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Dr.-Toni-Russ-Preis für Elmar Stüttler

Dr.-Toni-Russ-Preis für Elmar Stüttler
von Marlies Mohr - Bregenz - Russpreisträger Elmar Stüttler wurde am Donnerstagabend im Festspielhaus Bregenz begeistert gefeiert.

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Bescheidenheit ist eine Zier: Auf Elmar Stüttler trifft dieser erste Teil eines Sprichwortes wohl vollumfänglich zu. Dass man es ohne sie weiterbringt, wie der Volksmund auch sagt, indes nicht. Der Montafoner brauchte keine Ellbogen, um die Tische für Hilfsbedürftige decken zu können. Tief verwurzelt im Glauben und mit unermüdlichem Einsatz konnte Elmar Stüttler in kürzester Zeit viele für seine Idee begeistern.

Einstimmiges Votum

Dieses beispielhafte Engagement wurde am Donnerstagabend mit dem Dr. Toni-Russ-Preis und -Ring ausgezeichnet. VN-Herausgeber Eugen A. Russ und VN-Redakteure sowie bisherige Preisträger hatten sich einstimmig für die Vergabe an Elmar Stüttler ausgesprochen. Zusätzlich durfte er einen Scheck über 5000 Euro für seine Hilfsaktion entgegennehmen. Seit mehr als vier Jahrzehnten zeichnen die Vorarlberger Nachrichten Menschen aus, die sich für das Land und andere einsetzen. “Auf diese Weise ist ein sehr eindrucksvoller Reigen von Persönlichkeiten zusammengekommen”, so VN-Herausgeber Eugen A. Russ in seiner Begrüßungsrede. Und er betonte, dass man als Landeszeitung stolz darauf sei, diese Menschen ein Stück begleiten zu können. “Mit der Auszeichnung von Elmar Stüttler  wollen wir seinem Lebenswerk Respekt zollen”, betonte Russ und verband damit den “Dank für einen engagierten Weg”.

Der Preisträger selbst stand beinahe verloren auf der großen Bühne. Und fast verlegen das Lächeln, als sich die vielen Festgäste erhoben und ihm stehend Applaus zollten. Umso mehr erstaunte die Redseligkeit, die Elmar Stüttler bei seinen Dankesworten an den Tag legte.

Für Aktion und Mitarbeiter

Es falle ihm schwer, die richtigen Worte zu finden, meinte er anfangs, um dann aber doch seine Seele auf der Zunge zu tragen. “Die Verleihung des 42. Toni-Russ-Preises erfüllt mein Herz mit großer Freude”, sagte Elmar Stüttler. Er bezog das jedoch nicht auf sich, sondern auf die Aktion und die 250 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die ihn tagtäglich unterstützen. “So will ich die Auszeichnung verstanden wissen”, bekräftigte er.

Kraft aus der Freude

Viele hätten ihn schon gefragt, warum er das mache, plauderte Elmar Stüttler ein bisschen entspannter weiter. Die einfache Antwort: “Wenn ich nach der Arbeit über meine Begegnungen mit den vielen Menschen nachdenke, kommt mir immer zu Bewusstsein, dass eigentlich auch wir die Beschenkten sind.” Diese Freude sei es, die ihm die Kraft gebe, für andere da zu sein.

Ein anderer Grund, der das Engagement des neuen Russpreisträgers begründet, ist die vorherrschende Unzufriedenheit. “Man kritisiert lieber als  etwas zu ändern”, wurde Stüttler deutlich. Gesellschaftskritik ohne Selbstkritik sei jedoch Heuchelei. Erst, wenn man sich selbst ändere, ließen sich auch Strukturen ändern. Und Stüttler plastisch: “Das geteilte Brot schmeckt doppelt gut.”

Leben heißt, so der Russpreisträger, geben und nehmen. Doch manchmal nehme man zu viel. Warum man immer mehr haben will und mehr braucht? Elmar Stüttler versteht es nicht. Aus seinem Verständnis heraus beginnt die Zufriedenheit an der Arbeit, wenn “man etwas für andere tut”. Der nach wie vor als Diakon tätige Montafoner nahm aber auch Gläubige und Kirche ins Gebet. Die Gläubigen rief er auf, als Christen mehr Mut zu zeigen und öfter von Gott zu sprechen. Der Kirche legte er ans Herz, nicht immer nur zum Dialog, sondern ebenso zum Gebet aufzurufen. Die Macht des Gebetes werde unterschätzt. Für Elmar Stüttler indes sind Gebet und Gottvertrauen die wichtigsten Kraftquellen für seine soziale Tätigkeit. Das Ende der Rede widmete er in berührenden Worten seiner Frau Margit. “Ohne sie wäre das alles unvorstellbar.” Und er bat seinen Schatz noch um  Geduld, “bis ich mehr Zeit für dich habe”. Dass zudem alle sieben Geschwister bei der Preisverleihung anwesend waren, erfüllte Stüttler mit zusätzlich tiefer Dankbarkeit.

Märchen vom “Tischlein deck dich” neu erzählt

Monika Helfer mit einer berührenden Laudatio für Elmar Stüttler: “Ich kenne Hunger und Elend nur aus der Literatur. Und die guten Menschen ebenfalls.” Monika Helfer bekennt sich in der ihr eigenen Offenheit dazu. “Aber manchmal”, sagt sie auch noch, “geniere ich mich für mein eigenes gutes Leben.” Und sie schließt die Laudatio mit einem “danke Elmar Stüttler, dass Sie uns mit Ihrem Leben und Ihrem Tun das Gute erzählt haben.”

Es sind ebenso schöne wie eindringliche Worte, die Monika Helfer für den Preisträger gefunden hat. Die Schriftstellerin erzählt vom ersten Treffen mit Elmar Stüttler und seinem Wunsch, zuerst die vielen anderen zu erwähnen, “ohne die keine Tische gedeckt werden könnten”. Die Bitte entspringt einem guten Herzen und bringt Helfer zu der Frage: Was ist gut? Ihre Erkenntis: “Es lässt sich ebenso wenig definieren wie das Schöne. Man muss es erzählen.”

Und sie erzählt. Von einem Mann, der Elmar Stüttler heißt. Der organisiert, der bei so einer alltäglichen Tätigkeit wie dem Autofahren ans Beten denkt. Der alle, die für und mit ihm arbeiten, ins Gebet einschließt. Sie erzählt von den Bedürftigen, für die es nicht einfach ist, um Nahrung zu bitten, weil sie sich dann lebensuntüchtig fühlen. Sie erzählt von Firmen, die gerne für Elmar Stüttler geben. Aber auch von solchen, die Lebensmittel lieber wegwerfen. Jene, die geben, sind in der Mehrheit. Zum Glück für Menschen, denen man zuweilen sogar zeigen muss, wie man Feuer macht. “So eine Geschichte”, meint Monika Helfer, “muss geschrieben werden. Wenn sie vergessen wird, wird Menschlichkeit vergessen. Dann können wir einpacken.”

“Sympathische und lebendige Seite der Kirche”

Kurz, aber eindrucksvoll fiel die Würdigung des Preisträgers durch Landeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber aus. Er stellte klar, dass man mit staatlichem Handeln allein nur ein Stück weit komme. “Es braucht immer auch das gesellschaftliche Engagement und das hat in Vorarlberg ein hohes Niveau”, so Sausgruber. Über 10.000 Menschen sind allein im sozialen Bereich ehrenamtlich tätig.

Elmar Stüttler bezeichnete er als “Mann der Kirche”. In dieser Funktion zeige er eine lebendige und sympathische Seite dieser Institution. Der Landeshauptmann lobte ihn aber auch als kleinen Unternehmer, der Großes bewege und mit unglaublichem Einsatz Begeisterung auslösen könne. Sausgruber: “Und dafür möchte ich Ihnen als Landeshauptmann persönlich danken.”

Zur Person: Elmar Stüttler

  • Gründer und Leiter der Sozialaktion “Tischlein deck dich“, die heute wöchentlich rund 1000 bedürftige Vorarlberger gratis mit Lebensmitteln versorgt.
  • Geboren: 14. Juni 1952 als erstes von acht Kindern in Schruns
  • Familie: verheiratet, ein Sohn
  • Ausbildung: Tischlerlehre, Gesellenprüfung im Herbst 1970, Staatsmeister beim Lehrlingswettbewerb, Meisterprüfung 1973
  • Laufbahn:
    » Seit 1976 selbständiger Tischler in Tschagguns.
    » Zwischen 1996 und 2000 Ausbildung zum “Ständigen Diakon”. Im Dezember 2000 Weihe durch Bischof Klaus Küng. Von 1998 bis 2000 folgt die Ausbildung zum katholischen Religionslehrer. Zwischen 2000 und 2006 unterrichtet Stüttler neben der Tischlerei 16 Stunden wöchentlich Religion. Während dieser Zeit baut er einen Kinderchor mit bis zu 40 Kindern auf. Bis heute ist Stüttler sonntags als Diakon tätig.
    » Am 4. Oktober 2004 hört Stüttler im Radio von der Münchner Tafel, die Bedürftige mit Lebensmittel versorgt. Eine Woche später schaut er sich die Aktion in München an. Er fasst den Plan, so etwas ähnliches in Vorarlberg aufzubauen.
    » Nach einer Vorbereitungszeit von etwa sechs Monaten sammelt der frisch gegründete Verein “Tischlein deck dich” am 17. April 2005 erstmals in ganz Vorarlberg Lebensmittel ein, um sie am selben Tag von 15 bis 16 Uhr an Bedürftige zu verteilen.
    » Heute arbeiten bei “Tischlein deck dich” mehr als 250 ehrenamtliche Helfer, drei Zivildiener und drei Langzeitarbeitslose. “Wir dürfen wöchentlich etwa 400 Familien mit mehr als zwölf Tonnen Lebensmittel versorgen”, zieht Elmar Stüttler Bilanz. Bei bis zu 70 ehrenamtlichen Wochenstunden bleibt ihm freilich kaum noch Zeit, sich um seinen Betrieb zu kümmern. (VN)

Dr.-Toni-Russ-Preisträger Elmar Stüttler im VOL.at-Interview


Stimmen zum Dr.-Toni-Russ-Preis: Eugen A. Russ


Stimmen zum Dr.-Toni-Russ-Preis: Herbert Sausgruber


Stimmen zum Dr.-Toni-Russ-Preis: Monika Helfer


Monika Helfer: Märchen vom “Tischlein deck dich” neu erzählt


Preisträger Elmar Stüttler am Rednerpult


Eröffnungsrede von Eugen A. Russ


Rede von LH Sausgruber: “Mann der Kirche”

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