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100 deutsche Zumtobel-Mitarbeiter demonstierten in Dornbirn

Die Arbeitnehmer aus Usingen wollen den Streik nach Dornbirn tragen.
Die Arbeitnehmer aus Usingen wollen den Streik nach Dornbirn tragen. ©VOL.AT/Hartinger
Dornbirn/Usingen - Rund 100 Mitarbeiter des Zumtobel-Werks in Usingen (Hessen) haben Mittwochmittag vor der Firmenzentrale des börsenotierten Leuchtenkonzerns in Dornbirn demonstriert.
Usingen: Verkauf gescheitert
Lorünser will Usingen-Werk kaufen

Nach den im August geplatzten Verkaufsgesprächen soll die hessische Niederlassung geschlossen werden. Die Gewerkschaft IG Metall fordert gemeinsam mit den 145 Beschäftigten einen fairen Sozialplan.

“Aus der Not heraus fordern wir eine entsprechend hohe Abfertigung für die Mitarbeiter, einen Härtefonds und eine Transfergesellschaft, die helfen soll, die Zumtobel-Beschäftigten ordentlich an andere Unternehmen zu vermitteln”, sagte Michael Erhardt, erster Bevollmächtigter der zuständigen Gewerkschaft IG Metall Frankfurt, bereits im Vorfeld der Demonstration gegenüber der APA. Aus der Not heraus deshalb, weil das größte Interesse noch immer der Erhaltung der Arbeitsplätze gelte.

Scheitern “nicht nachvollziehbar”

Erhardt bezeichnete das Scheitern der Verkaufsverhandlungen mit dem Vorarlberger Unternehmer Thomas Lorünser, der 2013 bereits die Ledon Lamp GmbH von der Zumtobel Gruppe übernommen hat, als “nicht nachvollziehbar”. Schließlich habe man nichts über die genauen Gründe für das Aus erfahren, beide Unternehmen hätten sich auf eine Stillschweigen-Vereinbarung berufen. “Das Fortführungskonzept war an sich sehr schlüssig und wirtschaftlich sinnvoll”, betonte der Gewerkschafter. Zumtobel selbst hatte den Abbruch der Verhandlungen Ende August mit unterschiedlichen Auffassungen über die Umsetzung des vorgelegten Businessplans, einer ungeklärten rechtlichen Frage und dem Ausbleiben wichtiger schriftlicher Garantien argumentiert.

Die Demonstration in Dornbirn fand im Vorfeld des zweiten Sondierungsgesprächs zwischen Unternehmensvertretern, Betriebsrat und der Gewerkschaft statt, das für Freitag in Usingen angesetzt ist. Beim ersten, am 13. September, habe es “keinerlei Annäherung” gegeben, informierte Erhardt. “Dieses Gespräch sei auch nicht angesetzt gewesen, um derartige Dinge zu besprechen”, konterte Zumtobel-Unternehmenssprecher Helmut von Fircks auf APA-Nachfrage. Betriebsrat und Gewerkschaft hätten seit April einen “vernünftigen” Vorschlag für einen Sozialplan auf dem Tisch. Dieser liege über dem, was deutsche Arbeitsgerichte in der Regel aussprechen. “Auf diesen Vorschlag wurde bisher nicht konkret reagiert”, so von Fircks. Stattdessen würden via Medien “utopische Dinge” gefordert.

Keine weiteren Interessenten

Bereits im Juli sei schriftlich vereinbart worden, vor die Einigungsstelle zu gehen, auch der vorsitzende Richter sei bereits fixiert. Der erste Termin werde Mitte Oktober stattfinden, berichtete der Unternehmenssprecher. “Dort macht es dann Sinn über einen Sozialplan zu diskutieren.” Eine Absage erteilte von Fircks einer Fortführung des Werks in Usingen. Man sehe weder weitere Interessenten, die den Standort übernehmen könnten, noch Möglichkeiten, den Betrieb weiterzuführen.

Seit nunmehr bald zwei Wochen wird im Zumtobel-Werk im strukturschwachen Taunus für die Durchsetzung der Forderungen gestreikt, die nun auch in Dornbirn kundgetan wurden. Als Reaktion auf die Arbeitsniederlegung der Mitarbeiter hat die Geschäftsführung der Zumtobel Lighting GmbH Deutschland den gesamten Betrieb für die Dauer der Gewerkschaftsmaßnahmen stillgelegt und die Streikenden aus dem Werk ausgesperrt. Damit verlieren die Beschäftigten während des Streiks den Anspruch auf Entgelt.

“Strafbares Verhalten”

Am Mittwochvormittag blockierten in Usingen Streikende mit Autoreifen und Menschenketten Lkw, die Materialien, fertige Produkte sowie Halbfertigerzeugnisse aus dem Zumtobel-Werk abholen sollten, um sie an Kunden oder andere Standorte auszuliefern. Dabei handle es sich um “strafbares Verhalten”, betonte von Fircks. Es würden weder Fakten geschaffen, wie von der IG Metall behauptet, noch würden Betriebsanlagen abtransportiert. Der Unternehmenssprecher berief sich auf das Recht des Eigentümers, auf seine Produktionsgüter zuzugreifen. “Man wird sich allerdings überlegen müssen, ob man auf Dauer weiter mit Menschen spricht, die sich nicht mehr rechtskonform verhalten”, sagte von Fircks.

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