El Pais, Spanien
“Der Führer der extremen Rechten in Österreich, Jörg Haider, ist Samstag Früh im Alter von 58 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen… Der Vorsitzende des BZÖ, der im vergangenen Jahrzehnt in Europa wegen seiner fremdenfeindlichen und ultranationalistischen Äußerungen für Aufregung gesorgt hatte, konnte bei den letzten Nationalratswahlen am 28. September den Stimmenanteil seiner Partei verdreifachen…Die unerwartete Unterstützung, die ihm elf Prozent der Stimmen bescherte, könnte es dem BZÖ ermöglichen, eine Schlüsselstellung bei der Regierungsbildung in Österreich einzunehmen….”
El Mundo
“Haider, Chef der Kärntner Landesregierung, gewann beachtliche politische Stärke nach den letzten Wahlen in Österreich, nachdem seine Partei ihren Stimmenanteil verdreifachen konnte… Der österreichische Politiker trat in seinem Land in die vorderste Reihe der politischen Bühne, als seine Partei bei den österreichischen Nationalratswahlen 1999 den zweiten Platz eroberte und es ihm gelang, seine damalige Freiheitliche Partei an der Regierung zu beteiligen.
Von seinen biografischen Daten bleibt seine bekennende Bewunderung für die Beschäftigungspolitik im Dritten Reich in Erinnerung, die er aus seinem familiären Umfeld erbte, zumal sein Vater in der Hitlerjugend und der SA aktiv war, während seine Mutter Mitglied des Bundes Deutscher Mädel der Nazi-Partei war.”
Ha’aretz
“Haider machte durch seine Anti-Immigrations-Kampagnen und verbale Ausrutscher Schlagzeilen. Einmal erhob er Vorwürfe gegen die österreichische Regierung und verwies auf die demgegenüber ‘ordentliche Beschäftigungspolitik’ im Dritten Reich. Bei einer anderen Gelegenheit bezeichnete er während einer Parlamentsdebatte die Konzentrationslager als ‘Straflager’.
Auch sein Treffen mit dem irakischen Präsident Saddam Hussein im Jahr 2002, das er als ‘rein humanitäre Angelegenheit’ bezeichnete, wurde weltweit verurteilt. Der Vater des gebürtigen Oberösterreichers war Mitglied der Sturmabteilungs-Braunhemden. Seine Mutter war Lehrerin und eine Führerin in der Hitler-Jugend.”
Israel-Kommentar: Verglichen mit Strache “besonnen”
In den israelischen Rundfunknachrichten wurde der Tod Jörg Haiders am Samstag erst an siebenter Stelle erwähnt. Zitiert wurde nur der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer, der Haiders Tod als eine “menschliche Tragödie” bezeichnet habe. Doch das wöchentliche Nachrichtenmagazin begann seine einstündige Sendung mit einem Korrespondentenbericht aus Wien über den “bekanntesten und zugleich verschmähtesten Politiker Österreichs”. Die Korrespondentin beschrieb Haider als “charismatische Figur unter den österreichischen Politikern und Populist”.
Haider sei mit einem “Putsch” an die Spitze der FPÖ gelangt, indem er “nationalsozialistisches Gedankengut” verbreitet habe. Die Beteiligung seiner Partei an der Regierung habe die Beziehungen Österreichs zur EU belastet und zu einem Bruch der Beziehungen mit Israel geführt. Weiter berichtete die Reporterin, dass heute Haiders Erbe an der FPÖ-Spitze, Heinz-Christian Strache, ein “gefährliches Krokodil” sei. Im Vergleich zu Strache habe Haider geradezu als “besonnen” gegolten.
Wohl wegen des Sabbat und wegen aktueller Ereignisse in Israel, wie die weiter andauernden Tumulte zwischen Juden und Arabern in der nordisraelischen Stadt Akko, gab es zunächst keine Reaktionen israelischer Politiker auf den Tod Haiders.
Aus Protest gegen den Regierungseintritt der FPÖ hatte Israel im Jahr 2000 seinen Botschafter aus Wien zurückgerufen. Bis 2004 blieb der Posten vakant.
Reaktionen in Serbien
Der Belgrader Sender B-92 berichtete über den Tod des BZÖ-Chefs und Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider am Samstag unter Hinweis darauf, dass seine “ultrarechte Partei” bei der jüngsten Nationalratswahl 10,7 Prozent der Stimmen gewonnen habe und somit zur viertstärksten Partei in Österreich geworden sei.
“Haider lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, als seine damalige Partei, die FPÖ, aus der er 2005 ausgetreten ist, ihren Platz im Regierungsbündnis des Konservativen Wolfgang Schüssel fand. Die antisemitischen Reden, die er (Haider) damals hielt, führten zu mehrmonatigen diplomatischen Sanktionen europäischer Staaten gegen Österreich”, berichtete der serbische Sender.
Die staatliche Presseagentur Tanjug vermeldete in einer kurzen Notiz den Tod des österreichischen “ultrarechten Politikers, des langjährigen Chefs der Freiheitlichen Partei,” bei einem Verkehrsunfall unweit von Klagenfurt.
Serbien: Aufmerksamkeit im Jahre 2000 ausgelöst
Der Belgrader Sender B-92 berichtete über den Tod des Kärnter Landeshauptmannes Jörg Haider unter Hinweis, dass seine “ultrarechte Partei” bei der jüngsten NR-Wahl 10,7 Prozent der Stimmen gewonnen und somit zur vierstärksten Partei in Österreich geworden sei.
“Haider lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, als seine damalige Partei, die FPÖ, aus welcher er 2005 ausgetreten ist, im Regierungsbündnis des Konservativen Wolfgang Schüssel war. Die antisemitischen Reden, die er (Haider) damals hielt, führten zu mehrmonatigen diplomatischen Sanktionen europäischer Staaten gegen Österreich”, berichtete der Sender.
Die staatliche Presseagentur Tanjug meldeten in kurzer Notiz den Tod des österreichischen “ultrarechten Politikers, langjährigen Chefs der Freiheitlichen Partei” bei einem Verkehrsunfall unweit Klagenfurts.
“Yedioth Ahronoth”, Israel
Während sich die Online-Dienste der israelischen Zeitungen am Samstag in ihren ersten Reaktionen darauf beschränkten, unkommentiert Agenturberichte wiederzugeben, veröffentlichte das Massenblatt Yedioth Ahronoth einen hebräischen Kommentar zu Jörg Haider mit dem Titel “Der geistige Enkel Hitlers. Wer war Jörg Haider?”.
“Er wurde als Kind von Nazi-Parteimitgliedern geboren, stieg in der österreichischen Politik hoch und berührte fast den Posten des Kanzlers. Die Juden hatten Angst vor ihm und die Welt distanzierte sich von seinen Äußerungen”, heißt es in dem Bericht. Vor acht Jahren habe Haider der israelischen Zeitung im Interview gesagt: “Meine Eltern waren Nazi-Parteimitglieder und wurden dafür bestraft. In jeder österreichischen Partei gibt es ehemalige Nazi-Parteimitglieder. Ich gehöre der Nachkriegsgeneration an, frei von der Schuldlast.” Mit 16 habe er den ersten Preis für eine gehaltene Rede erhalten: “Österreich bleibt deutsch”.
In dem Artikel wird Haiders Karriere beschrieben. “Früher genoss er den Ruf, ‘geistiger Enkel Hitlers’ zu sein.” Als Kärntner Landeshauptmann habe er sich dann sogar mit Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 getroffen. Im Jahr 2001 habe der Präsident der israelitischen Gemeinde, Ariel Muzicant, “den Extremistenführer” wegen einer antisemitischen Äußerung verklagt. Haider hatte damals gesagt: “Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel (ein Waschmittel, Anm.) heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann.”
Polen
“Spiegel online”
Das Hamburger Wochenmagazin “Der Spiegel” kommentiert den Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider in seiner Online-Ausgabe am Wochenende:
“Er provozierte, beleidigte, schockierte: Der braungebrannte, smarte Jörg Haider prägte über Jahre das Bild Österreichs mit. Seine politischen Äußerungen – vom Lob der NS-Beschäftigungspolitik bis zur Forderung elektronischer Fußfesseln für Asylbewerber – sorgten regelmäßig für Empörung. Die rechte, nationalistische Gesinnung Jörg Haiders war kein Zufall. Der Vater des am 26. Januar 1950 in Bad Goisern/Oberösterreich geborenen Politikers war ein strammer Nazi: Der Schuhmacher war 1929 der Hitler-Jugend (HJ) und ein Jahr später der SA beigetreten. 1938 wurde Haiders Vater Robert Gaujugendverwalter der Deutschen Arbeitsfront in Linz. Später kämpfte er als Leutnant an der russischen und französischen Front. Seine Mutter Dorothea stieg in der NS-Hierarchie zur Bannjugendführerin auf.
Als Populist und knallharter Taktiker hat Jörg Haider die politische Rechte in Österreich salonfähig gemacht. Wie kaum ein anderer hat der stets braun gebrannte, smarte Politiker jahrzehntelang das Bild des Alpenlandes im Ausland geprägt. Jahrzehntelang war Haider der “starke Mann” der rechten Partei FPÖ.”
Schweiz
“Junge SVP (Jugendorganisation der Schweizerischen Volkspartei) trauert um den Rechtsaußen (…) Anders als die SVP hat sich die Junge SVP nie schwer getan mit dem Rechtspopulisten Haider (…) Von offizieller Seite wird sich die Schweiz nicht zum Tod von Jörg Haider äußern. Im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (Außenministerium) heißt es: ‘ Kondolenzschreiben sind nur für Präsidenten und Premierminister vorgesehen’.”
Spanien
Spaniens Politiker ließen sich bisher zu keinen Kommentaren über den plötzlichen Tod Jörg Haiders (BZÖ) hinreißen. Obwohl auch viele spanische Medien den Tod des Kärntner Landeshauptmanns kommentarlos mit Agenturmeldungen abhandelten, gab es einige Zeitungen, die ganzseitig über den Tod des BZÖ-Parteichefs berichteten.
“Strache könnte sich ohne Haider nun zu seinem einzigen Nachfolger entwickeln. Aber im Vergleich zum jungen Rechtspopulisten, erschien der erfahrene Haider in der letzten Zeit beinahe eine Persönlichkeit mit Political Correctness. Ohne sein Talent eines Eroberers und seine Fähigkeit zu verlieren, Ideen einfach und verständlich jedem Publikum zu übermitteln, machte er bis zuletzt die Immigranten für fast alle Missstände in Österreich verantwortlich”, so “El Pais” weiter. Das Blatt berichtete weiters, dass sich Österreichs Politiker schwertaten, Haider mit Komplimenten und Lobreden zu bedenken.
In Kroatien schrieb die in der Adria-Hafenstadt Rijeka erscheinende Zeitung “Novi list” vom “Abgang des Führers von Kärnten.” Das Zagreber Blatt “Jutarnji list” meinte: “Er ging immer an die Grenze, aber nie bis zum Gipfel. Jörg Haider, der König von Kärnten ist tot. Mit seinen kontroversen Aussagen zum Nationalsozialismus und der Relativierung des Nazismus war er ein typischer Vertreter seiner Generation.”
Französische Pressestimmen
Die französischen Printmedien haben sich in den Wochenendausgaben mit dem Unfalltod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (BZÖ) befasst.
Deutschland
Deutsche Pressestimmen vom Sonntag zum Unfalltod von Kärntens Landeshauptmann und BZÖ-Chef Jörg Haider:
“Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”:
“Media vita in morte sumus – mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen. Es war ein pralles, an politischen Höhen und Tiefen reiches Leben, das abrupt zu Ende ging. Doch der jähe Tod passt irgendwie zu dem unsteten Menschen Jörg Haider: Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass dieser hochbegabte, talentierte, ja auch charismatische, aber doch auch von starken (Selbst)-Zweifeln gepeinigte bisweilen gar (selbst)zerstörerisch veranlagte Politiker irgendwann als betagter Ruheständler im Bett sterben würde.”
“Haider, an dem sich die halbe Welt rieb, hat die rotweißrote Innenpolitik entscheidend mitgeprägt. Sein abrupter Tod ist für Kärnten – an dessen Spitze er zweimal als Regierungschef stand – wie für ganz Österreich ein einschneidendes Ereignis.”
Die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” brachte den Tod Jörg Haiders zudem in Verbindung mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari. Dieser war auch einer der drei “Weisen”, deren Bericht Grundlage für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen die schwarz-blaue Bundesregierung im Jahr 2000 gewesen war:
“Die Wirklichkeit kann eine sarkastische Geschichtenerzählerin sein: Nur wenige Stunden lagen zwischen den Nachrichten, dass Martti Ahtisaari den Friedensnobelpreis erhalten werde und Jörg Haider bei einem Autounfall tödlich verunglückt sein. So haben der Finne und der Österreicher also noch einmal gemeinsam für die Schlagzeilen des Tages gesorgt, wie damals vor acht Jahren, als sich die Lebensbahnen dieser beiden höchst unterschiedlichen Männer auf eine Weise kreuzten, die für den einen wie für den anderen bezeichnend war. Das war im Sommer 2000 so, als der ehemalige finnische Staatspräsident Ahtisaari der bekannteste jener ‘drei Weisen’ war, die offiziell den Zustand der Demokratie beim EU-Mitglied Österreich untersuchen, tatsächlich jedoch den anderen EU-Staaten – seinerzeit waren es 14 – aus einem peinlichen Schlamassel helfen sollten.
(…) Ahtisaari und seine Mitweisen reisten nach Wien, hörten sich um, und legten schließlich eine Einschätzung vor, deren fein tarierte Rhetorik nicht mit Kritik an dem Krawallpopulismus der FPÖ sparte, aber auch hervorhob, dass die Regierung keineswegs ein minderheitenfeindliches Regime in dem Alpenstaat zu errichten trachte. Die Welt, zumindest ihr europäischer Teil, war also gerettet. Wieder einmal hatte Martti Ahtisaari daran mitgewirkt, einen Konflikt aus der Welt zu schaffen.”
“Tagesspiegel” (Berlin):
“Jörg Haider war nicht zu fassen. Er war eine hochkomplexe und eigenartige Mischung. Er konnte den Nazi genauso wie den Staatstheoretiker geben, er war der plumpe Ausländerhasser und dann wieder der prononcierteste Befürworter eines EU-Beitritts der Türkei, den Österreich aufzubieten hatte. Er konnte, und das überraschte jeden, der ihn persönlich kennenlernte, ein einfühlsamer, beinahe sanfter Zuhörer sein – und dann im Bierzelt auf die Bühne gehen und Sprüche rauslassen, die jeden CSU-Politiker am politischen Aschermittwoch erblassen lassen würden.”
“Vor allem in seiner späten Phase, nachdem die FPÖ in die Regierung eingetreten war und dann aber von Wahl zu Wahl stärker absackte, waren diese Stimmungsschwankungen Haiders erstaunlich. Immer wieder verkroch er sich im Privaten. Und kehrte doch mit vollem Elan auf die politische Bühne zurück und träumte davon, mit der Gründung des Bündnis Zukunft Österreich noch einmal wie in den 90ern zu polarisieren. Aber dann wollte er wieder aus der Politik aussteigen und einen Lehrstuhl an einer Universität einnehmen. Oder sogar eine Wein- und Buchhandlung in Klagenfurt eröffnen.”
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