren werden können. Wieland drängt darauf, dass die Union in solchen Fällen einen Baustopp verfügen kann.

„Verschärfte Beobachtung“

Eva Lichtenberger, EU-Abgeordnete der Grünen, legte ebenfalls mit Kritik nach. „Damals ist einiges falsch gelaufen“, sagte die Tirolerin nach der Sitzung. „Österreich steht laut Oettinger nun aber unter verschärfter Beobachtung.“ Mellau-Damüls werde in der EU als gewichtiger Fall gesehen, weil dieses Projekt die grundsätzlichen Probleme bei der Umsetzung der UVP-Richtlinie aufgezeigt habe. „Mellau-Damüls ist bitter“, sagt Lichtenberger, „aber es bringt für die Zukunft Verbesserungen und hat damit doch noch eine positive Seite.“


Andreas Dünser

Artikel weiterempfehlen
  • 0

Ihre Meinung Kommentare filtern  | 
KOMMENTARE FILTERN Optionen ausblenden  X


 
Sie müssen eingeloggt sein oder sich registrieren um einen Kommentar abzuschicken.
Please enter a title and content
 

HTML-Version von diesem Artikel

Mehr auf VOL.at
Wald-Tourismus bei Halbzeit im Minus
Nächtigungsrückgang setzte sich – deutlich abgeschwächt – auch im Jänner fort. mehr »
Abseits der Piste mit Schülern der HAK und HAS Lustenau
Momentan sind die zweiten Klassen der HAK und HAS Lustenau in Damüls auf Skiwoche. mehr »
Damülser Schneekönigin in ihrem Reich
Seit Dezember 2011 regiert sie das Schnee-Reich Damüls mit Würde und viel Engagement – die amtierende Schneekönigin [...] mehr »
Pfarrnachrichten
Mitteilung der Pfarre - Gottesdienstordnung für Au, Mellau, Schnepfau und Damüls. mehr »
PVÖ-Mittel-/Hinterwald feiert Fasching
Vor Kurzem fand das diesjährige Kaffeekränzchen der Pensionisten des Mittel- und Hinterwaldes statt. 60 Personen [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Psst... Box

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neuen Nutzer registrieren

Anmelden oder Registrieren
um Profile zu verknüpfen

{username} registrieren Sie sich jetzt neu auf VOL, um Ihr Facebook-Profil mit einem neuen Benutzer zu verknüpfen ODER klicken Sie auf Anmelden wenn Sie bereits einen VOL-Benutzer haben.


muss eine gültige E-Mail-Adresse sein


Bitte max. 32 Zeichen verwenden


Mindestens 6 Zeichen





Sie haben bereits einen VOL-Benutzer? Anmelden

Bestehendes VOL-Profil verknüpfen

melden Sie sich mit Ihrem VOL-Benutzer an ODER klicken Sie auf Neu Registrieren .


Passwort vergessen

Sie haben noch keinen VOL-Benutzer? Neuen Benutzer registrieren