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Zahl der drogensüchtigen Gastarbeiter nimmt zu

In Vorarlberg hat die Zahl der drogensüchtigen Gastarbeiter der zweiten und dritten Generation sowie der suchtgiftabhängigen Migranten in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Bei den Patienten der Therapiestationen stammten bereits 25 Prozent aus dem Gastarbeiterfamilien, berichteten am Dienstag Gesundheits-Landesrat Hans-Peter Bischof (V) und der Drogenbeauftragte des Landes, Primar Reinhard Haller. Dieser Umstand stelle die Suchtprävention vor ganz neue Aufgaben, betonte Haller.

Das Anwachsen der Gruppe drogensüchtiger Gastarbeiter und Migranten zeigt unter anderem die Zahl der verurteilten Drogenkonsumenten. „Lag deren Anteil im Jahr 2000 noch unter zehn Prozent, so waren es im ersten Quartal 2005 40 Prozent“, sagte Haller. Bei den Verurteilten handle es sich ausschließlich um türkischstämmige Männer. 87 Prozent von ihnen seien arbeitslos. Türkische Gastarbeiter seien bereits in früheren Jahren schon aus Gründen der geographischen Nähe zu den Heroin-Produktionsländern in Drogenhandelsstrukturen involviert gewesen, so Haller. „Neu ist aber, dass sich Türken an unser Drogenverhalten angleichen“, sagte der Vorarlberger Drogenbeauftragte.

Als Ursachen für die immer stärkere Verbreitung von Drogen bei den türkischen Mitbürgern nannte Haller vor allem schwere Konflikte mit der Elterngeneration. Diese lebe nach tradierten Normen und stehe der kulturfremden Entwicklung ihrer Kinder oft hilflos gegenüber. Als weitere Gründe führte Haller Adaptionsprobleme an die hiesige Gesellschaft, das Hin- und Hergerissensein zwischen Herkunftsland und der westlichen Kultur sowie soziale Benachteilungen und oft unklare Zukunftsperspektiven an.

Um dem Problem der zunehmenden Suchtgiftabhängigkeit von Gastarbeitern und Migranten Rechnung zu tragen, werden seitens des Landes nun Anstrengungen unternommen, das Angebot der Vorarlberger Drogenhilfe auch ausländischen Betroffenen näher zu bringen. Bereits im vergangenen Jahr wurden laut Bischof muttersprachliche Beratungen, etwa in Moscheen, durchgeführt.

Für das kommende Jahr seien Maßnahmen der Vorarlberger Drogenhilfe in Zusammenarbeit mit Gastarbeiterorganisationen geplant. Unter anderem sollen adäquate Betreuungsangebote mit kultur- und sprachvertraute Beratern eingerichtet werden. Ebenfalls vorgesehen ist die Herausgabe spezieller Informationsschriften.„Die verbesserte Integration von ausländischen Patienten ist ein zentrales Bemühen der Drogenhilfe-Einrichtungen“, unterstrich Bischof. Dabei solle den kulturellen, familiären und auch religiösen Bedürfnissen so weit wie möglich Rechnung getragen werden.

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