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Zeichen stehen auf partielle FFP2-Masken-Pflicht

©APA
Gesundheitsminister, Ärztekammer-Präsident und Rot Kreuz-Chef werfen eine Ausweitung der Maskenpflichten in Österreich in den Ring. Auch wegen der Virus-Mutation.
Anschober: Die "schwierigste Phase" der Pandemie

Ab Montag soll im deutschen Bundesland Bayern die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus vermindern.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nannte eine partielle Pflicht zur FFP2-Maske im Kontext mit den Mutationen im ORF-Radio "eine Denkvariante". Die Frage sei, wo die Erweiterung gelten soll und welche Kapazitäten zur Verfügung stünden.

Ärztekammer-Präsident will ebenfalls die FFP2-Masken

Man schließe sich in dieser Frage mit den internationalen Gesundheitsbehörden kurz. Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres sprach sich gegenüber der APA für eine Ausweitung aus, denn "FFP2-Masken schützen einfach besser", ein 100-prozentiger Schutz sei zwar nicht gegeben, aber die Qualität sei einfach besser als etwa bei selbstproduzierten Stoffmasken. Die korrekte Handhabe könne der Bevölkerung beispielsweise per Video näher gebracht werden. Im Gegensatz zum Beginn der Pandemie im Vorjahr sei auch die Versorgung ausreichend, mit der FFP2-Masken von Palmers und Lenzing sogar auch ein Produkt aus heimischer Produktion erhältlich.

Auch Rot Kreuz-Chef für FFP2-Masken - wegen Mutation

Der Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, Gerry Foitik, hat im Gespräch mit der APA die dramatischen Folgen der britischen Corona-Mutation aufgezeigt, falls nicht rasch Gegenmaßnahmen getroffen werden. "Der Babyelefant ist auf zwei Meter gewachsen", meinte er auch im einem Tweet. Foitik plädierte für FFP2-Masken, regelmäßige Gratis-Tests, gezieltes Contact Tracing und Impfung. "Wenn wir nicht jetzt Maßnahmen ergreifen, haben wir im März die Katastrophe", sagte er.

70 Personen stehen in Österreich in Verdacht, sich mit der B.1.1.7.-Mutation angesteckt zu haben. Bei vier Urlaubsrückkehrern ist eine Ansteckung bisher bestätigt. Alle 70 anderen müssen noch auf die Sequenzierung durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) warten. Das kann bis zu einer Woche dauern. "Aus Erfahrungen der Fallzahlen aus Großbritannien und Dänemark weiß man, dass sich diese Zahlen jede Woche verdoppeln. Somit kann man sich vorstellen, was passiert", sagte Foitik zur APA. Nun müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden: "Sonst haben wir atemberaubend hohe Zahlen zu Ostern", sagte er angesichts der hohen Infektiosität.

Ziel sei es nun, die Wocheninzidenz auf unter 25 pro 100.000 Einwohner zu senken, derzeit liege sie bei über 150. "Nur dann können wir den Wettlauf mit B.1.1.7. in den Sommer gewinnen", sagte der Bundesrettungskommandant. Er könne sich dabei auch Zwischenschritte vorstellen, etwa gelockerte Maßnahmen bei Inzidenzen unter 100 bzw. unter 50.

Dazu müsste der Mund-Nasen-Schutz durch wesentlich sichere FFP2-Masken ersetzt werden. Foitik plädierte dafür, Maskenbefreiungsatteste nur noch durch Amtsärzte ausstellen zu lassen. Der Abstand zu anderen Personen sollte zwei Meter groß sein. Weiters sollte regelmäßig gelüftet und die Handhygiene beachtet werden. In Gebieten, wo viele Ansteckungen von B.1.1.7. passieren, sollte die Nachverfolgung der Kontaktpersonen intensiviert werden. Binnen 24 Stunden sollte ein Cluster zugeordnet werden können.

Masken Teil der neuen Teststrategie

FFP2-Masken sind auch in der neuen Teststrategie der Bundesregierung vorgesehen, denn bei den wöchentlichen Tests gewisser Berufsgruppen (u.a. Lehrer und Lagerarbeiter) soll die Auflage für Testverweigerer das Tragen der höherwertigen FFP2-Maske sein. Seit 24. Dezember ist die Maske bereits Pflicht beim Besuch von Skigebieten im Bereich geschlossener Gondeln und den dazugehörigen überdachten Anstehzonen.

Ältere bekommen bereits die Masken

Die Versorgung der älteren Bevölkerung mit diesen Masken ist zumindest bereits im Gange: Schon im Vorjahr wurde von der Bundesregierung beschlossen, diese Masken an Personen über 65 Jahren zu verschicken und ab Dezember auch schrittweise umgesetzt - bis zur dritten Jännerwoche sollten je zehn derartige Masken an alle der insgesamt 1,7 Millionen Personen über 65 Jahren per österreichischer Post verschickt worden sein. Im Unterschied zu Stoffmasken sind die FFP2 nur einmal verwendbar, das Waschen würde den erhöhten Schutz minimieren. Nach vier Stunden oder bei Durchfeuchtung gilt es die Maske zu wechseln.

Was heißt eigentlich FFP?

Die Bezeichnung FFP stammt aus dem Englischen (Filtering Face Piece). Diese Masken werden in drei Kategorien eingeteilt - 1 bis 3. Ursprünglich sind sie insbesondere aus dem Handwerk bekannt. Die Arbeiter schützen sich damit dagegen, Staub oder andere giftige Stoffe einzuatmen. Die unterschiedliche Bezeichnung geht darauf zurück, wie viele Aerosole die Masken filtern können. FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent und FFP3-Masken mindestens 99 Prozent der Testaerosole filtern.

Auch Gegenstimmen

Nach der beschlossenen FFP2-Pflicht in Bayern gab es in Deutschland neben viel Zustimmung jedenfalls auch skeptischere Stimmen. "Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht", sagte Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Es bedürfe bei einer FFP2-Maske großer Expertise, sie komme aus dem Arbeitsschutz und sei nicht für Laien gedacht. Unklar sei vielen Menschen auch, dass sich Bartträger eine FFP2-Maske nicht dicht aufsetzen können, erklärte der Experte. "Sie ist bei Männern nur mit glattrasierter Haut zu tragen." Und der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, warnte vor falschen Vorstellungen bezüglich der Sicherheit von FFP2-Masken. Diese böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden

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(APA)

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