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Bregenzer Festspiele: "Turandot" als bildgewaltiges Monumentalgemälde

"Turandot" feierte am Mittwoch Premiere. ©R. Paulitsch
Bregenz. Das berühmte "Nessun dorma" (Keiner schlafe) musste dem Publikum auf der Bregenzer Seebühne bei der "Turandot" niemand sagen: Giacomo Puccinis letztes Werk hat sich als Eröffnungspremiere der Festspiele am Mittwochabend als bildgewaltiges Monumentalwerk präsentiert. Das Publikum goutierte die hohen Schauwerte der Inszenierung von Regisseur Marco Arturo Marelli mit entsprechendem Applaus.
Premiere von "Turandot"
Die Gäste auf dem roten Teppich
Die Gäste auf dem roten Teppich II
Die Gäste auf dem roten Teppich III
BP Heinz Fischer im Interview
Elisabeth Sobotka im Interview

Marelli, wie immer auch in Personalunion als Bühnenbildner tätig, hat 72 Meter Chinesischer Mauer in den See stellen lassen, fährt Feuergaukler, Drachen, Wasserfontänen und eine multifunktionale Drehbühne auf. Die kleinteilige Figurenzeichnung muss hinter diesem großen Spektakel bisweilen etwas zurückstehen, fiel jedoch ebenso wenig ins Gewicht wie kleinere Unebenheiten der Sängerriege. Zum Schlafen war im Publikum schon alleine deshalb niemandem zumute, da das Wetter am Bodensee mit wiederholtem Sprühregen die Premierengäste frisch hielt.Alles in allem präsentierte sich der Abend als gelungener Einstieg für Neo-Intendantin Elisabeth Sobotka in ihre erste Saison. Diesem soll am Donnerstag sogleich der zweite Streich mit Stefan Herheims Interpretation von Jacques Offenbachs “Hoffmanns Erzählungen” im Festspielhaus folgen.

Skistar Benni Raich ist begeistert

Bei den Bregenzer Festspielen! Schöne Aufführung, tolle Musik…danke an unseren Freund und Dirigenten Paolo für den schönen Abend!

Posted by Benni Raich on Donnerstag, 23. Juli 2015

“Turandot” als farbenfrohe Spektakelspiele

“Nessun dorma” (Keiner schlafe) – Regisseur Marco Arturo Marelli dürfte sich den Titel der berühmtesten Arie aus “Turandot” als Motto für seine Inszenierung zum Auftakt der Bregenzer Festspiele zu Herzen genommen haben. Auf der Seebühne präsentierte er Giacomo Puccinis letztes Werk am Mittwochabend als bildgewaltiges Spektakel von hoher Ästhetik. Das Premierenpublikum inklusive Politprominenz von Bundespräsident Heinz Fischer abwärts hielt ungeachtet immer wieder einsetzenden Regens aus und sich im Anschluss beim Applaus nicht zurück. Marelli gibt dem Affen aber auch Zucker, lässt drei Feuerkünstler, Kampftänzer und Wasserfontänen auffahren. Prinzessin Turandot hat ihren ersten Auftritt mit dem Boot, der erfolglose Brautwerber aus Persien vor der Hinrichtung seinen letzten ebenfalls. Bald wird seine kopflose Leiche im Bodensee treiben.

Bühnenkonstruktion als Blickfang

Der Blickfang schlechthin ungeachtet dieses Treibens bleibt aber die eigentliche Bühnenkonstruktion, für die Marelli – wie immer in Personalunion als Bühnenbildner tätig – 72 Meter Chinesischer Mauer in den See stellt. Die berühmte Terracottaarmee rahmt als Sinnbild eines Gewaltregimes das Geschehen und versinkt davor im See. Zugleich dienen die steinernen Krieger der Lichtregie von Davy Cunningham als wabernde Leinwand für suggestive Farbspiele.

Das eigentliche Kernstück ist der Bühnenzylinder in der Mitte der Konstruktion, der nicht nur als ausfahrbare Drehbühne dient, deren Unterteil gleich zwei weitere Spielflächen bereithält, sondern auf der Unterseite des aufklappbaren Bodens auch noch eine Leinwand (sowie einen weiteren Spielort) bietet, auf die Bilder in bestechender Klarheit projiziert werden. Bei all diesem Spektakel gelingen Marelli immer wieder auch Momente von ästhetischer Schlichtheit, in denen die Farbe dominiert.

Calaf als Wiedergänger

Einzig störend beim ansonsten stringenten Regiekonzept ist die Idee, den brautwerbenden Prinz Calaf als Wiedergänger seines Schöpfers Puccini zu stylen, der also als Schnurrbart tragender 20er-Jahre-Dandy durch das zeitlos-chinesische Ambiente der übrigen Figuren wandelt, was wohl auch einem darstellerisch begabteren Sänger als Riccardo Massi zu viel abverlangen dürfte. Hier wird eine weitere Deutungsebene eröffnet, deren Tiefen aber nicht ausgelotet werden, sondern lediglich die Störung des Gesamtkonzepts zur Folge haben.

Guanqun Yu erobert Zuschauerherzen für sich

Aber apropos Sänger: Musik gab es ja auch noch am Abend. Am meisten tat sich Guanqun Yu als sich opfernde Dienerin Liu hervor, die mit schellendem, höhensicherem Sopran ungeachtet eines gewissen Übereinsatzes des Vibratos die Zuschauerherzen und -ohren für sich eroberte. Mlada Khudoley besitzt für die Turandot die nötige Schärfe als männermordende Femme fatale, während Massi als Calaf trotz einer passablen Gesamtleistung in den Höhen teils stark forcieren musste. Der aufstrebende Bariton Andre Schuen überzeugte hingegen als stimmlich kernig-geschmeidiger Ping.

Österreich-Premiere für Schluss

Die Wiener Symphoniker unter Paolo Carignani setzen bei ihrer Interpretation auf Härte. Gleich der erbarmungslosen Turandot führen hier die Blechbläser das Kommando, während die streichelweichen Streicher sich im Hintergrund halten. Den großen Puccini-Schmalzbogen sucht man hier vergebens, wobei es sich als stimmige Entscheidung erwies, den Alfano-Schluss an den See zu bringen. Der 1924 verstorbene Puccini hatte die “Turandot” ja nur bis zum Schlussduett verfasst, weshalb Kollege Franco Alfano das Werk vollendete – ein Schluss der in seiner Gesamtheit erstmals in Österreich zu hören ist.

Mit dem Premierenabend ist nun das wichtige Etappenziel für Neo-Intendantin Elisabeth Sobotka in ihrer ersten Saison in Bregenz erreicht. Diese “Turandot” dürfte das Publikum an den See bringen. Wer hingegen die Gewissheit haben möchte, nicht nass zu werden, der kann am Freitag die Inszenierung live auf 3sat verfolgen, bevor ORF III die Fassung am Sonntag sendet. ORF 2, SWR und SFR zeigen hingegen parallel eine Version unter der Bildregie von Torben Schmidt Jacobsen, die auch Blicke hinter die Kulissen erlaubt. Und wem zwar Marelli, nicht aber die Seebühnen-“Turandot” liegt, der kann ab 28. April 2016 in der Wiener Staatsoper die Premiere einer weiteren “Turandot”-Inszenierung des Schweizers sehen, die seine Interpretation bereits in Stockholm und Graz gezeigt hat.

 

Giacomo Pucinis “Turandot” bei den Bregenzer Festspielen auf der Seebühne

  • Inszenierung/Bühne: Marco Arturo Marelli
  • Mit: Turandot: Katrin Kapplusch/Mlada Khudoley/Erika Sunnegardh, Altoum: Manuel von Senden, Timur: Dimitry Ivashchenko/Michael Ryssov, Der unbekannte Prinz (Calaf): Riccardo Massi/Arnold Rawls/Rafael Rojas, Liu: Yitian Luan/Marjukka Tepponen/Guanqun Yu, Ping: Thomas Oliemans/Andre Schuen, Pang: Peter Marsh/Taylan Reinhard, Pong: Cosmin Ifrim/Kyungho Kim und Mandarin: Yasushi Hirano/Grigory Shkarupa
  • Es spielen die Wiener Symphoniker unter Leitung von Paolo Carignani/Giuseppe Finzi/Lorenzo Coladonato
  • Aufführungen bis 23. August
  • Mehr zum Programm auf der Festspiel-Homepage

 “Turandot” in 12 Sekunden

(APA/Red.)

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