“Ewige Slalom-Königin” Marlies Schild beendet ihre Karriere

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Ein Abschied mit Tränen: Marlies Schild, die (bis auf weiteres) beste Slalom-Läuferin aller Zeiten, tritt zurück. Ein Abschied mit Tränen: Marlies Schild, die (bis auf weiteres) beste Slalom-Läuferin aller Zeiten, tritt zurück. - © APA
Österreichs Slalom-Spezialistin Marlies Schild hat ihre aktive Karriere beendet. Das gab die 33-jährige Salzburgerin am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien bekannt.

Schild holte in ihrer Karriere vier Olympia- und sieben WM-Medaillen sowie 37 Weltcupsiege. In der Slalom-Disziplin ist die Slalom-Weltmeisterin von 2011 mit 35 Weltcup-Erfolgen die Rekordhalterin.

“Prioritäten haben sich geändert”

“Ich habe mir gründlich Zeit genommen darüber nachzudenken, wie die Zukunft ausschauen wird und über die Vergangenheit, was ich geleistet habe. Es war eine sehr schöne, intensive Zeit”, erklärte Schild. Nun hätten sich aber die Prioritäten in ihrem Leben verändert.

Wechselbad der Gefühle beim Abschied. (APA) Wechselbad der Gefühle beim Abschied. (APA) ©

Traum gelebt

“Ich habe meinen Traum, den ich als kleines Mädchen hatte, gelebt. Ich denke, es ist an der Zeit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und meine aktive Karriere im Sport zu beenden”, sagte Schild.

Marlies Schild – Die “ewige” Slalom-Königin

Mit Marlies Schild tritt eine der erfolgreichsten Alpinski-Rennfahrerinnen aller Zeiten von der Bühne ab. Die Salzburgerin (33), die als Allrounderin begonnen hat und verletzungsbedingt zur Slalomspezialistin geworden ist, tritt als “ewige Königin” dieser Disziplin zurück. Von 37 Weltcupsiegen hat die elffache Medaillengewinnerin 35 im Slalom gefeiert und geht damit als Nummer 1 in Ski-Pension.

Verfolgerinnen mit Respektsabstand

Schild wird dies sehr lange wohl auch bleiben. Von den aktiven Slalom-Läuferinnen hat mit der allerdings erst 19-jährigen US-Weltmeisterin Mikaela Shiffrin die Beste erst neun Siege im Weltcup eingefahren. Schild, die alle ihre Erfolge auf der Skimarke Atomic einfuhr, liegt auch in anderen Bestenlisten zumeist in den Top-Ten. In der von Annemarie Moser-Pröll mit 62 Siegen angeführten Allzeit-Liste der Damen ist sie Sechste, mehr Siege in einer Disziplin haben nur der Schwede Ingemar Stenmark im Riesentorlauf (46) und Slalom (40) sowie Moser-Pröll in der Abfahrt (36).

Trotz vieler Verletzungen an der Spitze

Schild ist also eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten. Und das, obwohl ihre Laufbahn wegen zumindest sechs Knieoperationen mehrmals unterbrochen war und am 9. Oktober 2008 nach einem Trainingsunfall in Sölden fast überhaupt zu Ende gegangen wäre.

Glückliches Paar

Seit zehn Jahren liiert: Marlies Schild und Rennläufer-Kollege Benjamin Raich. (APA) Seit zehn Jahren liiert: Marlies Schild und Rennläufer-Kollege Benjamin Raich. (APA) ©

Nach einem Trümmerbruch und einer Fraktur des Schienbeinkopfes im linken Unterschenkel verlor sie eine ganze Saison. Kraft gab ihr beim Kampf zurück ihr ebenfalls im Skisport sehr erfolgreicher Lebensgefährte Benjamin Raich, mit dem die Salzburgerin seit zehn Jahren liiert ist und auch das Lieblingshobby Klettern teilt. Mit dem Tiroler hat sie sich im Pitztal längst auch ein gemeinsames Zuhause geschaffen.

Viele Verletzungen als Jugendliche

Die am 31. Mai 1981 in Admont in der Steiermark geborene Schild hat die Leidenschaft zum Sport von den Skilehrer-Eltern mitbekommen. Auch Bruder Josef fuhr Skirennen, die neun Jahre jüngere Schwester Bernadette wurde 2008 Junioren-Weltmeisterin und gilt als aktuell größte ÖSV-Hoffnung im Slalom.

Als Vierzehnjährige stellte Vater Josef in Stefan Bürgler seiner älteren Tochter einen Privattrainer zur Seite, weil diese aufgrund ihrer damals schon vielen Verletzungen “in kein Schema mehr passte”. Der langjährige Vertrauenstrainer begleitete Marlies zurück an die Weltspitze.

Fast schon “zu alt”

Nach dem Weltcup-Debüt im Dezember 2001 feierte Schild ihren ersten Slalom-Weltcupsieg – bereits als aktuelle Vize-Weltmeisterin – auch deshalb “erst” mit fast 23 Jahren am 13. März 2004 in Sestriere, weil sie schon als 19-Jährige auf fünf Knie-Operationen bzw. Kreuzbandrisse zurückblickte. Dennoch fuhr die einstige Stams-Schülerin in der Folge im Weltcup zeitweise alle Disziplinen. Eine Kristallkugel in der Super-Kombination, Weltcup-Siege in Riesentorlauf und Super-Kombination (je 1) sowie Podestplätze in Abfahrt und Super-G (je 2) unterstrichen ihr skifahrerisches Allround-Talent.

Der Traum vom Gesamtsieg ging sich aber ebenso knapp nicht aus wie Gold bei Olympia, wo Schild dafür aber in Turin 2006 (Kombi), Vancouver 2010 und Sotschi 2014 (jeweils Slalom) insgesamt drei Mal Silber holte. In der Saison 2006/07 gewann sie insgesamt acht Weltcuprennen, davon sieben von neun Slaloms, und führte bis zwei Rennen vor Schluss, ehe ihr Teamkollegin Nicole Hosp in einem dramatischen Finale noch die große Kristallkugel wegschnappte.

Spezialisierung auf den Slalom

Dafür wurde Schild im Slalom immer stärker. Im Folgewinter wurde sie mit fünf zum Teil überlegenen Siegen zum zweiten Mal Slalom-Weltcupsiegerin, ehe die schwere Trainingsverletzung von Sölden alles auf den Kopf stellte. Ein Jahr später kam sie zurück und fuhr im Slalom bald stärker denn je. Speed-Disziplinen ließ sie ab da aber ebenso links liegen wie den Riesentorlauf in Sölden.

Was folgte, waren die wahrscheinlich stärksten Jahre der Marlies Schild. “Carpe Diem”, also “Nutze den Tag” lautete ihr Leitspruch, dennoch hatte sie oft mehr ihrem eigenen Ehrgeiz als mit den Gegnerinnen zu kämpfen. Ihren bis dahin 18 Slalom-Triumphen ließ die Saalfeldenerin 17 weitere, den Weltmeistertitel 2011 sowie noch zwei Slalom-Weltcupkugeln folgen. Wegen einer neuerlichen Knie-Verletzung verpasste sie ausgerechnet im Winter 2012/13 mit der Heim-WM in Schladming aber erneut fast eine ganze Saison.

Zum Schluss den Allzeit-Rekord geknackt

Noch einmal raffte Schild sich auf. Aus gutem Grund. In ihrer letzten Saison landete die Läuferin des SC Dienten am Hochkönig zwar “nur” noch zwei weitere Slalomsiegen, schrieb damit aber Geschichte. Mit Sieg Nummer 34 egalisierte sie in Courchevel den Allzeit-Rekord der Schweizerin Vreni Schneider, mit dem 35. am 29. Dezember 2013 in Lienz machte sie sich zur ewigen Nummer eins. Fast zwei Jahre lang hatte sie den Rekord gejagt.

Schild tritt nun mit insgesamt 37 Weltcuperfolgen (35 Slalom, 1 Riesentorlauf, 1 Kombination) und fünf kleinen Kristallkugeln ab. Sie eroberte elf Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften von 2003 bis 2014, darunter WM-Gold im Slalom 2011 in Garmisch-Partenkirchen. In 212 Weltcuprennen hat sie 68 Podestplätze erobert, davon 56 im Slalom, 5 in der Kombi, 3 im Riesentorlauf sowie jeweils 2 in Abfahrt und Super-G. (red/APA)

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