„Zero Waste braucht keine Perfektion“

Corinna Amann und ihre Familie leben beinahe plastikfrei. Aus ihrem Hobby wurde ihr Beruf.

Alles startete mit einem Selbstversuch. Vor sieben Jahren setzte sich Corinna Amann das Ziel, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Aus ihrem 130-tägigen Versuch wurde ihr Beruf. Heute hält die 38-Jährige Vorträge und gibt Workshops zum Thema „plastikfreier leben“. Außerdem hat sie ihren ­eigenen „Unverpackt Laden“ in Satteins eröffnet.

Wer das Geschäft betritt, sieht Glasbehälter gefüllt mit Trockenlebensmitteln oder Wasch- sowie Putzmittel. Auch Pflegeprodukte wie festes Shampoo oder Zahnputzpulver haben ihren Platz gefunden. „Ich biete bewusst nichts in Einwegverpackungen an, der Umwelt zuliebe“, erklärt die Satteinserin. Dinge, die aus hygienischen Gründen nicht in eigenen Gefäßen abgefüllt werden können – wie beispielsweise Tomatensauce – bietet Corinna Amann in Pfandgläsern an. Diese werden zurück zu ihr ins Geschäft gebracht, von ihr wieder beim Lieferanten zurückgegeben und erneut befüllt. So entsteht kein unnötiger Müll. Für die meisten Produkte bringen die Kunden eigene Gefäße mit und füllen die gewünschte Menge ab. „Das plastikfrei teurer ist, stimmt einfach nicht“, sagt die Ladeninhaberin. Sie untermauert ihre These mit einem Beispiel: „Im Supermarkt werden Gewürze meist nur in 100 Gramm-Säckchen angeboten. Bei mir können die Kunden genau jene Menge an Gewürz kaufen, die sie wirklich benötigen. So zahlt, man nur das, was man wirklich braucht“, sagt sie. Das habe drei Effekte: Der Einkauf sei dadurch günstiger als im „verpackten Lebensmittelladen“, man produziere weniger Müll und verschwende damit weniger Lebensmittel.

Plastikfreier oder gar komplett plastikfrei zu leben, ist für manche schwer vor­stellbar. „Zero Waste braucht keine Perfektion, das wäre utopisch. Wenn jemand auf seine Gummibärchen in Plastikverpackung nicht verzichten möchte, soll man das auch nicht. Dann gibt es bestimmt andere Dinge, auf die man achten kann“, erklärt die 38-jährige Satteinserin.

„Plastikmüll ein Ergebnis von Schnelllebigkeit“

Den eigenen Einkauf genau unter die Lupe nehmen und sich Alternativen überlegen sowie eine Stofftasche zur mehrfachen Verwendung und eine Trickflasche griffbereit in der Handtasche haben, das sind die Einstiegstipps von Corinna. Plastikmüll sei vielfach ein Ergebnis von Schnelllebigkeit. „Man springt schnell in die Tankstelle oder einen Supermarkt, weil man Durst hat. Und schon wieder ist eine PET-Flasche mehr an Müll entstanden.“

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