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Bereits mehr als 20 Beschuldigte im Wirecard-Skandal

Die Ermittlungen im Skandal um den früheren DAX-Konzern Wirecard weiten sich laut einem Bericht des "Spiegel" aus. Die Staatsanwaltschaft München I führe mittlerweile mehr als 20 Beschuldigte, darunter der gesamte zuletzt amtierende Vorstand und etliche Führungskräfte, berichtete das Magazin am Freitag im Voraus aus seiner neuen Ausgabe. Die Behörde wollte dazu auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Die Vorwürfe reichen von Untreue und unrichtiger Darstellung über Marktmanipulation bis zu Geldwäsche sowie gewerbsmäßigem Bandenbetrug.

Ex-Vorstandschef Markus Braun weist alle Vorwürfe zurück. Er soll "zeitnah" vernommen werden, wie die Staatsanwaltschaft AFP bestätigte. Braun hatte dies am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestags zum Wirecard-Skandal angekündigt. Im Ausschuss berief er sich auf sein Aussageverweigerungsrecht und las lediglich eine knappe Erklärung vor. Er sitzt in Bayern in Untersuchungshaft.

Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Asien liegen sollten, sind nicht auffindbar.

Die ehemalige Aufsichtsrätin Tina Kleingarn, die am Donnerstag ebenfalls im Untersuchungsausschuss angehört wurde, kündigte nach rund eineinhalb Jahren als Mitglied in dem Kontrollgremium im September 2017. In ihrem Kündigungsschreiben, das AFP vorliegt, kritisierte sie, die Unternehmensstrukturen seien "mehr die eines Mittelständlers als eines DAX-Anwärters". Der Vorstandsvorsitzende sei nicht bereit, die Unternehmensführung einer "höheren Komplexität" anzupassen. Sein Handeln gleiche dem eines alleinigen Eigentümers, "der er aber nicht ist".

Kleingarn beschrieb auch "erhebliche Zweifel am Kompetenzprofil des designierten Finanzvorstands" - Jan Marsalek, ebenfalls ein Österreicher, der derzeit auf der Flucht ist. Sie mahnte zudem eine angemessene Zusammenarbeit mit dem Prüfer des Jahresabschlusses an.

Ein weiterer Schwachpunkt sei die Genehmigungspraxis operativer Vorgänge. Entscheidungsvorlagen würden häufig sehr spät vorgelegt, Informationen, die eine tatsächliche Beurteilung eines Vorgangs erlauben würden, seien häufig nicht angemessenem Maße vorhanden.

Kleingarn schrieb abschließend, sie erachte den Weg des Unternehmens als riskant. Es mangele an angemessenen Kontroll- und Steuerungsstrukturen. Der Vorstand betrachte die Unternehmensüberwachung als eine Last.

(APA/ag.)

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