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16. Juni 2011 09:46; Akt.: 16.06.2011 09:46

“Es gibt nichts Schöneres”

Jutta Rinderer mit Jasmin und Karl Pokorny vom Pflegekinderdienst. Jutta Rinderer mit Jasmin und Karl Pokorny vom Pflegekinderdienst. - © Kinderdorf Vorarlberg
Anna* ist dreieinhalb Jahre alt und das erste Pflegekind der Familie Lins. Jasmin, die gerade 13 geworden ist, lebt seit einem halben Jahr bei Jutta Rinderer in einer kleinen “Ankerfamilie”. Ein Porträt von zwei ganz unterschiedlichen Familien, die gemeinsam mit Kindern wachsen. Seit beinahe zwei Jahren bereichert Anna die Familie von Silvia und Werner Lins [...]

Anna* ist dreieinhalb Jahre alt und das erste Pflegekind der Familie Lins. Jasmin, die gerade 13 geworden ist, lebt seit einem halben Jahr bei Jutta Rinderer in einer kleinen “Ankerfamilie”. Ein Porträt von zwei ganz unterschiedlichen Familien, die gemeinsam mit Kindern wachsen.

Seit beinahe zwei Jahren bereichert Anna die Familie von Silvia und Werner Lins mit ihren beiden Töchtern Julia (8) und Elena (6). “Anna ist für uns ein Geschenk und hat in unserer Familie noch gefehlt”, erzählt Silvia Lins. “Sie ist sehr fröhlich und eine starke kleine Persönlichkeit, die immer wieder versucht, ihren Willen durchzusetzen.” Nachdem Anna in die Familie kam, drehte sich ein halbes Jahr lang alles um das kleine Mädchen, dem es an nichts fehlen sollte – bis die leiblichen Töchter vehement mehr Aufmerksamkeit forderten. “Wir mussten lernen, kein Kind hervorzuheben und Anna nicht wie ein rohes Ei zu behandeln.”

“Es gibt nichts Schöneres als zu sehen, wie ein Kind durch deine Zuwendung und Liebe stark wird und Vertrauen gewinnt.” (Silvia Lins)

“Super und ein wenig chaotisch”
Heute beurteilt Frau Lins ihre Familiensituation als “ganz normal”. Die Mädels können nicht ohne einander, aber sie streiten auch genauso wie andere Kinder. “Super und toll” antwortet Silvia Lins spontan auf die Frage, wie es ist, eine Pflegefamilie zu sein. “Manchmal auch ein wenig chaotisch, aber es gibt nichts Schöneres als zu sehen, wie ein Kind durch deine Zuwendung und Liebe stark wird und Vertrauen gewinnt.” Dennoch kehrt sie die Schattenseiten einer Pflegschaft nicht unter den Tisch. “Ein Kind bei sich aufzunehmen heißt auch, seine Herkunftsfamilie zu respektieren und den Kontakt zu den leiblichen Eltern und Großeltern zu pflegen.” Dies sei nicht immer leicht und eine gute Begleitung durch den Pflegekinderdienst sehr wichtig. “Es ist für mich oft schwierig, wenn Anna viel von ihren Eltern und ihrer um ein Jahr älteren Schwester redet.” Doch Silvia Lins weiß, wie wichtig die Treffen mit ihrer leiblichen Familie für Anna sind.

Neuer Halt für Jasmin
Auch Jasmin, die bei Jutta Rinderer seit Dezember neuen Halt findet, trifft sich regelmäßig mit ihren Geschwistern und ihren leiblichen Eltern. Jasmins Familie ist mit fünf der insgesamt neun Geschwister nach Vorarlberg gezogen. Für ihre jüngeren Geschwister hat Jasmin früh Verantwortung übernommen. Jetzt ist sie froh, einfach Kind sein zu dürfen. “Jasmin hat viel aufzuholen. Sie braucht vor allem Nähe und Zuwendung”, so Jutta Rinderer, die sich sehr darüber freut, dass ihre kleine “Ankerfamilie” so gut funktioniert. “Wir haben uns gleich gemocht. Jasmin ist sehr umgänglich und offen.” Das Leben der 40-jährigen Harderin hat sich durch die Betreuung von Jasmin grundlegend verändert. “Ich bin ledig, ungebunden und war viel unterwegs.” Die Angestellte einer Fluglinie arbeitet jetzt halbtags, um sich ihrer neuen Aufgabe widmen zu können, für die sie als ehemalige Erzieherin auch das pädagogische Rüstzeug mitbringt. Jasmin gibt sie vor allem Stabilität, Sicherheit, Zuneigung und begleitet sie durch die emotionale Achterbahnfahrt der Pubertät.


Einsam in der Großfamilie

“Jasmin lebte zwar in einer Großfamilie, war aber dennoch sehr einsam und musste alles mit sich selbst ausmachen”, erklärt Jutta Rinderer. Miteinander essen, sich zuhören, jemand, der für einen da ist und Interesse zeigt – all das ist für Jasmin neu und wichtig für ihr weiteres Leben. Dass Jasmin sich so gut auf den “extremen Milieuwechsel” einlassen kann, freut auch Karl Pokorny vom Pflegekinderdienst. “Die beiden sind ein super Gespann.” Auch die starke Verbesserung der schulischen Leistungen von Jasmin zeige, welches Potenzial in kurzer Zeit geweckt werden kann.

Jutta Rinderer sieht die Betreuung von Jasmin als “immense Bereicherung”, aber auch als Arbeit, die entsprechend entlohnt werden muss. Der Pflegekinderdienst des Vorarlberger Kinderdorfs sucht dringend Pflege- und Ankerfamilien in ganz Vorarlberg, die mit Freude und Engagement die Betreuung benachteiligter Kinder übernehmen.

* Name von der Redaktion geändert.

FACTBOX
Dringend Familien gesucht!
Der Pflegekinderdienst des Vorarlberger Kinderdorfs sucht Pflegefamilien sowie Ankerfamilien für Kinder zwischen sechs und 12 Jahren. Ansprechpartnerin: Silvia Zabernigg, Tel. 0650/8225319, Email: s.zabernigg@voki.at, www.kinderdorf.cc
Der Pflegekinderdienst bietet Vorbereitung, Schulung und umfassende Unterstützung.
Auch eine entsprechende finanzielle Vergütung ist garantiert.

 

 



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