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Homosexualität für Polizei immer noch ein Tabuthema

Homosexualität ein schweres Thema bei der Polizei in Vorarlberg (Symbolbild). Homosexualität ein schweres Thema bei der Polizei in Vorarlberg (Symbolbild). - © VOL.AT/Bernd Hofmeister
von Markus Sturn (VOL.AT) - Schwarzach – Die Polizei tut sich immer noch schwer im Umgang mit homosexuellen Beamten und Opfern. Viele schwule Polizisten schrecken vor einem Outing zurück, und schwule Opfer von Straftaten melden sich viel zu selten zu Wort.  

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Josef Hosp ist heute Bezirksinspektor und Obmann-Stellvertreter der Interessensvertretung GayCopsAustria. Bereits Anfang der 80er Jahre hat er sich zu seiner Homosexualität bekannt. Danach war er jahrelang den Angriffen seiner Kollegen ausgesetzt. Einer davon weigerte sich sogar, mit ihm im selben Dienstauto zu fahren. Verbessert hat sich seine Situation erst, als er vor zwei Jahren in einem Fernsehinterview über seine Probleme als schwuler Polizist sprechen konnte. Auch seine öffentlichen Auftritte für GayCopsAustria seien ihm eine Hilfe gewesen.

„Mir geht’s gut, mich lässt man eh in Ruhe“

Nicht alle seiner Kollegen gehen so offen mit ihrer sexuellen Orientierung um. Viele schrecken immer noch vor einem Outing zurück – aus Angst, danach zum Gespött der Kollegen zu werden. Viele lebten nach dem Motto: „Mir geht’s gut, mich lässt man eh in Ruhe.“ Genau das sei aber der falsche Weg, meint Hosp. Was es stattdessen brauchen würde, wären Beamte, die offen zu ihren Neigungen stehen.

Auch anderswo gebe es Probleme: Homosexuelle würden sich oft nicht trauen, Straftaten zur Anzeige zu bringen. Und wenn sie es doch tun, verheimlichen sie ihre sexuelle Orientierung, weil sie einen unwürdigen Umgang durch die Beamten fürchten.

Thema lieber totschweigen

Das liege vor allem, dass das Thema in Vorarlberg lieber totgeschwiegen würde. So gibt es hierzulande keine Ansprechpartner für homosexuelle Polizisten, wie das beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Das wäre aber wichtig, um falschen Vorstellungen und Mobbing vorzubeugen, so Hosp. Außerdem sollte der richtige Umgang mit Homosexualität bereits in der Ausbildung offensiver angegangen werden. Zwar gebe es mittlerweile eine Lehreinheit zu Menschenrechte und Diversität. Das ist Hosp aber noch zu wenig: Wenn nicht die Betroffenen selbst zu Wort kommen könnten, werde es nie genügend Sensibilität geben.

Landespolizeidirektion wiegelt ab

Susanne Dilp, Pressesprecherin der Landespolizeidirektion Vorarlberg, bestätigt, dass es in Vorarlberg keine besonderen Ansprechpartner für homosexuelle Beamte gebe. Sehr wohl aber eine allgemeine Beschwerdestelle sowie eine spezielle Beschwerdestelle für Mobbing. Auch bemühe man sich in den letzten Jahren verstärkt darum, Polizisten im richtigen Umgang mit Homosexualität zu schulen. Ein konkretes Problem lasse sich in Vorarlberg derzeit nicht erkennen. Dilp betont aber die Komplexität des Themas: Bei der Entscheidung für oder gegen ein Outing handle es sich um eine „sehr persönliche, private“ Angelegenheit, die vielerlei Gründe haben könne.

Problem in Vorarlberg besonders ausgeprägt

Dass es sich hierbei um ein Problem handelt, das spezifisch für Vorarlberg ist, davon ist Josef Hosp überzeugt. In anderen Bundesländern würde der Umgang mit homosexuellen Menschen durchaus besser funktionieren. Auch, weil das mittlerweile von Seiten des Bundes gefordert werde. So fungierte die damalige Innenministerin Maria Fekter als Schirmherrin einer Konferenz im Jahr 2010, die sich mit Homosexualität bei der Polizei beschäftigte. Hosp wünscht sich, dass dieser Fingerzeig auch in Vorarlberg ernster genommen wird als bisher.

SOS Mitmensch berichtet

Auslöser der Diskussion ist ein Interview von Roman Schatzer, Vorstandsmitglied des Vereins Gay-Cops-Austria, in der am Samstag erscheinenden Ausgabe des “MO – Magazin für Menschenrechte”, in dem er über einen schwulen Polizisten in Vorarlberg berichtet, der sich outete, woraufhin ein heterosexueller Kollege nicht mehr mit ihm im Dienstwagen fahren wollte – “aus Angst vor einem sexuellen Übergriff, was aber eigentlich verrückt ist”, so Schatzer.

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