Wo ist Putin? Kreml dementiert Gerüchte

Wirbel um Putin - Russen sorgen sich in Krisenzeiten um den Kremlchef
Wirbel um Putin - Russen sorgen sich in Krisenzeiten um den Kremlchef ©EPA
Seit einer Woche wurde der russische Staatschef Wladimir Putin nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen - ein Anlass für viele Spekulationen. Sein Sprecher sah sich am Donnerstag gezwungen, Gerüchte über den Gesundheitszustand des Präsidenten zu dementieren.
Wie Putin den Westen hinters Licht führte
Einkreisungsängste, Expansionsstreben

Putin im Gespräch mit Ministern, Putin auf Reisen, Putin als Garant für Stabilität – Auftritte des Kremlchefs gehören eigentlich zum Tagesgeschäft für das russische Staatsfernsehen. Doch der 62 Jahre alte Präsident macht sich rar. Seit einer Woche wurde er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Ausgerechnet in der schwersten Krise des Landes seit Wladimir Putins Machtübernahme vor 15 Jahren häufen sich Fragen nach dem Verbleib des Kremlchefs. Erst lässt er eine Reise nach Kasachstan absagen. Nun machen – wie immer in solchen Fällen – Gerüchte um Putins Gesundheit die Runde.

Kreml dementiert Gerüchte um Erkrankung

“Der Präsident fühlt sich gut”, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag zu Gerüchten um die Gesundheit des Kremlchefs. Putin sei “absolut” gesund, es gebe “keinen Grund zur Sorge”. Dass Putin seit Tagen nicht zu sehen ist, erklärte Peskow mit einem “sehr angespannten Tagespensum”.

Internationaler Druck zu viel?

Nicht zum ersten Mal muss Kremlsprecher Dmitri Peskow Fragen besorgter Medien zum Befinden des mächtigsten Mannes in Russland beantworten. Aber selten muss Peskow das so oft tun wie diesmal. Ist Putin womöglich der internationale Druck auf Russland im Ukraine-Konflikt zu viel?

Mit Wirtschaftskrise beschäftigt

Entlocken lässt sich Peskow nur, dass die Lage wegen der Krise in Russland tatsächlich gespannt, Putins Kalender randvoll sei. Andauernd habe der Präsident Gespräche und Treffen mit Regierungsmitgliedern, Bossen von Staatskonzernen und Banken.

Putin “bricht dir die Hand”

Auf die Frage, ob Putin denn noch einen festen Händedruck habe, sagte Peskow lachend: “Er bricht dir die Hand.” Der markige Spruch soll vor allem bei jenen sitzen, die Putin zuletzt eine kaum noch überschaubare Zahl schwerer oder sogar tödlicher Krankheiten andichteten.

Putin, der gerne sein Image als starker Mann pflegt, war zuletzt am Donnerstag vergangener Woche bei einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi in der Öffentlichkeit gesehen worden. Einen Besuch in Kasachstan in dieser Woche sagte er ab. Offiziell gaben weder der Kreml noch Astana Erklärungen für die Absage. Auch ein Treffen mit Vertretern der abtrünnigen georgischen Provinz Südossetien zur Unterzeichnung eines Abkommens wurde verschoben, an einem Treffen des Inlandsgeheimdienstes FSB nahm Putin ebenfalls nicht teil.

Daraufhin machten in Russland Gerüchte die Runde, dass Putin krank sein könnte. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, veröffentlichte der Kreml ein Video von einem Treffen Putins mit russischen Müttern, deren Kinder große Erfolge in Wirtschaft, Kunst und Sport geleistet haben. Die russische Zeitung “RBK” berichtete jedoch laut internationalen Medien unter Berufung auf einen Teilnehmer das Video sei bereits am 5. März – dem Tag seines letzten öffentlichen Auftritts – aufgezeichnet worden. Putin habe dabei müde ausgesehen, hieß es außerdem.

Politisches Ende? “Warten Sie erst gar nicht darauf”

Auf Fragen nach seinem möglichen politischen Ende antwortet der begeisterte Sportler Putin fast schon traditionell: “Warten Sie erst gar nicht darauf!”

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Spekulationen ins Kraut schießen, sobald Putin mal nicht in den täglichen Abendnachrichten im Fernsehen zu sehen ist. 2012 gab es wochenlang Gerüchte um ein Rückenleiden des begeisterten Judoka mit dem Schwarzen Gürtel. Im Oktober 2014 die nächsten Spekulationen. Die Gerüchte um eine Krebserkrankung des Kremlchefs mehrten sich. Er habe sich bereits in Behandlung gegeben, hieß es damals.

Zweifel an offiziellen Worten des Kremls sitzen tief

Allerdings sitzen Zweifel an den offiziellen Worten des Kreml traditionell tief. Groß ist das Misstrauen aus Sowjetzeiten, als das Politbüro etwa den Zustand von Kremlchef Leonid Breschnew wie ein Staatsgeheimnis hütete. Daran hat sich auch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nichts geändert.

Die oft ungelenken Auftritte von Putins Amtsvorgänger Boris Jelzin in den 1990ern wurden lange der Wirkung von Medikamenten und nicht dem Alkoholrausch zugeschrieben. Die Frage nach der Gesundheit des Präsidenten ist stets eine von nationalem Interesse – besonders in Russland, wo alle wichtigen Entscheidungen von einem Mann getroffen würden, wie Politologen betonen. Eine Krankheit des Präsidenten träfe die Gesellschaft bis ins Mark.

Von Schönheitskuren…

Doch außerhalb des politischen Betriebs hielten sich die Sorgen um Putin bei den Russen in Grenzen. Wer dennoch die Gerüchteküche um ein paar Zutaten bereichern wollte, meinte etwa, dass sich der oft für seine ungewöhnlich glatte Gesichtshaut bewunderte Präsident vielleicht nur einer neuen Schönheitskur unterziehe.

…und einer neuen Liebe

Zudem hatte der geschiedene Präsident unlängst eingeräumt, es gebe eine neue Liebe in seinem Leben. Die auffällige Abwesenheit Putins fiel auch mit den freien Tagen um den Internationalen Frauentag am 8. März zusammen. Es ist die Zeit, in der Russinnen von ihren Männern ein außergewöhnliches Verwöhnprogramm erwarten.

Allerdings betont Kremlsprecher Peskow auch, dass Putin hart arbeite in Krisenzeiten. Dass die Gerüchteküche brodelt, schiebt er auch auf die Jahreszeit. “Immer, wenn im Frühling die Sonne herauskommt, wenn es anfängt, nach Frühjahr zu riechen, fängt eine solche Zuspitzung an”, meint er. Auf die Frage, wann der Präsident denn wieder im Fernsehen zu sehen sein werde, reagierte Peskow allerdings ausweichend.

Peskow beklagt insgesamt einen “Informationskrieg” des Westens gegen Russland. In Zeiten einer solchen Hysterie sei es kaum möglich, etwas für ein besseres Image des Landes zu tun. (APA/red)

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