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"Wo Religion ihren Nutzen hat"

Dornbirn - Vor dem Montagsforum sprach der Religionswissenschaftler Michael von Brück über "Religion in einer Welt ohne Maß".

Er ist in der Lutherbibel so zuhause wie in der indischen Philosophie. Seit vielen Jahren unterhält der Theologe und Religionswissenschaftler Michael von Brück Kontakte zum Dalai Lama. So trägt er das Dilemma des modernen Menschen im Montagsforum klar, aber unaufgeregt vor.

Herausforderungen

„Zwei dramatische Entwicklungen“ sieht er, die sich nicht rückgängig machen lassen, und die der Mensch von heute bewältigen muss:

– Die Globalisierung. „Die Welt wächst unter enormen Verwerfungen zusammen.“

– Die Verknappung der Ressourcen: 6,8 Milliarden Menschen teilen sich schwindende Energievorräte.

Damit muss der Mensch zurandekommen. Religion und das Bewusstsein seiner Identität können ihm dabei helfen. Religion, meint Michael von Brück, aber nur dann, wenn sie recht verstanden wird.

Ob die „Wiederkehr der Götter“ den Menschen zum Segen oder Fluch gereiche, wagt er nicht zu sagen. Religionen können Hoffnung schenken. Aber sie können auch töten.

Der Mensch sucht aus zwei Gründen bei der Religion Zuflucht: „Weil er mit den Zufälligkeiten des Lebens wie Tod und Krankheit nicht zurecht kommt.“ Dann hilft ihm Religion, „Kosmos (Ordnung) im Chaos zu erkennen“.

Erfahrung der Ekstase

Zum zweiten bietet Religion dem Menschen die Erfahrung der Ekstase. „Sie hebt ihn heraus aus dem Alltäglichen.“ So, wie es auch die Kunst vermag und die Erotik. „Religion zeigt dem Menschen, dass er mehr ist als er zu sein scheint.“ Brück ruft gerade angesichts einer weitgehend säkularisierten Nachfolge-Generation dazu auf, „diese Qualitäten neu zu entdecken“. „Dazu braucht es Mut und die eigene Identität.“

Eine Identität braucht der Mensch so nötig wie Nahrung. „Identität ist Beheimatung.“ Der Mensch prägt sie in der Sprache und in den Bildern seiner ersten Umgebung aus. Aber er irrt, wenn er glaubt, seine Identität bliebe fortan unveränderlich wie ein Marmorblock. „Identität ist ein Prozess.“ Sie „unterliegt unserer Gestaltungskraft“ und ändert sich je nach Bezugsrahmen. Im afrikanischen Busch wird der eingefleischte Lustenauer primär zum Europäer.  Hat der Mensch gelernt, seine verschiedenen Identitäten wie selbstverständlich zu leben, wird die Frage, welche Religion nun am Ende Recht behält, ganz unnütz. Dann erkennt der Mensch statt dessen, wie lohnend es sein kann, die Erfahrungen anderer zu teilen. Denn „eine Einheitsreligion kann es nicht geben“. So wenig wie die Einheitsidentität.

Michael von Brück findet das Geheimnis eines geglückten Lebens nicht in der Quantität gleichförmig verbrachter Jahre, sondern in der Fähigkeit zur Qualität. Er nippt am Glas Wasser und erinnert daran, wie kostbar dieses Wasser für jeden ist, der dürstet. Den Dingen ihre Kostbarkeit zurückzugeben, ist von Brück zufolge auch ein Geschenk der Religionen: Er nennt es Spiritualität. 

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