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Zugunglück durch menschliches Versagen

Doppeltes menschliches Versagen war vermutlich die Ursache des schweren Zugunglücks im Südosten Spaniens, bei dem mindestens 19 Menschen getötet wurden.

Nach ersten Ermittlungen hat zum einen der Stationsvorsteher in Chinchilla ein Signal falsch gestellt. Zum andern soll der Lokführer des Schnellzuges Madrid- Cartagena nach Presseberichten vom Donnerstag ohne Erlaubnis aus dem Bahnhof der Kleinstadt abgefahren sein.

Der mit 87 Reisenden besetzte Schnellzug kollidierte drei Minuten später auf der eingleisigen Strecke mit einem entgegenkommenden Güterzug. Der Unfall am Dienstagabend war das schwerste Bahnunglück seit 30 Jahren in Spanien. Über die Zahl der Toten herrschte auch zwei Tage nach der Tragödie noch immer Unklarheit. Verkehrsminister Francisco Alvarez-Cascos teilte am Donnerstag in einer offiziellen Bilanz mit, dass bei dem Unglück wenigstens 19 Menschen ums Leben gekommen seien.

Zuvor waren die Behörden von 26 Toten ausgegangen. Später war nach dem Abschluss der Bergungsarbeiten von 21 Opfern die Rede. Der Wirrwarr entstand deshalb, weil sich die Opfer in den völlig zerstörten Erste-Klasse-Waggons an der Spitze des Schnellzuges befunden hatten. Diese Wagen brannten bei Temperaturen bis zu 1.800 Grad völlig aus. In dem Flammen-Inferno blieben von den Toten oft nur kleine Überreste zurück.

Die Identifikation der Opfer soll mit Hilfe von DNA-Analysen erfolgen, die mehrere Tage dauern werden. Der zuständige Untersuchungsrichter erklärte die Suche nach den Opfern für beendet und verhängte eine Nachrichtensperre.

Nach Angaben der staatlichen Bahngesellschaft RENFE steht es praktisch fest, dass der Stationsvorsteher in Chinchilla das Signal für den Schnellzug auf „Grün“ gestellt hatte, obwohl ein Güterzug entgegenkam. Der 37-Jährige bemerkte seinen Fehler unmittelbar nach der Abfahrt des Zuges. Er konnte den Schnellzug jedoch nicht mehr stoppen, da ihm nach einem Pressebericht die Handy-Nummer des Lokführers nicht bekannt war.

Der Stationsvorsteher wies nach diesen Informationen jedoch darauf hin, dass er dem Schnellzug nicht die Abfahrtserlaubnis gegeben habe. Ein Zug darf einen Bahnhof nämlich nur dann verlassen, wenn das Signal auf „Grün“ steht und obendrein der Stationsvorsteher mit einer grünen Flagge oder einer Kelle freie Fahrt gibt. Danach hätte der Lokführer gegen diese Regel verstoßen.

Das Unglück löste eine Welle der Kritik an den Sicherheitsstandards der spanischen Bahn aus. Die Zeitung „El Paós“ schrieb, die Anlagen der Unglücksstrecke entsprächen dem Stand des Jahres 1942. Die Gewerkschaften bemängelten, dass die spanische Bahn mit „Zügen des 21. Jahrhunderts auf Gleisanlagen aus dem 19. Jahrhundert“ fahre.

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