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"Wir wurden nach Strich und Faden belogen!"

Das Sanatorium Mehrerau war vor allem bei Patienten sehr beliebt. Angeblich soll es aber in der jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß sein.
Das Sanatorium Mehrerau war vor allem bei Patienten sehr beliebt. Angeblich soll es aber in der jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß sein. ©Stiplovsek
Bregenz - Sibylle Schelling (30) war Krankenschwester im Sanatorium Mehrerau. Sie hat in einer Petition über 600 Unterschriften gegen die Schließung gesammelt und erhebt im Interview mit WANN & WO schwere Vorwürfe.

WANN & WO: Die Schließung des Sanatoriums Mehrerau sei gerechtfertigt, weil die Ausstattung nicht zeitgemäß ist.

Sibylle Schelling: Das ist Unsinn, weil das Sanatorium vor sieben Jahren um fünf Millionen Euro umgebaut und modernisiert wurde. Wir sind auf einem aktuelleren Stand, als die meisten Landeskrankenhäuser.

WANN & WO: Die Mitarbeiter haben ja aus dem Radio davon erfahren müssen. Was war das für ein Gefühl?

Sibylle Schelling: Ich war am Morgen noch arbeiten und gerade beim Mittagessen mit meinem Freund, als ich gehört habe, dass ich bald keinen Job mehr habe. Natürlich waren alle geschockt, aber uns wurde versprochen, dass alle MitarbeiterInnen entweder in den LKH oder im Hospiz übernommen werden. Der Vorstand der Förderer hat schon länger davon gewusst, durfte aber nichts an die Mitarbeiter weitergeben.

WANN & WO: Wie geht es mit den Vermittlungen voran?

Sibylle Schelling: Davon wollte später niemand mehr etwas wissen. Das habe es nie gegeben. Tatsache ist, dass es an den LKHs keine vakanten Stellen gibt. Einige meiner Kolleginnen sind nach wie vor auf Arbeitssuche. Man hat uns nach Strich und Faden belogen.

WANN & WO: Ist es zumutbar, dass man seinen Arbeitsplatz von Bregenz nach Bludenz ins LKH verlegt?

Sibylle Schelling: Wegen des Arbeitsplatzes wäre das ja noch in Ordnung. Aber als Argument für die Schließung lasse ich den Ausbau des LKH Bludenz nicht gelten. Man kann nicht von Bregenzer Patienten erwarten, dass sie so weit ausweichen. Wir haben das Gefühl, dass weder das Wohl der Angestellten, noch das der Patienten eine Rolle spielt. Es wurde auch eine Kollegin, die sich beworben hat gefragt, ob sie schon in der Lage sei, diese Fahrt täglich zu bewältigen. Patienten würde man das scheinbar ohne zu zögern zumuten. Wartezeiten werden sich bei gewissen Operationen sicher verlängern, was auch Folgeschäden nach sich ziehen kann.

WANN & WO: Du machst jetzt einen Palliativkurs, um im Hospiz arbeiten zu können?

Sibylle Schelling: Ich habe den Kurs begonnen, der uns dankenswerter Weise vom Verein der Förderer des Sanatoriums Mehrerau finanziert wird. Damals hat es auch geheißen, dass jene, die den Kurs machen, eine Stelle im neuen Hospiz bekommen. Mittlerweile soll das auch nicht mehr stimmen. Ich habe keine Ahnung, ob ich dann dort eingestellt werde und hänge vollkommen in der Luft.

WANN & WO: Warum glaubt die Öffentlichkeit, ihr seid alle gut versorgt?

Sibylle Schelling: Das Thema ist so klein gehalten und vertuscht worden, dass viele nicht einmal von der Schließung wussten. Uns MitarbeiterInnen wurde gesagt, wir sollten lieber nicht den Mund aufmachen – in unserem eigenen Interesse. Viele von uns haben daher Angst, dass sie im Land nie wieder einen Job bekommen, wenn sie darüber reden, wie übel ihnen mitgespielt wird. Es haben noch lange nicht alle von uns eine neue Stelle gefunden.

WANN & WO: Hast du auch bei deiner Online-Petition Gegenwind be­­kommen?

Sibylle Schelling: Eine Dame von der Gewerkschaft hat uns gesagt, dass wir den Angestellten mit der Petition keinen Gefallen tun. Wir würden unnötig falsche Hoffnung machen und uns damit auch schon geöffnete Türen wieder schließen. So wird mit den Existenzängsten der Mitarbeiter gespielt, denn man hat auf gut Deutsch gesagt: ,Sei lieber still, sonst bekommst du keinen Job mehr!‘

WANN & WO: Aber ihr werdet weiterhin vertröstet, dass alles gut wird?

Sibylle: Das ist nicht nur mit Worten geschehen. Noch im Oktober wurde eine neue Mitarbeiterin im Sanatorium eingestellt. Sie hat sich dann aber gleich eine andere Stelle gesucht, als sie kurz nach Dienstantritt von der Schließung erfahren hat.

WANN & WO: Wie geht es jetzt für dich weiter?

Sibylle Schelling: Wie gesagt, mache ich derzeit einen Palliativkurs, weil mir die Hospizarbeit liegt und ich sie sehr gerne mache. Anfangs habe ich gedacht, so bin ich auf der sicheren Seite. Immerhin hat man uns gesagt, dass die Caritas als Betreiber des 10-Betten-Hospiz nicht intern nachbesetzen, sondern uns einstellen werde. Dieses Versprechen wurde aber auch gekippt. Wir wurden auch aufgefordert, uns dahingehend ruhig zu verhalten. Es scheint jetzt, als ob acht ehemalige MitarbeiterInnen des Sanatoriums diesen Kurs vollkommen umsonst machen und anschließend trotzdem ohne Arbeitsplatz dastehen.

Der Bedarf ist da, aber nur als Hospiz”

WANN & WO hat mit Gesundheitslandesrat Christian Bernhard über die Schließung des Sanatoriums Mehrerau gesprochen.

WANN & WO: Was sagen Sie dazu, dass die Mitarbeiter von der Schließung aus dem Radio erfahren mussten?

Dr. Christian Bernhard: Das ist für mich der große Wermutstropfen in dieser Sache. Dafür habe ich mich auch im Landtag entschuldigt. Das ist stillos und hätte nicht passieren dürfen. Auch ist das nicht meine persönliche Art und es tut mir sehr leid.

WANN & WO: Ist kein Bedarf mehr für das Sanatorium gegeben?

Dr. Christian Bernhard: Der Bedarf ist da, aber nur als Hospiz. Als Belegkrankenhaus und Nachsorgeeinrichtung gibt es ihn nicht in dieser Form. Wir brauchen zwar Nachsorgebetten im Land, diese müssen aber nicht in der Mehrerau sein. Das LKH Bludenz soll ja auch bald ausgebaut werden.

WANN & WO: Was hat sich seit der Landtagswahl geändert? Davor hatten Sie ja gegenüber Medien gesagt, die Schließung sei absurd.

Dr. Christian Bernhard: Ja, das habe ich gesagt. Es ist aber auch keine Schließung, sondern eine Umwandlung einer Struktur, die nicht mehr zeitgemäß ist, hin zu einer Hospizeinrichtung.

WANN & WO: Was hat man unternommen, um Mitarbeiter des Sanatoriums wie versprochen anderswo unterzubringen?

Dr. Christian Bernhard: Bisher wurden zwei Drittel der MitarbeiterInnen vermittelt. Für die anderen haben wir Kontakt zu AMS und Betriebsrat aufgenommen. Man hat sich um sie gekümmert.
„Ich vertraue keinem“ Gaby Kos, Aufnahme: „Die Öffentlichkeit wird belogen und alle denken, wir seien gut versorgt. So werden wir dann auch als Idioten hingestellt. Die einen sagen etwas, das von anderer Stelle wieder dementiert wird. Jemand vom LKH Bregenz sagte mir, es seien zwar keine Stellen offen, aber ich solle trotzdem eine Bewerbung schreiben. In der Küche würden immer Leute gesucht. Das ist doch keine Art, mit Leuten umzugehen! Da ich nur noch 22 Monate bis zur Pension habe, bin ich ansonsten nicht mehr vermittelbar und werde daher von etwa 600 Euro leben müssen. Darum muss ich jetzt umziehen und habe auch eine Operation vorgezogen, die ich mir so nicht mehr leisten könnte. Ich vertraue keinem mehr, denn wir wurden systematisch belogen.“

„Sehr zermürbend“ Traudi Moosmann, OP-Pflegehelferin: „Uns wurden leere Versprechen gemacht, dass man uns alle an die Landeskrankenhäuser oder das neue Hospiz vermittelt. Nach 36 Dienstjahren war ich daher immer guter Hoffnung, die man uns auch immer wieder gemacht hat. In Wirklichkeit haben wir uns um alles selbst kümmern müssen und eine Absage nach der anderen erhalten. Das ist sehr zermürbend und ich bin nicht die einzige Mitarbeiterin, die sehr an dieser permanenten Ungewissheit leidet.“

„Keine konkreten Zusagen gemacht“ Karl Bitschnau, Leitung Hospiz, Caritas Vorarlberg: „Ich habe Verständnis, dass diese Veränderungen die MitarbeiterInnen verunsichern. Die Zusammenstellung des Teams hängt aber vom Start des Hospizes ab, der voraussichtlich im Sommer/Herbst 2016 sein wird. Es liegen Bewerbungen von MitarbeiterInnen des Sanatoriums vor, die dann selbstverständlich berücksichtigt werden. Konkrete Einstellungszusagen hat es deshalb von der Caritas keine gegeben.“

„Schließung macht mich traurig“ Dr. Egon Humpeler, GF Förderverein Sanatorium Mehrerau: „Die Schließung macht mich vor allem für die Patienten traurig, die hier über viele Jahre das Pflegepersonal ihres Vertrauens hatten. Nichts gegen Hospiz oder Caritas, aber ich glaube, es hätte eine bessere Lösung gegeben. Wir wurden gebeten, uns nicht einzubringen.“

(WANN & WO)

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