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Zwischen gespieltem Stolz und Unsicherheit - Zschäpe vor Gericht

38-jährige Hauptangeklagte zu Beginn des NSU-Prozesses bleich und müde
38-jährige Hauptangeklagte zu Beginn des NSU-Prozesses bleich und müde ©AP
Um 9.56 Uhr betritt Beate Zschäpe mit schnellen Schritten den Verhandlungssaal A 101 des Strafjustizzentrums in München. Hier wird sie in den kommenden Monaten viel Zeit verbringen.
NSU-Prozess: Störfeuer der Verteidigung

Sie dreht sich kurz, was ein wenig kokett wirkt, dann wendet sie den Fotografen den Rücken zu, lehnt sich an eine Stuhllehne und verschränkt die Arme vor der Brust.Man kann diese Haltung als stolz deuten, als abweisend oder selbstbewusst – oder als Versuch, Unsicherheit zu überspielen. Da das Gericht sich Zeit lässt, steht Zschäpe ziemlich lange so da, in schwarzem Hosenanzug und weißer Bluse, die langen dunklen Haare mit lockerem Stufenschnitt, große silberne Kreolen im Ohr. Zwischendurch stützt sie die Hände in die Hüften oder klammert sich an der Stuhllehne fest.

Zschäpe droht lebenslange Haft

Die meiste Zeit stehen ihre drei Verteidiger um sie herum, schirmen die zierliche Frau ein wenig ab, unterhalten sich ein bisschen mit ihr, während sich die Kameras an ihrem Rücken abarbeiten. Sie ist die Hauptangeklagte in diesem Verfahren, die einzige Überlebende des “Nationalsozialistischen Untergrunds”. Ihr droht lebenslange Haft – die Anklage wirft ihr Mittäterschaft an zehn Morden vor, und noch einiges mehr. Erst als die Fotografen und Fernsehteams den Saal verlassen haben, dreht Zschäpe sich um.

Die 38-Jährige sieht bleich aus und müde. Bis auf Frisur und Outfit sieht sie den bekannten Fahndungsbildern ziemlich ähnlich. Als der Vorsitzende Richter die Liste der Nebenkläger und ihrer Anwälte verliest, schaut sie aufmerksam in den hinteren Bereich des Saals; einmal verzieht sie in schwer zu deutender Weise das Gesicht.

In der Verhandlung scheint sie eher unruhig: Einmal verschränkt sie die Arme, dann stützt sie den Kopf auf, fährt sich mit den Händen über das Gesicht oder streicht die Haare nach hinten. Immer wieder sucht sie das Gespräch mit ihren Verteidigern Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl.

Der Kontrast zu ihren Mitangeklagten ist deutlich: André E., der auch in der ersten Reihe der Angeklagten sitzt, fläzt sich breitbeinig auf seinem Stuhl, die Arme vor dem stattlichen Oberkörper verschränkt – eine Haltung, als könnte ihm das ganze Verfahren nichts anhaben. In der zweiten Reihe sitzt der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, hager, ruhig, beherrscht, kühl.

In der letzten Reihe schließlich die beiden Beschuldigten, die bei der Bundesanwaltschaft ausgesagt haben und auf deren Aussagen sich die Anklage stützt: Carsten S. und Holger G., die sich mit Kapuzenpulli und Aktendeckel vor den Kameras zu schützen versuchen.

Es passiert nicht viel an diesem ersten Prozessvormittag: Der Vorsitzende Richter stellt fest, wer alles erschienen ist, dann verliest Zschäpes Anwalt einen Befangenheitsantrag. Mehr als 40 Minuten dauert das. Zschäpe schaut zwischendurch mit gerunzelter Stirn nach oben zur Empore, wo die Zuschauer und Journalisten sitzen. Es ist nicht klar, ob sie da oben irgendjemanden sucht oder ob sie sich nur fragt, was sie eigentlich in diesem Saal soll. (APA)

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