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„Wörterkrieg“ am Spielboden

Alle Teilnehmer mit den Veranstaltern Steffen Brinkmann und Hans Metzler.
Alle Teilnehmer mit den Veranstaltern Steffen Brinkmann und Hans Metzler. ©Emir T. Uysal
„Jam on Poetry“ lud zum Poetry Slam nach Dornbirn.
Jam on Poetry am Spielboden

 Dornbirn. (etu) Hier wird die Marmelade zur Poesie serviert – naja, zumindest sinnbildlich. Denn „Jam on Poetry“ (Steffen Brinkmann und Hans Metzler) sorgt in den letzten Jahren immer wieder für Leckerbissen in Sachen Poetry Slam in der Ländle-Szene. „Wir haben uns wieder einmal entschlossen, die Kantine des Spielbodens verbal dem Siedepunkt nahe zu bringen“, meint Metzler zur Eröffnung. Zum „Word War“, wie er liebevoll von Birkmann bezeichnet wird, wurden sechs Jurymitglieder willkürlich aus dem Publikum gewählt; wer mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, durfte dem jeweiligen Poeten noch einen „Extrapunkt“ zurufen, der ebenso in die Wertung aufgenommen wurde.

 
Acht Künstler am Spielboden
Den Auftakt machte Gerlinde File als „Opferlamm“. Sie versuchte mit Wortspielen aus der Religion das Publikum zu überzeugen. Dabei zersetzte sie die Worte á la Ulrich Gabriel. Acht weitere Künstler folgten: Aaron Hiebeler unterhielt dichterisch. Er erzählte aus seiner Schulzeit im Internat und über seine „Brieffreundschaft“ mit der katholischen Kirche bezüglich des Kirchenbeitrags, die er „gekonnt, wie ein richtiger Vorarlberger, ignorierte“. Als nächstes trumpfte Johannes Hafner auf und philosophierte über stille Beobachtungen und die Vergänglichkeit des Lebens. Seine zentrale Figur (Sally) staunte über die Welt und ihre unscheinbaren Kleinigkeiten. Überraschend Sean Krogh, der seinen – an „The Doors“ angelehnten – Text komplett in Englisch vorlas. Und obwohl nicht jeder alles verstanden hatte, transportierte der Sprachklang den Sinn. Auf eine tierische Reise begleitete Herbert Hopp das Publikum. Seine Expedition „Ich alleinsame“ erzählte vom Tierreich und ihren Klischees.

Sara Bonetti betrat barfuß die Bühne. Eine echte Powerfrau von der ersten Minute an: „Irgendwann werde ich Projektmanager bei Tchibo, dann stelle ich unsinnige Geräte her (wie das Avocado-Lagergerät), die dann alle kaufen!“ Kassian Wohlgenannts Text handelte von der Flüchtlingskrise – reimend wurde er allmählich härter, stieß teilweise auf Empörung und entpuppte sich am Ende als Parodie des FPÖ-Parteiprogramms. J-Man ist in der Poetry-Slam-Szene Vorarlbergs schon fast nicht mehr wegzudenken. Erstmals versuchte er sich an einem „ernsteren“ Text. „Dann schließe ich die Augen“ machte zunächst den Anschein, als würde es um Zivilcourage gehen, und endete in einem Krankenhaus. Edi Ilic gab den Gästen Einblick in seine Tagträume, mit schrillen Bildern und kinotauglichen Soundtracks. Obwohl viele noch sehr unerfahrene „Slammer“ sind, war es ein überraschend gutes Line-up. Ins Finale schafften es Krogh, Bonetti und Wohlgenannt. Letzterer überzeugte mit einer Geschichte über den Neuzeit-Jesus, der sich als Student in der Humanmedizin versucht.


Texte mit dem Publikum teilen

Wer selbst einmal auf der Bühne stehen will, kann sich bei jamonpoetry@gmail.com anmelden. „Wen der Schuh drückt, der greife zum Stift und schmettere es uns entgegen. Wer verliebt ist, der kann in einem Text seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Wer schon lange Texte in der Schublade liegen hat, mag diese entstauben und mitbringen“, so Brinkmann abschließend.

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