Berlakovich hält trotz Kritik an E10-Plan fest

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Die infolge von weltweiten Missernten und Agrarspekulationen gestiegenen Nahrungsmittelpreise lassen die Kritik am Biosprit wieder neu aufflammen. In Deutschland hat sich am Wochenende sogar Energieminister Niebel für einen sofortigen Verkaufsstopp des umstrittenen E10-Sprits ausgesprochen. In Österreich hält Landwirtschaftsminister Berlakovich am Plan fest, E10 im Herbst einzuführen.

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Ein Sprecher von Berlakovich sagte zur APA, dass "nur ein ganz geringer Anteil an Getreide für die Bioenergieproduktion verwendet" werde. Die Nahrungsmittelproduktion sei "in keinster Weise gefährdet".

Umweltschützer sind der Meinung, Treibstoff aus Getreide, Mais oder Zuckerrüben füge der Umwelt mehr Schaden als Nutzen zu. Die klimaschädlichen Treibhausgase würden lediglich in Richtung Landwirtschaft verlagert - "und wenn die Rohstoffe aus dem Ausland importiert werden, werden sie ins Ausland verlagert", sagte Jurrien Westerhof von Greenpeace im Ö1-"Morgenjournal".

Auch der Autofahrerclub ARBÖ erneuerte seine Kritik. Gerade jetzt, da die Preise von Getreide und Mais in die Höhe schnellten, sei ein denkbar schlechter Zeitpunkt für die Einführung von E10. Generalsekretärin Lydia Ninz sieht eine Teuerungswelle auf Österreichs Autofahrer zurollen.

Massive Bedenken puncto Biosprit äußern auch Entwicklungshilfeorganisationen. "Es gibt eine tödliche Konkurrenz zwischen Teller und Tank, und da sage ich, das Teller muss gewinnen", sagte Caritas-Auslandshilfechef Christoph Schweifer im "Morgenjournal".

Die Arbeiterkammer sieht in den wohl bevorstehenden Teuerungen bei Gebäck und Fleisch die weltweiten Minderernten nur als "vorgeschobenen Grund". "Tatsächlich heizen Börsenspekulanten die Preise weiter an", kritisierte Silvia Angelo, AK-Wien-Leiterin der Wirtschaftspolitik. Die für Herbst vom Landwirtschaftsministerium avisierte Einführung des Biosprits E10 würde laut AK-Berechnungen den Konsumenten unter Strich rund 51 Mio. Euro pro Jahr mehr belasten - an Produktmehrkosten und Steuern.

Als "ethisch unverantwortlich und skandalös" bezeichnete Grünen-Landwirtschaftssprecher Priklhuber die Einführung des E10. Sigrun Zwanzger vom "Welthaus der Diözese Graz-Seckau" kritisierte: "Anders als von Minister Berlakovich behauptet, reichen für die geplante Beimengung von zehn Prozent Agrotreibstoffen die heimischen Anbauflächen bei weitem nicht aus."

Laut dem "Welthaus" hat ein Bündnis von entwicklungs-, verkehrs- und umweltpolitischen Organisationen bereits eine Petition im österreichischen Parlament eingereicht. Diese kann unterunterzeichnet werden. Dem Bündnis gehören unter anderen die Dreikönigsaktion, Naturfreunde, Klimabündnis, Katholische Aktion Wien, Südwind, Welthaus Wien, VCÖ und viele andere Organisationen an.

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