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Zukunft der Pflege und Betreuung

Bregenz - In einer Enquete ging der Landtag der Frage nach bedarfsgerechten Pflege- und Betreuungsangeboten und der Entlastung pflegender Angehöriger nach.

Es gehe darum, angesichts der wachsenden Herausforderungen an die Politik und zur Finanzierung im Bereich der Betreuung und Pflege zusätzliche Impulse zu gewinnen, so Landtagspräsident Gebhard Halder bei der Eröffnung der Veranstaltung.

Aktuelle Studien belegen einen Anstieg allein an demenzkranken Menschen in Vorarlberg von derzeit rd. 3.300 auf voraussichtlich über 5.400 im Jahr 2020. Der ambulanten Pflege und Betreuung älterer Menschen aber auch der Entlastung pflegender Angehöriger kommt daher immer größere Bedeutung zu. Etwa 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden in Vorarlberg zu Hause betreut. “Dem Ausbau von Angeboten zur Unterstützung der Pflegenden Angehörigen wird seitens des Landes hohe Priorität eingeräumt. Neben einer starken Grundversorgung durch die öffentliche Hand kommt auch der privaten Absicherung immer mehr Bedeutung zu. Gerade in der Diskussion um die Pflegeleistungen gilt es, tragfähige Absicherungen zu finden”, so Halder.

Landesrätin Greti Schmid zeigte sich erfreut, dass ihre langjährige Forderung nach einer besseren Pensionsunterstüzung pflegender Angehöriger vom Bundesgesetzgeber nun endlich umgesetzt wurde. “Damit wird es für viele Angehörige möglich, einen günstigen und in den höheren Pflegestufen sogar kostenlosen Pensionsanspruch für die Betreuung ihrer Angehörigen zu erwerben.”

Der Leiter des Arbeitsschwerpunktes Gerontologie und Pflege an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, Thomas Klie, nannte Zahlen aus Deutschland. Dort liegt das durchschnittliche Eintrittsalter in Pflegeheime bei 86,5 Jahren, bis 2050 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen voraussichtlich verdoppeln. Die Herausforderung liege auf neuer Fairness zwischen den Generationen und Geschlechtern, so Klie. Wichtig sei künftig eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbs- und Pflegetätigkeit. Vor dem österreichischen Weg mit der Legalisierung osteuropäischer Pflegehilfe warnte Klie: “Sie steuern damit auf italienische Verhältnisse zu, wo heute bereits 86 Prozent der Hilfeleistungen von Migranten erbracht werden – mit allen Auswirkungen auf den Markt.” Klie sprach sich für eine entsprechende Förderstruktur für bürgerschaftliches Engagement aus und mahnte das Thema Pflege und Betreuung als klare Aufgabe der Familien- und Gesellschaftspolitik ein.

Die Sozial- und Wirtschaftswissenschafterin Erika Geser-Engleitner von der Fachhochschule Vorarlberg informierte anhand der Studie über die Entwicklung der Pflegeressourcen 2003 bis 2020 über die aktuelle Situation. Derzeit leben in Vorarlberg über 11.800 Pflege- und Hilfsbedürftige, davon sind über 9.000 60 Jahre und älter. Nur 25 Prozent leben in Heimen, der überwiegende Teil wird durch informelle Netze, größtenteils die Familie, betreut. Geser-Engleitner sprach sich für Stützung der familiären Pflegenetze durch den Ausbau der ambulanten und teilstationären Dienste (ambulant betreutes Wohnen, Tagesbetreuung) aus.

Vorarlberg profitiere vor allem durch das seit Jahrzehnten gewachsene und zuletzt massiv ausgebaute ambulante Netz, so Albert Lingg vom LKH Rankweil, der zum Thema Demenz informierte. “Ein Match Heim versus Daheim ist sinnlos. Wir müssen Zwischenlösungen wie Tagesbetreuung und –behandlung forcieren, Heime entsprechend planen mit Wohngruppen und Bewegungsfreiräumen auch im Freien und Orientierungshilfen geben.”

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