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Heimische Pressestimmen: "Veränderer", "Unbequemer"

Bereits Samstag Nachmittag haben sind in Online-Ausgaben österreichischer Zeitungen aktuelle Kommentare zum Unfalltod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider erschienen.

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Die APA bringt im Folgenden einen Überblick über erste Pressestimmen:

Im Online-”Kurier” schreibt Chefredakteur Christoph Kotanko: “Haider war, seit er 1986 in der FPÖ durch einen Putsch der Deutschnationalen an die Macht kam, ein Veränderer heimischer Verhältnisse (…). So sehr seine Braun-Töne, seine Ausländerfeindlichkeit und sein aggressiver Populismus abzulehnen waren (der ‘Kurier’ hatte hier immer eine klare Linie) – Haiders Kritik an den herrschenden Verhältnissen der Achtziger- und Neunzigerjahre war zum Teil auch berechtigt.” Diese Verhältnisse, so Kotanko, habe Haider “benannt, bekämpft und zum Teil auch verändert”. Haider habe wichtige Themen aufgegriffen, habe allerdings “zu oft die falschen Antworten auf richtige Fragen” gefunden. Die FPÖ habe er “zu den größten Triumphen, aber auch in die größte Niederlage” geführt. “So war er stets ein Grenzgänger, der es nie bis ganz nach oben schaffte”, schreibt der “Kurier”-Chefredakteur. “In letzter Zeit suchte er Normalität und Anerkennung in allen politischen Lagern. Die Sehnsucht blieb ungestillt.”

“Man konnte sich nie vorstellen, dass dieser zerstörerische und selbstzerstörerische Politiker einfach so in den Ruhestand oder Vorruhestand hinübergleitet”, schrieb Hans Rauscher in der Online-Ausgabe des “Standard”. “Haider war ein Symbol für so unendlich vieles, was problematisch ist an Österreich, obwohl oder eher weil er so viele Hoffnungen so vieler Menschen weckte”, analysiert er und blickt in die Zukunft: “Das extrem rechte Lager kann sich nun wiedervereinen”, FP-Chef Heinz-Christian Strache könne Haiders “Erbe antreten, ohne sich mit ihm einen Kampf um die Macht liefern zu müssen. Das könnte einiges bedeuten für die Machtkonstellationen im Lande”.

“Jörg Haider hat sich immer wieder als legitimer Nachfolger Bruno Kreiskys in der österreichischen Innenpolitik präsentiert”, blickt Chefredakteur Michael Fleischhacker in der “Presse” (Online-Ausgabe) zurück. Und ortet darin einen “legitimen Anspruch” Haiders: Beide Politiker seien Naturtalente gewesen. “In Kärnten hat Haider das erreicht, was Kreisky bundesweit gelang”, so Fleischhacker. “Dass jetzt alle, auch seine ehedem erbittertsten Gegner, von einem Verlust für die österreichische Politik und von einer Ausnahmebegabung sprechen, ist wahrscheinlich nicht einmal geheuchelt: Der gerade erst beende Wahlkampf hat es überdeutlich gezeigt.”

In der Online-Ausgabe der “Tiroler Tageszeitung” schreibt Peter Nindler: “Jörg Haider war stets ein Unbequemer in der Kärntner Landespolitik und seine Art der Politik war oft umstritten. Doch eines schaffte er zuletzt auch: Er wurde ein moderater Landesvater.” Der Oberösterreicher “verkörperte und symbolisierte in den vergangenen zehn Jahren Kärnten”. Wenn man im Nationalratswahlkampf von einem “neuen, moderaten Haider” gesprochen habe, sei er dies in Kärnten schon längst geworden. “Was jetzt kommt, weiß in Kärnten niemand”, schreibt Nindler.

Einige Online-Ausgaben von Tageszeitungen verzichteten übrigens auf die sonst übliche Möglichkeit für die User, Kommentare zu schreiben, sprich zu “posten”: “Standard” und “Presse” etwa begründeten dies mit der großen Anzahl “an pietätlosen Postings”.

Die “Kronen Zeitung” widmet Jörg Haider in ihrer Sonntags-Ausgabe gleich mehrere Meinungselemente. “Wie ein Blitz” hat Ernst Trost die Nachricht getroffen: “Man spürt, da ist etwas aus der Balance geraten im so wirren und komplexen Gebäude österreichischer Innenpolitik.” Haider habe einen “kometenhaften Aufstieg” gehabt, “aber auch immer wieder selbstzerstörerische Aktionen gesetzt und Gegnerschaft proviziert”, so Trost. “Man muss nicht sein Freund gewesen sein, um nach diesem tragischen Ende tiefe Betroffenheit zu empfinden…” Michael Jeannee klagt in seiner Brief-Kolumne das “verfluchte Schicksal” an und schließt: “Leb wohl, Jörg Haider.” Hausdichter Wolf Martin schließlich verknüpft die “Tragik” des Vorfalls in Kärnten mit der “Dramatik” der internationalen Finanzkrise. Einen Beitrag von “Krone”-Chef Hans Dichand gab es in der Abendausgabe der Zeitung nicht.

“Jörg Haider ist gestern so gestorben, wie er gelebt hat”, schreibt “Österreich”-Herausgeber Wolfgang Fellner. “Immer Vollgas, immer über dem Limit.” Haider sei “das größte politische Genie seit Bruno Kreisky” gewesen, aber auch der “größtmögliche Zerstörer”. Fellner: “Ich habe gegen diesen Jörg Haider an die 100 Prozesse geführt und mit ihm erbittert gestritten.” Doch er habe auch den “‘anderen’ Jörg Haider” respektiert und “teilweise bewundert”. Zuletzt sei Haider zum “sanften, besonnenen, fast weisen Politiker gereift” und hätte “alle Chancen gehabt”, das Land “jenseits von Rot-Schwarz neu zu gestalten”. Aber: “Er war nur – leider – wieder einmal zu schnell…” Werner Schima, Chefredakteur von “Österreich”, bedauert: “Schade, dass Österreich diesen neuen Haider nicht näher kennenlernen konnte.”

In der “Kleinen Zeitung” stellt deren Chefredakteur Hubert Patterer fest: “Jörg Haider wird fehlen, seinen Anhängern, aber auch seinen Gegnern.” Haider habe “die politische Geografie dieses Landes nachhaltig verändert”, er habe “die Vorherrschaft zweier Machtblöcke, die das Land geprägt und am Ende in eine behäbige Stillstandsdemokratie geführt hatten, aufgebrochen. Das ist sein demokratiepolitisches Verdienst. Es hat über den Tod hinaus Bestand.” Patterer beschreibt die “vielen Talente” Haiders, er sei auch “rast- und ruhelos” gewesen. “Dass er in der beschleunigten Bewegung starb, spät nachts, verleiht seinem Tod eine grausame innere Logik.” Die innenpolitischen Konsequenzen sieht Patterer wie folgt: Nun seien “alle Koalitionsspekulationen nichtig. Die große Koalition wird kommen. Das BZÖ hat nur durch Haider geatmet. Es bleibt zurück als Hülle.”

“Haider polarisierte wie kaum ein andere Politiker”, hält Chefredakteur Frank Staud in der “Tiroler Tageszeitung” fest. “Wären ihm nicht immer wieder peinliche rhetorische Ausrutscher, wie sein Sager von der ‘ordentlichen Beschäftigungspolitik im dritten Reich’ passiert, hätte wohl kein politischer Mitbewerber seinen Aufstieg zum Bundeskanzler verhindern können.” Haider sei “mit Sicherheit der begabteste Politiker” der vergangenen 30 Jahre gewesen, ein “begnadeter Populist und Demagoge”, der “ohne seine braunen Rülpser, in der Lage gewesen wäre, in der Liga eines Bruno Kreiskys zu spielen”, so Staud. Sein “letzter Triumph” bei der Nationalratswahl sei “kein Sieg des BZÖ, sondern einzig und allein die Strahlkraft Haiders” gewesen.

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