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Zweiter Geisterfahrer innert weniger Tage

Schon wieder gab es gestern Geisterfahreralarm auf der A 14: Ein 78-jähriger Mann aus Alberschwende ist in Richtung Bregenz unterwegs, als ihm einfällt, dass er eigentlich in die andere Richtung fahren wollte.

“Der Mann hat kurzerhand gewendet und ist als Geisterfahrer Richtung Dornbirn-Nord zurückgefahren”, so Günter Kessler von der Autobahngendarmerie auf “VN”-Anfrage. Erst als ihm mehrere Fahrzeuge entgegenkommen, bemerkt der Mann seinen Fehler: Er wendet erneut und fährt in Lauterach von der Autobahn ab. Ein aufmerksamer Lkw-Lenker notiert sich das Kennzeichen, die Gendarmerie kann den Mann ausfindig machen. Verletzt wurde bei dem waghalsigen Fahrmanöver zum Glück niemand.

Geisterfahrt

Im Gegensatz zum vergangenenen Donnerstag: eine 75-jährige Pensionistin aus Vaduz verursachte als Geisterfahrerin fünf Unfälle auf der Rheintalautobahn – die “VN” berichteten – die alte Dame fuhr trotzdem weiter, sie hatte ihre Geisterfahrt nicht einmal bemerkt. Ausgelöst durch die beiden Vorfälle ist nun die Diskussion um die Fahrsicherheit älterer Menschen neu entbrannt.

Hohes Tötungsrisiko

“Die letzten fünf Geisterfahrer waren alle zwischen 70 und 90 Jahre alt”, so Gendarm Kessler. Auch die Unfallstatistiken bestätigen: von 31 Verkehrstoten des vergangenen Jahres im Ländle waren elf älter als 65 Jahre, 200 Senioren wurden im Straßenverkehr schwer verletzt. Die Anzahl der verletzten Senioren-Lenker ist landesweit seit 1993 fast um die Hälfte angestiegen: Von damals 872 auf 1265 im Vorjahr. Bereits jeder siebte Autofahrer, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ist älter als 65 Jahre. “Die visuelle Auffassung und die Reaktionsgeschwindigkeit nehmen mit dem Alter deutlich ab”, sagt Stefan Bickel vom Kuratorium für Verkehrssicherheit in Bregenz.

Internationale Untersuchungen haben ergeben: Ab 75 Jahren haben Senioren als Autofahrer das gleiche Unfall- und Tötungsrisiko wie die 18-24-Jährigen, die als Hochrisikolenker eingestuft werden. Die durchschnittliche Unfallschwere liegt auch im internationalen Vergleich weit über jener anderer Altersgruppen: wenn es einmal zu einem Unfall kommt, dann oft mit tödlichen Folgen. “Der Trend zu insgesamt weniger Verkehrsunfällen lässt sich leider nicht für die Gruppe der Senioren bestätigen”, so auch Christian Gratzer vom VCÖ.

Als Gegenmaßnahme haben in der EU haben bereits elf Staaten einen befristeten Führerschein eingeführt. Nur in Österreich, Deutschland, Frankreich und Belgien ist die Erneuerung der Lenkerlaubnis nicht vorgeschrieben. Verkehrsexperten empfehlen den älteren Menschen deshalb einen jährlichen Hör- und Sehtest, sowie regelmäßige Gesundheitschecks. Die benachbarte Stadt Konstanz hat seit kurzem zu einer ganz besonderen Maßnahme gegriffen: Senioren, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, bekommen eine Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel – und das kostenlos. Mit dem Programm “Sichere Mobilität 60+” kämpfen ÖAMTC und KfV in Vorarlberg für mehr Senioren-Sicherheit.

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