Zuerst wurde der Baum gefällt, dann das Urteil

Fliederbaum gefällt: Teilbedingte Geldstrafe von 6.000 Euro.
Fliederbaum gefällt: Teilbedingte Geldstrafe von 6.000 Euro. ©VOL.AT/Paulitsch (Symbolbild)
Feldkirch. Miteigentümer einer Liegenschaft ließ dort einen Fliederbaum fällen: Teilbedingte Geldstrafe von 6.000 Euro wegen Sachbeschädigung.

Der Immobilienunternehmer hat in Feldkirch auf einer privaten Zufahrtsstraße einen Fliederbaum umsägen und so entfernen lassen. Dafür wurde der unbescholtene Angeklagte am Landesgericht Feldkirch als Beitragstäter wegen Sachbeschädigung zu einer teilbedingten Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt – 40 Tagessätze zu je 150 Euro. Davon beträgt der unbedingte Teil 3000 Euro. Das Urteil des Berufungssenats unter dem Vorsitz von Richter Norbert Melter ist rechtskräftig.

In zweiter Instanz wurde damit der Schuldspruch des Bezirksgerichts Feldkirch bestätigt und die Geldstrafe verringert. Bezirksrichter Wolfgang Muther hatte noch eine teilbedingte Geldstrafe von 8000 Euro verhängt – 40 von 360 möglichen Tagessätzen zu je 200 Euro. Der Erstrichter hatte das Nettoeinkommen des 50-jährigen Unternehmers mit monatlich rund 7000 Euro eingeschätzt. “Vollkommen unglaubwürdig” war für das Bezirksgericht die Behauptung des Angeklagten aus dem Bezirk Feldkirch, er entnehme aus seinen beiden Firmen im Monat insgesamt nur 1300 Euro.

Die Liegenschaft, auf der der rund 30 Jahre alte Fliederbaum stand, gehört dem Angeklagten nur zu zwei Zehnteln. Mit drei Zehnteln ist ein Nachbar beteiligt. Hälfteeigentümerin ist eine Frau, die jetzt zivilrechtlich die Wiederherstellung des früheren Zustands mit einem neuen Baum einklagt. Zudem fordert sie zivilrechtlich als Schadenersatz 1192 Euro. Den Betrag hat der Bregenzer Baum-Sachverständige Helmut Freuis ausgerechnet, den die Staatsanwaltschaft zum Gutachter bestellt hatte.

Nach Ansicht des Baumphysiologen war der Fliederbaum in einem relativ guten Zustand und stellte keine Gefahrenquelle dar. Der Angeklagte hatte behauptet, der Baum sei faul und morsch und daher wertlos gewesen. Zudem habe der Baum die Lkw-Zufahrt zu seinem Grundstück behindert, auf dem Wohnungen gebaut werden sollen.

Der Angeklagte erteilte den Auftrag zum Fällen des Baumes, obwohl ihn der Anwalt der damit nicht einverstandenen Hälfteeigentümerin vor einer solchen Selbsthilfe-Maßnahme gewarnt hatte. Der Immobilienunternehmer wollte die Sache mit 100 Euro für die Miteigentümerin bereinigen.

Verteidiger German Bertsch forderte vor den Gerichten vergeblich einen Freispruch für seinen Mandanten. Die Urteile kommentiert der Anwalt so: “Sachbeschädigung hin oder her, Hauptsache, der Baum ist weg.”

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