Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Wo die Lust zuhause ist

Ein Bordell-brauchen wir nicht. Außer Hard. Dort kneifte man zuletzt doch und blies die Exkursion nach in Innsbruck ab. Die NEUE beim Lokalaugenschein.

Mal ganz ehrlich. Welchem Mann, der je in seinem Leben einen Bordellbesuch gewagt hat, ist das Herz zu Beginn nicht gleich in die Hose gerutscht? Ähnlich war das Gefühl, als ich, ein weibliches Wesen bei der Mission „Ein Bordell fürs Ländle“ vor dem Portal des „Casa Bianca“ in Innsbruck stand.

Feudaler Sündentempel

„Das soll ein Puff sein?“, dachte ich und musste beim Anblick des weißen Hauses fast ein bisschen schmunzeln. Erinnerte es doch mit seinen Säulen, der schweren Holztüre und einer gewölbten Dachkonstruktion aus Glas und Holz eher an eine moderne Kirche als an ein Sündenbabel. Kleiner Unterschied. Dieser Tempel hat täglich von 15 Uhr bis 4 Uhr Früh geöffnet. Freilich muss man dort auch was in den „Klingelbeutel“ werfen. Dass man hier mit Almosen aber nicht weit kommt, verrät schon der Bankomat im exklusiv gehaltenen Foyer des Hauses. Granitboden, eine aus edlem dunklen Holz gehaltene Rezeption. Die Wände in einem warmen Rot-Ton lackiert – farblich abgestimmt auf den Spannteppich im Gang versteht sich. Offensichtlich wurde nichts dem Zufall überlassen.

Nicht einmal das Licht der integrierten Spots oder jenes der Wandbeleuchtung erweckt auch nur den Anschein, als ob es jemals mehr als dezent den Weg innerhalb des dreistöckigen Hauses (ohne Keller) weisen wolle. Um die Ecke wiederum eine großzügig gestaltete Bar, mit Leopardendruck überzogene Polstersessel, kleine Tischchen, Sofas. Jetzt kommen wir der Sache schon näher.

„Der König von St. Pauli“

Hier also sitzen sie, die Damen in Strapsen und Oben ohne, denke ich. Wo sind hier die Table-Stangen?, jagt der erste Gedanke den zweiten. Fast wie Miss Marple husche ich um die nächste Ecke. Denn die weibliche Intuition und natürlich alle Folgen der Kiez-Serie „Der König von St. Pauli“ können nicht irren, dass zumindest eine kleine „Schweinerei“ ganz in der Nähe sein muss. Fehlanzeige. Statt eines Käfigs oder Damen die sich eventuell warm tanzen für ihr Stangensolo, steht dort eine Tafel mit acht Stühlen. Darauf eine Speisekarte mit fünfgängigem Menü, plus Wein, beziehungsweise Schampuskarte.

Im Raum nebenan blitzt eine Profi -Chromstahlküche. Ein Haubenlokal? Nein, unmöglich. Obwohl, Preise haben die. Für ein 0,75-Liter-Fläschchen Dom Perignon 350 Euro. „Mein lieber Herr Gesangsverein“ denke ich und rechne mir schnell überschlagsmäßig aus, mit wie vielen Söhnlein Brillant Silvester man feiern könnte, bis man 350 Euro zum Fenster rausgeworfen hat. Jetzt wird mir auch der Slogan auf der Getränkekarte klar: „Wo die Lust zuhause ist“, steht dort in geschwungenen Lettern. Und man muss weiß Gott verdammt viel Lust mitbringen, Geld auszugeben, wenn man hier landen will. Denn auf einen Sprung kommt hier keiner vorbei.

Die große Liegewiese

Nach dem kleinen Intermezzo im Essbereich setze ich meinen Rundgang in den zweiten Stock fort. Etliche Türen versehen mit Zimmernummern, ein Wäscheschacht, Putzfrauen. Gäste-Toiletten. Hallo, Hotel Sacher?, Nein. Obwohl, alles deutet mehr auf ein Hotel der gehobenen Klasse hin, als auf Sodom und Gomorra. Nirgendwo ein Geschrei, keine herumliegenden Kondome. Keine Gold behangenen Kriminellen, die an einem vorbei laufen, immer mit dem Finger am Abzug. Im Gegenteil. Es riecht nicht einmal ein bisschen nach Mensch. Fast schon unrecht glaubt man als Laie dem ganzen horizontalen Gewerbe zu tun, weil nichts brutal oder ausbeutend wirkt. Die Etablissements mit Whirlpool, verschieden großen „Liegewiesen“, Dusche, Sauna, Bar. Klimanalage, die nach Verlassen des Zimmers den Raum automatisch um fünf Grad herunterkühlt.

Eine Desinfektionsanlage, die im selben Zeitraum in Wanne und Dusche aktiviert wird, damit der neue Freier auch so frisch empfangen wird, wie der alte quasi verabschiedet wurde. Und damit Amor auch wirklich farblich präsent ist, liegen schön gestapelt massenweise rote Handtücher in den Regalen. Kondome natürlich auch.

Aber wo sind denn nun diese Sado-Maso-Geschichten, die Pornos und vor allem die Mädchen?, lässt mir dieser Teil der Exkursion noch keine Ruhe. Ah ja, im Keller. Das könnte es sein. Da werden sie bestimmt festgehalten. Endlich Stimmen. Ja, ich rette euch, die Welt, nein, das Universum, denke ich. Ihr armen Geschöpfe, angekettet und was weiß ich noch alles.

Kurz bevor ich die Türe öffne, ist es wieder da, dieses Herzklopfen. Bis zum Hals spüre ich es jetzt. Sei tapfer. Du machst das schon, ermutige ich mich. Ganz leise drehe ich den Türknauf. Die Stimmen verstummen. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit da. Ich stoße die Türe auf und sehe – zwei Putzfrauen die gerade die Waschmaschinen mit Amors Handtüchern füllen. Nein, so sehen keine Prostituierten eines so noblen Hauses aus. Leggins, Schlabber-T-Shirt und Gesundheitsschuhe. Fehlanzeige. Nach einigen Gängen und Treppen wieder im „Leopardenraum“ angelangt, sitzen tatsächlich ein paar Damen auf Barhockern. Aber weder im String noch in einem Lack- oder Tigerfummel, sondern in Cocktailmode. Es ist 15 Uhr und Arbeitsbeginn.

400 Euro pro Stunde

Endlich sehe ich sie doch noch, die Swetlanas, Nataschas und Olgas. Alle aus dem Ostblock und zum Teil mit Silikon bestückt. Schließlich isst das Auge mit. Und wer 400 Mäuse pro Stunde liegen lässt, darf auch Ansprüche stellen. Natürlich sind die Damen alle freiwillig hier und haben eine Riesengaudi in diesem Etablissement ihren Körper zu verkaufen. Wollen sie einem zumindest glaubhaft machen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und so muss Miss Marple bei ihrer Mission „Ein Bordell fürs Ländle“ erkennen, dass zwischen dem „König von St. Pauli“ und diesem Etablissement Welten liegen. Ein Bordell wie das Tiroler „Casa Bianca“ könnte bald auch im Ländle entstehen.


INTERVIEW MIT JOHANN SCHMID

NEUE: Herr Schmid, Sie sind alleiniger Inhaber und Alleingeschäftsführer des „Casa Bianca“. Wie viele Mädchen arbeiten hier?

Johann Schmid: Im Sommer etwa 21, im Winter etwas mehr.

NEUE: Welchen Kundenkreis sprechen Sie an?

Johann Schmid: Das ist ganz unterschiedlich. Auf jeden Fall Herren der gehobenen Klasse.

NEUE: Was kostet ein Schäferstündchen?

Johann Schmid: 400 Euro, jede weitere halbe Stunde 100 dazu. Außer Champagner ist da alles dabei.

NEUE: Gibt es bei ihnen auch Begleitkriminalität?

Johann Schmid: Dieses Haus gibt es seit acht Monaten. Um Drogenmissbrauch vorzubeugen, wird den Mädchen alle sechs bis acht Wochen eine Haarprobe entnommen.

NEUE: Und sonstige ÁKontrollen?

Johann Schmid: Alle zehn Wochen zum HIV-Test und jede Woche eine Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten.

NEUE: Wie sieht es mit Kondomen aus?

Johann Schmid: Zu 99 Prozent arbeiten sie mit Gummi. Dieses eine Prozent muss man immer offen lassen, weil man sonst als Chef immer mit aufs Zimmer müsste.

NEUE: Gab es bisher Probleme mit den Behörden oder Anrainern?

Johann Schmid: Nein. Hier ist alles sehr diskret. Wir liegen ja auch außerhalb von Innsbruck. Und was die Behörden angeht: Wir halten uns an die Bordellbestimmungen und führen das Haus einfach ganz seriös.

NEUE: Das sagt doch jeder, oder?

Johann Schmid: Bei einem 5,3 Millionen Euro teuren Gebäude können sie sich keine Fehler leisten. Beim dritten Fehler macht ihnen die Behörde den Laden dicht.

NEUE: Das heißt, Sie werden ständig kontrolliert?

Johann Schmid: Ja, von der Kripo, der BH und dem Arzt.

NEUE: Wenn alles so seriös ist, weshalb glauben Sie, haben die Herren Gemeinderäte von Hard ihre geplante Besichtigung abgesagt?

Johann Schmid: Sie haben sie nicht abgesagt. Sie sind einfach gar nicht gekommen. Aber ich kann sie gut verstehen. Denn welche Ehefrau lässt sich schon gerne darauf anreden, dass ihr Mann im Bordell war?

NEUE: Bleibt es jetzt beim Standort Hard?

Johann Schmid: Wir haben ihn zumindest ins Auge gefasst. Weil er von Deutschland und der Schweiz aus gut erreichbar ist und im Industriegebiet von Hard niemanden stört.

NEUE: Wer wird dort Geschäftsführer?

Johann Schmid: Ich selbst.

NEUE: Und weitere Gesellschafter?

Johann Schmid: Keine.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Wo die Lust zuhause ist
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.