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Zukunft für Traditionsverein gesichert

Bis zum Herbst 2019 entsteht in Hinterplärsch ein neuer, gut 700 Meter langer Eiskanal. Im Lager des Rodelclubs freut man sich über die Großinvestition, die dem Bludenzer Traditionsverein eine vielversprechende Zukunft bescheren soll.
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Vor wenigen Wochen konnte mit dem Spatenstich der offizielle Baustart für den Bau des neuen Eiskanals in Hinterplärsch gefeiert werden. Dieser stellt einen Meilenstein in der Geschichte des 1958 gegründeten Bludenzer Rodelclubs dar. Dank der 6,6 Millionen Euro teuren Investition ist die Zukunft des Rodelsports in der Alpenstadt gesichert. Langzeit-Obmann Helmut Tagwerker und Aushängeschild Andrea Tagwerker geben Einblick in die faszinierende Geschichte des Rodelvereins.

Wann und wie sind Sie zum Rodelsport gekommen?

Helmut Tagwerker: Ich kann mich noch genau daran erinnern. Mein Vater kam am 23. Dezember 1959 vom Gasthaus Walgau heim und teilte uns mit, dass er als Mitglied des im Jahr zuvor gegründeten Rodelclubs aufgenommen wurde. Als ich ihm sagte, dass ich mir das Rodeln für mich sehr gut vorstellen könnte, überschrieb er die Mitgliedschaft auch mich. Drei Tage darauf wurde ich vom Verein zu einem Rodelrennen nach Dornbirn eingeladen. Die Ausrüstung habe ich gestellt bekommen und bin auf Anhieb siebter von 14 Startern geworden. Sofort haben alle von mir als dem neuen Aushängeschild des Rodelclubs Bludenz gesprochen.

Wie ging es in der Folge weiter?

Helmut Tagwerker: Schon 1992 übernahm ich die Aufgaben des Jugendsportwarts. Im Jahr darauf folgte der wohl bitterste Moment in meinem Rodlerleben. Gemeinsam mit Heinz Grasbon trat ich bei der Olympiaausscheidung in Innsbruck an. Zwei Kurven vor dem Ziel sind wir gestürzt und der große Traum von der Teilnahme bei den Olympischen Spielen war geplatzt. Daran denke ich bis heute mit großer Wehmut zurück. 1965 übernahm ich das Obmannamt von Gerhard Battlogg, das ich bis heute inne habe.

Wie haben die Anfänge des Rodelsports in Bludenz ausgesehen?

Helmut Tagwerker: In den ersten Jahren waren wir nur als Naturrodler unterwegs und veranstalteten Rodelrennen vom Muttersberg herunter oder in Rungelin. Schon früh war aber das Kunstbahnfahren ein großes Ziel von uns, weshalb wir regelmäßig zur Kunstbahn nach Imst fuhren. Nachdem 1962 die Straße nach Laz errichtet worden war, wurde das unsere neue Rodelstrecke. Dort haben wir auch zwei Landesmeisterschaften ausgetragen. Mit der Errichtung der Randsteine wurde das Herunterrodeln aber zu gefährlich. So kam es, dass wir in Hinterplärsch eine Heimat fanden, die schneesicher war.

Wie kam es schließlich zum Bau der Natureisbahn?

Helmut Tagwerker: Während zunächst die ersten Kurven mit Dreck aufgeschüttet wurden, begannen wir ab Mitte der 60er-Jahre Mauern zu errichten. Nach zwei bis drei Jahren war die Bahn fertig und wir konnten im Jahr 1968 schließlich die erste internationale Meisterschaft austragen.

Welche Veranstaltungen wurden in der Folge in Bludenz ausgetragen?

Helmut Tagwerker: Die Austragung der Junioreneuropameisterschaft 1981 war sicher das erste große Highlight. Das Wetter hat sehr gut mitgespielt, sodass knapp 4000 Zuschauer an der Bahn waren. Athleten aus 18 Nationen standen dabei am Start. Drei Jahre später konnten wir die Junioren-WM in Bludenz austragen. Zudem fanden etliche österreichische Staatsmeisterschaften, Firmenrenne und Schulveranstaltungen in Hinterplärsch statt. 1989 fand die letzte internationale Veranstaltung statt.

Wie wurde in Ihnen die Faszination für den Rodelsport entfacht? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Andrea Tagwerker: Wir waren als Kinder immer auf der Rodelbahn, das war ganz normal für uns. Für mich hat das auch immer gepasst. Im Alter von fünf Jahren habe ich das erste Rennen gewonnen.

Was macht für Sie die Faszination Kunsteisrodeln aus?

Andrea Tagwerker: Die hohe Geschwindigkeit ist sicher sehr reizvoll. Es ist in gewisser Weise wie beim Achterbahnfahren immer auch ein Adrenalinkick dabei. Zudem ist man gefordert, schnell Lösungen zu finden, wenn man Probleme hat. Ein entscheidender Punkt ist auch, dass es sich beim Rodeln um eine olympische Sportart handelt, das ist, wovon jeder Sportler träumt. Einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein.

Sie waren über zehn Jahre im Weltcup unterwegs. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Andrea Tagwerker: Das war mein Leben. Ich war in der glücklichen Lage, dass die Unterstützung von zu Hause immer gegeben war. Ich musste während meiner ganzen Karriere auch immer viel investieren. Der Aufwand war enorm groß. Im Sommer habe ich viel gearbeitet und nebenbei trainiert, um für den Winter gerüstet zu sein. Unter dem Strich kann ich sagen, dass ich es sofort wieder machen würde. Ich hatte allerdings auch den Vorteil, dass ich erfolgreich war. Im Laufe der Jahre habe ich viele Leute kennengelernt. Mit einigen von ihnen bin ich bis heute Freundschaftlich verbunden.

Gab es (Weltcup-)Orte, die Ihnen besonders gut gefallen haben?

Andrea Tagwerker: Kanada und Norwegen haben mir am besten gefallen. Das hängt möglicherweise aber auch mit den Erlebnissen zusammen, die ich damit verbinde. In Calgery habe ich meine ersten Olympischen Spiele erlebt. Bei den Spielen in Lillehammer habe ich Bronze gewonnen.

Was bedeutet die neue Bahn für die Zukunft des Rodelsports in Bludenz bzw. Vorarlberg?

Helmut Tagwerker: Ohne den neuen Eiskanal hätte der Verein nicht überlebt. Seit 2009 haben wir keine eigene Sportstätte mehr. Der zeitliche und finanzielle Aufwand für eine vernünftige Nachwuchsarbeit wurde einfach zu groß. Club und möglicherweise auch Verband hätten nicht fortgeführt werden können. Andrea Tagwerker: Hinzu kommt, dass die Innsbrucker Bahn völlig überlastet ist. Es ist kaum möglich Trainingszeiten zu bekommen.

Welche Erwartungen haben Sie persönlich? Welche Möglichkeiten ergeben sich durch die neue Bahn?

Andrea Tagwerker: Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Primär stellt die Bahn für viele Kinder die Möglichkeit dar, vor Ort eine schöne Sportart, die leistbar ist, auszuüben. Zudem ist auch eine touristische Nutzung möglich, was sicherlich auch ganz wichtig ist.

Helmut Tagwerker:

Für den Österreichischen Rodelverband bedeutet die Bahn zudem ein wichtiges zweites Standbein, um Talente zu finden. Aber auch der internationale Verband ist daran interessiert, dass die Bahn genutzt wird. Ich persönlich freue mich, dass in Bludenz endlich auch wieder Veranstaltungen wie Wettkämpfe, Trainingslager, Firmenevents oder Schülerrennen durchgeführt werden können.

Wie kann die Stadt bzw. die Region davon profitieren?

Helmut Tagwerker: Neben der bereits erwähnten Möglichkeit der touristischen Nutzung bringt die Bahn auch zusätzliche Nächtigungen durch Veranstaltungen und Trainingslager. Zudem ist sie auch Werbung für die Stadt. Ich bin überzeugt, dass Bludenz so wieder ins Gedächtnis der Menschen kommt.

Nachdem mit der neuen Bahn nun ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung geht, gibt es noch Wünsche für die Zukunft?

Andrea Tagwerker: Der große Wunsch ist natürlich, dass es funktioniert. Ich würde mir auch wünschen, dass die Bludenzer eine Freude mit dem neuen Eiskanal haben und stolz darauf sind, dass wir so eine Sportstätte haben.

Helmut Tagwerker: Ich würde mir wünschen, dass in der Stadt noch zusätzliche gute Nächtigungsmöglichkeiten entstehen. Diesbezüglich gibt es sicher Aufholbedarf. Auch, dass wir als Verein gute Athleten herausbringen, die Bludenz in der ganzen Welt repräsentieren und unsere Region bekannt machen, wäre ein großer Wunsch von mir.

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