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Haider ist tot: Internationale Pressestimmen

Haider ist tot: Internationale Pressestimmen
Die Online-Zeitungen im Ausland haben schnell auf den Tod des Kärntner Landeshauptmanns reagiert.

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El Pais, Spanien
“Der Führer der extremen Rechten in Österreich, Jörg Haider, ist Samstag Früh im Alter von 58 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen… Der Vorsitzende des BZÖ, der im vergangenen Jahrzehnt in Europa wegen seiner fremdenfeindlichen und ultranationalistischen Äußerungen für Aufregung gesorgt hatte, konnte bei den letzten Nationalratswahlen am 28. September den Stimmenanteil seiner Partei verdreifachen…Die unerwartete Unterstützung, die ihm elf Prozent der Stimmen bescherte, könnte es dem BZÖ ermöglichen, eine Schlüsselstellung bei der Regierungsbildung in Österreich einzunehmen….”

El Mundo
“Haider, Chef der Kärntner Landesregierung, gewann beachtliche politische Stärke nach den letzten Wahlen in Österreich, nachdem seine Partei ihren Stimmenanteil verdreifachen konnte… Der österreichische Politiker trat in seinem Land in die vorderste Reihe der politischen Bühne, als seine Partei bei den österreichischen Nationalratswahlen 1999 den zweiten Platz eroberte und es ihm gelang, seine damalige Freiheitliche Partei an der Regierung zu beteiligen.

Von seinen biografischen Daten bleibt seine bekennende Bewunderung für die Beschäftigungspolitik im Dritten Reich in Erinnerung, die er aus seinem familiären Umfeld erbte, zumal sein Vater in der Hitlerjugend und der SA aktiv war, während seine Mutter Mitglied des Bundes Deutscher Mädel der Nazi-Partei war.”

Ha’aretz
“Haider machte durch seine Anti-Immigrations-Kampagnen und verbale Ausrutscher Schlagzeilen. Einmal erhob er Vorwürfe gegen die österreichische Regierung und verwies auf die demgegenüber ‘ordentliche Beschäftigungspolitik’ im Dritten Reich. Bei einer anderen Gelegenheit bezeichnete er während einer Parlamentsdebatte die Konzentrationslager als ‘Straflager’.

Auch sein Treffen mit dem irakischen Präsident Saddam Hussein im Jahr 2002, das er als ‘rein humanitäre Angelegenheit’ bezeichnete, wurde weltweit verurteilt. Der Vater des gebürtigen Oberösterreichers war Mitglied der Sturmabteilungs-Braunhemden. Seine Mutter war Lehrerin und eine Führerin in der Hitler-Jugend.”

Israel-Kommentar: Verglichen mit Strache “besonnen”

In den israelischen Rundfunknachrichten wurde der Tod Jörg Haiders am Samstag erst an siebenter Stelle erwähnt. Zitiert wurde nur der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer, der Haiders Tod als eine “menschliche Tragödie” bezeichnet habe. Doch das wöchentliche Nachrichtenmagazin begann seine einstündige Sendung mit einem Korrespondentenbericht aus Wien über den “bekanntesten und zugleich verschmähtesten Politiker Österreichs”. Die Korrespondentin beschrieb Haider als “charismatische Figur unter den österreichischen Politikern und Populist”.

Haider sei mit einem “Putsch” an die Spitze der FPÖ gelangt, indem er “nationalsozialistisches Gedankengut” verbreitet habe. Die Beteiligung seiner Partei an der Regierung habe die Beziehungen Österreichs zur EU belastet und zu einem Bruch der Beziehungen mit Israel geführt. Weiter berichtete die Reporterin, dass heute Haiders Erbe an der FPÖ-Spitze, Heinz-Christian Strache, ein “gefährliches Krokodil” sei. Im Vergleich zu Strache habe Haider geradezu als “besonnen” gegolten.

Wohl wegen des Sabbat und wegen aktueller Ereignisse in Israel, wie die weiter andauernden Tumulte zwischen Juden und Arabern in der nordisraelischen Stadt Akko, gab es zunächst keine Reaktionen israelischer Politiker auf den Tod Haiders.

Aus Protest gegen den Regierungseintritt der FPÖ hatte Israel im Jahr 2000 seinen Botschafter aus Wien zurückgerufen. Bis 2004 blieb der Posten vakant.

Reaktionen in Serbien

Der Belgrader Sender B-92 berichtete über den Tod des BZÖ-Chefs und Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider am Samstag unter Hinweis darauf, dass seine “ultrarechte Partei” bei der jüngsten Nationalratswahl 10,7 Prozent der Stimmen gewonnen habe und somit zur viertstärksten Partei in Österreich geworden sei.

“Haider lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, als seine damalige Partei, die FPÖ, aus der er 2005 ausgetreten ist, ihren Platz im Regierungsbündnis des Konservativen Wolfgang Schüssel fand. Die antisemitischen Reden, die er (Haider) damals hielt, führten zu mehrmonatigen diplomatischen Sanktionen europäischer Staaten gegen Österreich”, berichtete der serbische Sender.

Die staatliche Presseagentur Tanjug vermeldete in einer kurzen Notiz den Tod des österreichischen “ultrarechten Politikers, des langjährigen Chefs der Freiheitlichen Partei,” bei einem Verkehrsunfall unweit von Klagenfurt.

Serbien: Aufmerksamkeit im Jahre 2000 ausgelöst

Der Belgrader Sender B-92 berichtete über den Tod des Kärnter Landeshauptmannes Jörg Haider unter Hinweis, dass seine “ultrarechte Partei” bei der jüngsten NR-Wahl 10,7 Prozent der Stimmen gewonnen und somit zur vierstärksten Partei in Österreich geworden sei.

“Haider lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, als seine damalige Partei, die FPÖ, aus welcher er 2005 ausgetreten ist, im Regierungsbündnis des Konservativen Wolfgang Schüssel war. Die antisemitischen Reden, die er (Haider) damals hielt, führten zu mehrmonatigen diplomatischen Sanktionen europäischer Staaten gegen Österreich”, berichtete der Sender.

Die staatliche Presseagentur Tanjug meldeten in kurzer Notiz den Tod des österreichischen “ultrarechten Politikers, langjährigen Chefs der Freiheitlichen Partei” bei einem Verkehrsunfall unweit Klagenfurts.

“Yedioth Ahronoth”, Israel

Während sich die Online-Dienste der israelischen Zeitungen am Samstag in ihren ersten Reaktionen darauf beschränkten, unkommentiert Agenturberichte wiederzugeben, veröffentlichte das Massenblatt Yedioth Ahronoth einen hebräischen Kommentar zu Jörg Haider mit dem Titel “Der geistige Enkel Hitlers. Wer war Jörg Haider?”.

“Er wurde als Kind von Nazi-Parteimitgliedern geboren, stieg in der österreichischen Politik hoch und berührte fast den Posten des Kanzlers. Die Juden hatten Angst vor ihm und die Welt distanzierte sich von seinen Äußerungen”, heißt es in dem Bericht. Vor acht Jahren habe Haider der israelischen Zeitung im Interview gesagt: “Meine Eltern waren Nazi-Parteimitglieder und wurden dafür bestraft. In jeder österreichischen Partei gibt es ehemalige Nazi-Parteimitglieder. Ich gehöre der Nachkriegsgeneration an, frei von der Schuldlast.” Mit 16 habe er den ersten Preis für eine gehaltene Rede erhalten: “Österreich bleibt deutsch”.

In dem Artikel wird Haiders Karriere beschrieben. “Früher genoss er den Ruf, ‘geistiger Enkel Hitlers’ zu sein.” Als Kärntner Landeshauptmann habe er sich dann sogar mit Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 getroffen. Im Jahr 2001 habe der Präsident der israelitischen Gemeinde, Ariel Muzicant, “den Extremistenführer” wegen einer antisemitischen Äußerung verklagt. Haider hatte damals gesagt: “Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel (ein Waschmittel, Anm.) heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann.”

Polen

  • “Gazeta Wyborcza”: “Der 58-jähriger Doktor der Rechtswissenschaften war der umstrittenste Politiker Österreichs, das Idol eines Teils der Jugend und der radikalen Intelligenz. Sein sportlicher Lebensstil, sein schneller Fahrstil mit dem Auto und seine Gesichtsbräune unterschieden Haider im Kreis der Spitzenpolitiker. Als er 1986 an die Spitze der FPÖ kam, hatte diese eine Wählerschaft von gerade 3 Prozent. 1995 erreichte sie schon 22 Prozent. Unter der harten Hand von Haider wurde die Partei zunächst zur größten Oppositionskraft – extrem rechts und nationalistisch. Haider protestierte gegen die Erweiterung der EU um weitere Länder, forderte ein Arbeitsverbot für Immigranten und lobte die Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches. Er verbarg auch seine antisemitischen Ansichten nicht und verlangte, die Muslime des Landes zu verweisen.”
  • “Rzeczpospolita”: “Er war ein charismatischer Politiker, der die Lebenskraft eines rechten, fremdenfeindlichen österreichischen Nationalismus symbolisierte und in der Gesellschaft extrem entgegengesetzte Gefühle hervorrief. [...] Der Tod dieses historischen Anführers der populistischen extremen Rechten in Österreich führte zu dramatischen Reaktionen im Lager seiner Anhänger.”
  • “Dziennik”: “Die Gegner von Haider warfen ihm Populismus und Fremdenfeindlichkeit vor. Er selbst war ein entschiedener Gegner des österreichischen EU-Beitritts.”
  • “Fakt”: “Er war einer der markantesten und gleichzeitig einer der umstrittensten Politiker Österreichs. Erstens wegen seiner Fremdenfeindlichkeit, zweitens wegen seiner Ablehnung des österreichischen Beitritts zur Europäischen Union und drittens wegen des Vorwurfs, er sei antisemitisch eingestellt gewesen und habe mit dem Nationalsozialismus sympathisiert.”

“Spiegel online”

Das Hamburger Wochenmagazin “Der Spiegel” kommentiert den Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider in seiner Online-Ausgabe am Wochenende:

“Er provozierte, beleidigte, schockierte: Der braungebrannte, smarte Jörg Haider prägte über Jahre das Bild Österreichs mit. Seine politischen Äußerungen – vom Lob der NS-Beschäftigungspolitik bis zur Forderung elektronischer Fußfesseln für Asylbewerber – sorgten regelmäßig für Empörung. Die rechte, nationalistische Gesinnung Jörg Haiders war kein Zufall. Der Vater des am 26. Januar 1950 in Bad Goisern/Oberösterreich geborenen Politikers war ein strammer Nazi: Der Schuhmacher war 1929 der Hitler-Jugend (HJ) und ein Jahr später der SA beigetreten. 1938 wurde Haiders Vater Robert Gaujugendverwalter der Deutschen Arbeitsfront in Linz. Später kämpfte er als Leutnant an der russischen und französischen Front. Seine Mutter Dorothea stieg in der NS-Hierarchie zur Bannjugendführerin auf.

Als Populist und knallharter Taktiker hat Jörg Haider die politische Rechte in Österreich salonfähig gemacht. Wie kaum ein anderer hat der stets braun gebrannte, smarte Politiker jahrzehntelang das Bild des Alpenlandes im Ausland geprägt. Jahrzehntelang war Haider der “starke Mann” der rechten Partei FPÖ.”

Schweiz

  • “NZZ am Sonntag”: “Haider ist tot, nicht aber seine Bewegung (…) Die Reaktion auf Jörg Haiders Tod könnten unterschiedlicher kaum sein. (…) Jörg Haider polarisiert weiter. Schließlich war sein Name längst zu einem europaweit bekannten Sammelbegriff für rechte Populisten geworden. Jörg Haider wäre in zwei Jahren 60 geworden (…) und hat – zuweilen forciert jugendlich – in der rechten Ecke den stets federnden und dynamischen Stil eingeführt. (…) Bei Österreichs Jugend scheint das immer noch zu ziehen. (…) Das BZÖ wird zwar wohl geschwächt, die Stimmenanteile aber werden mittelfristig zur FPÖ wandern. Und Jörg Haider dürfte mit seinem Unfalltod zur verklärten Gründerfigur von Österreichs Bewegung am rechten Rand werden.”
  • “Sonntagsblick”: “Rechtsaußen knallte Haider in einen Betonpfosten (…) Österreichs bekanntester Rechtspopulist starb so, wie er gelebt hatte: schnell und ohne Bremsspur. (…) Mit seiner unverhohlenen Bewunderung für Nazi-Deutschland hatte der Sohn überzeugter Nationalsozialisten weit über die Landesgrenzen für Empörung gesorgt. (…) Doch von all dem will Österreich jetzt nichts mehr wissen. Tausende trugen sich am Samstag ins offizielle Kondolenzbuch ein.”
  • “SonntagsZeitung”: “Mit Jörg Haider hat Österreich seinen schillerndsten Politiker verloren. Einen Mann, der stets modisch gekleidet, sportlich gebräunt und gut gelaunt auftrat, einen brillanten Redner, der aber mehrmals mit verharmlosenden Äußerungen zum Nationalsozialismus weit über die Grenzen Österreichs hinaus Empörung erregte. (…) Nicht nur Haider-Wählerinnen und Wähler waren geschockt. Manche wollten nicht an einen Unfall glauben, mutmaßten über einen möglichen Anschlag auf den Rechtspolitiker, der schließlich auch Feinde gehabt habe. (…) Mit Haiders Tod ist nicht nur diese Koalition fraglich geworden, sondern auch die Zukunft des BZÖ.”
  • “Sonntag”: “Erinnerungen eines Journalisten zu einen Interview mit Haider im März 2002: “Haider war damals (…) Europas umstrittenster Politiker. Er galt im Westen als Reinkarnation des Bösen. (…) Seither wurde ich oft gefragt, ob Blocher der ‘Jörg Haider der Schweiz’ sei. Was ich stets mit Nein beantwortete. Zwar verbanden Charisma, Energie, Volksnähe, Instinkt und eine Lebensaufgabe die beiden: Haider wollte aus dem ‘verfilzten’ Österreich eine ganz normale Demokratie machen, während Blocher die Schweiz retten will. Drei Unterschiede sehe ich aber: Blocher ist verbindlicher, fassbarer, kontinuierlicher – damit auch radikaler im Verfolgen seiner Ideen. (…) Anders als Haider kokettierte er aber nie mit Rechtsextremismus oder Neo-Nationalsozialismus.”

    “Junge SVP (Jugendorganisation der Schweizerischen Volkspartei) trauert um den Rechtsaußen (…) Anders als die SVP hat sich die Junge SVP nie schwer getan mit dem Rechtspopulisten Haider (…) Von offizieller Seite wird sich die Schweiz nicht zum Tod von Jörg Haider äußern. Im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (Außenministerium) heißt es: ‘ Kondolenzschreiben sind nur für Präsidenten und Premierminister vorgesehen’.”

  • “Le matin dimanche”: “Jörg Haider, Leader der extremen Rechten in Österreich, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. (…) Wenige Stunden nach Bekanntgabe seines Todes legten viele Kärntner Blumen neben dem Regierungsgebäude in Klagenfurt nieder. Auf einer der Sympathiekundgebungen war zu lesen: ‘Lieber Jörg! Du wirst für uns unvergessen bleiben. Du warst für uns wie Lady Di. Ein Mann mit Herz.’”

Spanien

Spaniens Politiker ließen sich bisher zu keinen Kommentaren über den plötzlichen Tod Jörg Haiders (BZÖ) hinreißen. Obwohl auch viele spanische Medien den Tod des Kärntner Landeshauptmanns kommentarlos mit Agenturmeldungen abhandelten, gab es einige Zeitungen, die ganzseitig über den Tod des BZÖ-Parteichefs berichteten.

  • “El Pais” (Madrid): Spaniens größte Tageszeitung “El Pais” widmet dem Ableben Jörg Haiders ebenfalls einen großen Bericht. “Der polemische, fremdenfeindliche und populistische Politiker gehörte zu den bestimmenden Figuren in der österreichischen Politik der vergangenen 20 Jahre. Sein plötzlicher Tod hat Österreich in einem Moment der Unsicherheiten erschüttert, in dem die extreme Rechte vor zwei Wochen bei den Nationalratswahlen einen neuen Erfolg feiern konnte”, berichtet am Montag das Blatt.

    “Strache könnte sich ohne Haider nun zu seinem einzigen Nachfolger entwickeln. Aber im Vergleich zum jungen Rechtspopulisten, erschien der erfahrene Haider in der letzten Zeit beinahe eine Persönlichkeit mit Political Correctness. Ohne sein Talent eines Eroberers und seine Fähigkeit zu verlieren, Ideen einfach und verständlich jedem Publikum zu übermitteln, machte er bis zuletzt die Immigranten für fast alle Missstände in Österreich verantwortlich”, so “El Pais” weiter. Das Blatt berichtete weiters, dass sich Österreichs Politiker schwertaten, Haider mit Komplimenten und Lobreden zu bedenken.

  • “Publico” (Madrid): Die linksliberale Tageszeitung “Publico” schreibt, der Tod Haiders verwandle die BZÖ in eine “kopflose Partei”. “Die Partei könnte nun schnell ausbluten, da die BZÖ eigentlich nichts anderes ist als die Partei Haiders”, so das Madrider Blatt. Nachdem die Rechte bei den vergangenen Wahlen rund 30 Prozent der Stimmen erhalten hat, liege die Zukunft Österreichs im Dunkeln, so “Publico”. “Aber der Tod Haiders wird Dinge verändern. Bisher gab es nur zwei Alternativen: Eine Große Koalition zwischen Sozialdemokraten und Christdemokraten, die viele Stimmen verloren, oder eine Koalition mit Einbindung von FPÖ und BZÖ.”
  • “El Mundo” (Madrid): Die konservative Tageszeitung “El Mundo” schreibt am Montag über den Tod Haiders, dass “kein österreichischer Politiker der Nachkriegszeit so viel Passionen und so viel Hass gleichzeitig ausgelöst hat”, wie der Kärntner Landeshauptmann. “Für seine Gefolgsleute war er ein Reformer, der die politischen Eliten in die Schranken wies und als Verteidiger der kleinen und ehrlichen Leute agierte. Seine Gegner sahen ihn als selbstverliebten Egozentriker an, der zu allem bereit war, um an die Macht zu kommen.”
“Novi list” und “Jutarnji list” (Kroatien):

In Kroatien schrieb die in der Adria-Hafenstadt Rijeka erscheinende Zeitung “Novi list” vom “Abgang des Führers von Kärnten.” Das Zagreber Blatt “Jutarnji list” meinte: “Er ging immer an die Grenze, aber nie bis zum Gipfel. Jörg Haider, der König von Kärnten ist tot. Mit seinen kontroversen Aussagen zum Nationalsozialismus und der Relativierung des Nazismus war er ein typischer Vertreter seiner Generation.”

Französische Pressestimmen

Die französischen Printmedien haben sich in den Wochenendausgaben mit dem Unfalltod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (BZÖ) befasst.

  • “Le Monde”: “Seine dröhnende Rückkehr auf die politische Szene in Österreich war von kurzer Dauer. Der Chef der populistischen österreichischen Partei BZÖ und Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider ist am Samstag in einem Verkehrsumfall gestorben. (…) Dies könnte auch schlicht das Ende dieser Bewegung bedeuten, die nur Dank der charismatischen Persönlichkeit ihres Chefs lebte, einem wahrhaftigen politischen Tier, seit Jahren auf der politischen Szene anwesend. (…) Vor einigen Tagen noch hat Jörg Haider die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung mit den Konservativen in Aussicht gestellt.”
  • “Le Parisien”: “Unabhängig von der politischen Zugehörigkeit hat die politische Klasse in Österreich das Ableben eines ‘außerordentlichen’ Politiker bedauert. Bundespräsident Heinz Fischer hat einem ‘Politiker von großem Talent’ gedacht, der ‘Enthusiasmus, aber auch feste Kritiken erwecken konnte’. Im Ausland erinnert man sich vor allem an die Episode von 2000, als Österreich an den Pranger der europäischen Nationen gestellt wurde, nachdem die extreme Rechte Haiders eine Regierungskoalition mit den Konservativen von Wolfgang Schüssel gebildet hat.”
  • “Le Figaro”: “Tribun des österreichischen politischen Lebens, gehörte er zu jenen Politikern Europas, die wegen ihrer populistischen Haltungen in Sachen Immigration am meisten verschrien waren. Jörg Haider, Chef der extremen Rechten Österreichs, ist Samstag früh bei einem Verkehrsunfall gestorben. (…) Zumal die Bevölkerung der kleinen am 1. Jänner 1995 der EU beigetretenen Alpenrepublik eine der euroskeptischsten unter den 27 Mitgliedsländern ist, hat der Wahlkampf Haiders über den ‘unerträglichen Verlust der Unabhängigkeit und der Handlungsfreiheit’ Wiens gegenüber Brüssel durchaus seine Früchte getragen. (…) Der österreichische Präsident Heinz Fischer hat den Tod des Populisten als ‘menschliche Tragödie’ bezeichnet.”

Deutschland

Deutsche Pressestimmen vom Sonntag zum Unfalltod von Kärntens Landeshauptmann und BZÖ-Chef Jörg Haider:

“Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”:
“Media vita in morte sumus – mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen. Es war ein pralles, an politischen Höhen und Tiefen reiches Leben, das abrupt zu Ende ging. Doch der jähe Tod passt irgendwie zu dem unsteten Menschen Jörg Haider: Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass dieser hochbegabte, talentierte, ja auch charismatische, aber doch auch von starken (Selbst)-Zweifeln gepeinigte bisweilen gar (selbst)zerstörerisch veranlagte Politiker irgendwann als betagter Ruheständler im Bett sterben würde.”

“Haider, an dem sich die halbe Welt rieb, hat die rotweißrote Innenpolitik entscheidend mitgeprägt. Sein abrupter Tod ist für Kärnten – an dessen Spitze er zweimal als Regierungschef stand – wie für ganz Österreich ein einschneidendes Ereignis.”

Die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” brachte den Tod Jörg Haiders zudem in Verbindung mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari. Dieser war auch einer der drei “Weisen”, deren Bericht Grundlage für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen die schwarz-blaue Bundesregierung im Jahr 2000 gewesen war:

“Die Wirklichkeit kann eine sarkastische Geschichtenerzählerin sein: Nur wenige Stunden lagen zwischen den Nachrichten, dass Martti Ahtisaari den Friedensnobelpreis erhalten werde und Jörg Haider bei einem Autounfall tödlich verunglückt sein. So haben der Finne und der Österreicher also noch einmal gemeinsam für die Schlagzeilen des Tages gesorgt, wie damals vor acht Jahren, als sich die Lebensbahnen dieser beiden höchst unterschiedlichen Männer auf eine Weise kreuzten, die für den einen wie für den anderen bezeichnend war. Das war im Sommer 2000 so, als der ehemalige finnische Staatspräsident Ahtisaari der bekannteste jener ‘drei Weisen’ war, die offiziell den Zustand der Demokratie beim EU-Mitglied Österreich untersuchen, tatsächlich jedoch den anderen EU-Staaten – seinerzeit waren es 14 – aus einem peinlichen Schlamassel helfen sollten.

(…) Ahtisaari und seine Mitweisen reisten nach Wien, hörten sich um, und legten schließlich eine Einschätzung vor, deren fein tarierte Rhetorik nicht mit Kritik an dem Krawallpopulismus der FPÖ sparte, aber auch hervorhob, dass die Regierung keineswegs ein minderheitenfeindliches Regime in dem Alpenstaat zu errichten trachte. Die Welt, zumindest ihr europäischer Teil, war also gerettet. Wieder einmal hatte Martti Ahtisaari daran mitgewirkt, einen Konflikt aus der Welt zu schaffen.”

“Tagesspiegel” (Berlin):
“Jörg Haider war nicht zu fassen. Er war eine hochkomplexe und eigenartige Mischung. Er konnte den Nazi genauso wie den Staatstheoretiker geben, er war der plumpe Ausländerhasser und dann wieder der prononcierteste Befürworter eines EU-Beitritts der Türkei, den Österreich aufzubieten hatte. Er konnte, und das überraschte jeden, der ihn persönlich kennenlernte, ein einfühlsamer, beinahe sanfter Zuhörer sein – und dann im Bierzelt auf die Bühne gehen und Sprüche rauslassen, die jeden CSU-Politiker am politischen Aschermittwoch erblassen lassen würden.”

“Vor allem in seiner späten Phase, nachdem die FPÖ in die Regierung eingetreten war und dann aber von Wahl zu Wahl stärker absackte, waren diese Stimmungsschwankungen Haiders erstaunlich. Immer wieder verkroch er sich im Privaten. Und kehrte doch mit vollem Elan auf die politische Bühne zurück und träumte davon, mit der Gründung des Bündnis Zukunft Österreich noch einmal wie in den 90ern zu polarisieren. Aber dann wollte er wieder aus der Politik aussteigen und einen Lehrstuhl an einer Universität einnehmen. Oder sogar eine Wein- und Buchhandlung in Klagenfurt eröffnen.”

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