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Zahl der Toten nach Erdbeben in China auf 10.000 gestiegen

Einen Tag nach dem schlimmsten Erdbeben in China seit mehr als drei Jahrzehnten werden immer mehr Leichen geborgen. Bis Dienstag früh wurden rund 10.000 Tote gezählt.
Zahlreiche weitere Erdbebenopfer in China befürchtet 

In den Trümmern lagen jedoch noch immer Tausende Menschen verschüttet – allein in der Stadt Mianzhu seien es mindestens 10.000, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Zehntausende in der schwer betroffenen Provinz Sichuan verbrachten die Nacht auf Dienstag im Freien. Die Verletzten und Obdachlosen benötigten dringend Trinkwasser, Medizin, Verbandsmaterial, Zelte und Nahrungsmittel. Die Volksbefreiungsarmee entsandte mehrere zehntausend Soldaten ins Katastrophengebiet.

Xinhua zufolge wurden allein im Umkreis von Wenchuan bis zu 5.000 Menschen getötet und 10.000 verletzt. Etwa 80 Prozent aller Gebäude wurden zerstört. In dieser Gegend nordwestlich von Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, lag das Zentrum des Bebens. Zahlreiche Kleinstädte in der Region wurden dem Erdboden gleich gemacht.

Es waren die folgenschwersten Erdstöße seit dem schweren Beben 1976 in der nordostchinesischen Stadt Tangshan, wo nach offiziellen Angaben 242.000 Menschen ums Leben gekommen waren. Die US-Erdbebenwarte stufte die Stärke des Bebens vom Montag mittlerweile von 7,8 auf 7,9 hinauf. Das Beben war in 16 chinesischen Provinzen und Metropolen zu spüren. Erdstöße wurden selbst im 1.800 Kilometer entfernten Bangkok und in der Hauptstadt Peking oder in Taiwan wahrgenommen. Bis Dienstag folgten 1.180 Nachbeben bis zu einer Stärke von 6,0, wie die Erdbebenwarte in Sichuan laut Xinhua berichtete.

Das Schicksal von einigen Hundertausend Menschen war ungeklärt, da mehrere Regionen von der Außenwelt abgeschnitten waren. In der Stadt Shifang kamen 600 Menschen ums Leben, 2.300 Opfer galten als verschüttet. Unter den Vermissten waren 920 Schüler, wie die Staatsagentur Xinhua berichtete. Im Landkreis Anxian nahe der Stadt Mianyang kamen 500 Menschen ums Leben. 85 Prozent der Häuser waren eingestürzt.

“Eine große Zahl der Häuser entlang der Hauptstraße sind dem Erdboden gleich gemacht”, sagte ein Bewohner von Hanwang, das zur Stadt Mianzhu gehört. Rund 200 Schüler und Lehrer wurden in den Trümmern einer Mittelschule begraben, die zu einer Turbinenfabrik gehört. Nur ein überlebender Schüler und drei tote Kinder konnten bisher geborgen werden, weil Bergungsgerät fehlte. Im Erdbebengebiet stürzten mehrere Schulen ein und begruben Hunderte von Schülern. Im Landkreis Beichuan wurden bis zu 5.000 Tote befürchtet.

Der Vizeparteichef von Mianzhu, Zheng Zemin, sagte laut Xinhua, die Stadt brauche dringend Trinkwasser, Nahrungsmittel, Medizin, Zelte und professionelle Helfer und Ausrüstung zur Bergung der Opfer. “Wir leiden unter einem ernsthaften Mangel an Trinkwasser und Nahrung”, sagte Zheng. “Die Wasserversorgung der Stadt ist fast ganz unterbrochen.” Mehr als 10.000 Obdachlose hätten die Nacht im Freien verbracht. “Die Krankenhäuser sind voll, und Zelte werden benötigt, um die Verletzten zu versorgen”, sagte der Parteichef.

In der Zehn-Millionen-Stadt Chengdu wurden Strom- und Fernmeldemasten zerstört, so dass weite Gebiete im Dunkeln lagen. Wegen Erdrutschen waren viele Straßen unpassierbar, und die Rettungskräfte gelangten nur sehr schwer ins Katastrophengebiet. Hinzu kamen anhaltende heftige Regenfälle, die die Aufräumarbeiten erschwerten.

Ministerpräsident Wen Jiabao sagte bei einem Besuch, die Lage sei noch viel schlimmer, als die Behörden zunächst vermutet hätten. Die Bevölkerung solle jedoch die Hoffnung nicht aufgeben, da schon bald Helfer bei ihnen eintreffen würden. In der Stadt Dujiangyan, wo rund 900 Kinder und Jugendliche unter einer eingestürzten Schule begraben wurden, rief Wen zu äußersten Anstrengungen bei den Rettungsarbeiten auf. Keine Minute dürfe verschwendet werden. “Selbst wenn es bedeutet, zu Fuß dorthin zu gehen, müssen wir so schnell wie möglich in die am schwersten betroffenen Gebiete gelangen”, sagte Wen laut Xinhua.

Unter den Opfern des Bebens vom Montag sind auch Touristen. Ein Erdrutsch begrub einen Reisebus in Maoxian und tötete 37 Insassen. Mehr als 2.000 Touristen steckten in der Präfektur Aba fest. Wie viele Ausländer betroffen waren, ist unklar. Eine britische Touristengruppe galt im Landkreis Wenchuan, wo das Epizentrum lag, als vermisst. Die rund 15 Briten dürften das berühmte Panda-Reservat Woolong besucht haben, sagte ein Behördensprecher laut Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Erdbeben hat nach Angaben der Olympia-Organisatoren keine Auswirkungen auf die Sommerspiele in Peking, wo die Erde am Vortag auch spürbar gezittert hatte. Die Wettkampfstätten seien erdbebensicher gebaut worden, versicherte ein Sprecher.

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