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"Wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen"

Auf der Alpe hat der Hirte mit dem Fernglas seine Tiere im Blickfeld.
Auf der Alpe hat der Hirte mit dem Fernglas seine Tiere im Blickfeld. ©edithhaemmerle
Alpsommer auf der Oberen Mörzel

Menschen aus der Heimat
Benjamin Kutzer verbrachte bereits den vierten Sommer als Alphirte auf der Oberen Mörzel.
Dornbirn. Am 17. September zogen festlich geschmückte Tiere mit lautem Gebimmel von den Alpen ins Tal. Darunter waren auch 180 Jungrinder, drei Kühe, 22 Ziegen, ein Ross und ein Esel, die von der Oberen Mörzel über Gunzmoos, unter der Obhut von Alphirt Benjamin Kutzer, herunterkamen. Es war bereits der vierte Sommer, den er als Jungrinderhirte auf der Oberen Mörzel, die Alpe liegt auf 1664 Meter, verbrachte. Eine Zufahrt zur Alpe gibt es nur über Mellau. Der letzte Kilometer ist ein reiner Naturweg, der nur bei trockenem Wetter und dann auch nur mit einem Jeep oder Traktor befahrbar ist. Von der Alpe Gunzmoos, dort werden die letzten zwei Wochen verbracht, sind es noch zwei Stunden Fußweg mit den Tieren bis ins Tal.

Vier Sommer auf Obermörzel
Die ersten zwei Alpsommer machte Kutzer die Arbeit in einer Welt, abseits der Zivilisation, mit nur zwei jungen Gehilfen. In diesem Sommer waren sie natürlich wieder dabei, der inzwischen 13-jährige Mark und der elfjährige Florian, um den Alphirten bei der harten Arbeit zu unterstützen. Heuer hat das Älplertrio Zuwachs bekommen. Benjamins Freundin Sandra und sein sieben Monate altes Töchterchen waren den ganzen Sommer mit auf der Oberen Mörzel. “Wenn eine Frau auf der Alpe ist, geht alles wesentlich einfacher”, bemerkt Benjamin und meint damit, dass man sich ums Kochen und Wäsche Waschen nicht auch noch kümmern muss. Jetzt gibt es zum Glück Handys zum Telefonieren”, erinnert sich der heute 24-jährige Alphirte an die Zeit zurück, als er als kleiner Bub auf der Alpe mitgeholfen hatte, “damals waren wir völlig von der Umwelt abgeschnitten.”

Kein Strom
“Auf der Alpe gibt es zwar fließendes Wasser, aber keinen Strom. So weiß man wenigsten, wie die Wäsche zu Urgroßmutters Zeiten gewaschen wurde – von Hand – in einem großen Waschtrog,” kennt sich Sandra nun bestens aus. Sie macht diese Arbeit bereits den zweiten Sommer auf der Alpe und es macht ihr auch Freude. Nicht nur ihr, auch Töchterchen Johanna fühlte sich den ganzen Sommer in der Bergwelt wohl. Während Benjamin die Arbeit draußen auf der Alpe verrichtete, schaute Sandra in der Hütte zum Rechten. Und wenn die kleine Johanna das Mittagsschläfchen hielt, war Sandra damit beschäftigt, Butter und Frischkäsle zu machen, die sie dann zu Pellkartoffeln nach einem langen Arbeitstag servierte.

Ohne Zwischenfälle
“Heuer verlief der Alpsommer ohne unangenehme Zwischenfälle”, erzählt Benjamin. “Lediglich das Wetter war anfangs zu trocken, deshalb war der Graswuchs eher spärlich. Mitte Sommer war es dann verhältnismäßig kalt und nass, mit Morgentemperaturen von nur 3 bis 5 Grad. Das war für die Tiere wiederum gut, da es dadurch weniger Ungeziefer gab als andere Jahre. Der Spätsommer hat uns dann mit idealem Wetter entschädigt”, blickt der Hirte auf die schönen Sommerabende auf der Alpe zurück. Obwohl die Abende eher kurz seien, meint er lächelnd, “denn manchmal kehrt man erst gegen 21 Uhr von der Arbeit in die Hütte zurück. Morgens geht es dann wieder früh raus. Trotzdem macht die Arbeit Freude, man lernt, mit der Natur zu leben.”

Tiere durch Blitzschlag getötet
Nicht immer verlaufen die Alpsommer reibungslos. Dabei denkt Benjamin an jenen Sommer vor drei Jahren, an dem drei Kühe durch einen Blitzschlag getötet wurden. “Wenn so etwas passiert, kommen die Tiere ungeschmückt ins Tal. Nur wenn die Anzahl der Tiere, die hinaufgetrieben wurde, auch wieder herunterkommt, wird bekränzt. Das war heuer zum Glück der Fall und es gab auch keine Krankheiten unter den Tieren”, war Benjamin zufrieden, dass er die mitgenommenen Salben und Arzneien nicht einmal herausholen musste.
“Die fünf schönsten Rinder bekamen ein Krönele”, berichtet er nicht ohne Stolz. Ein bis zwei Wochen vor Alpabtrieb werden die Kränze und Halftern für das Vieh vorbereitet – da helfen alle mit. Und wenn sie nach einem langen Fußmarsch im Tal ankommen, kann ein glücklicher Alphirte das Vieh nach harter Arbeit an die schon wartenden Bauern vollzählig übergeben.

Zur Person:
Benjamin Kutzer
Geb. 1987
Wohnort: Dornbirn
Beruf: Lkw-Fahrer für landwirtsch. Produkte, im Sommer Alphirte
Hobbys: Eishockey, Sommer auf der Alpe
Lebensmotto: Lernen, im Einklang mit der Natur zu leben

Alpe Obere Mörzel,Dornbirn, Austria

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