„Wir müssen Geld neu denken!“

In Zeiten der Unsicherheiten und Teuerungen findet ein Umdenken statt und Krisen werden mit entsprechenden Angeboten auch als Chance gesehen.

Das Beste nach und während Krisenzeiten sei, dass „gute Erträge und gutes Gewissen in keinem Widerspruch“ stehen, informiert der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Vorarlberg Betr.oec. Gerhard Hamel im Interview über den derzeit richtigen Umgang mit Geld.

Wie schlagen sich Corona, Krieg und die belastenden Sanktionen auf den Banksektor nieder?

Die durch den Krieg verursachte erneute wirtschaftliche Belastung durch Lieferengpässe sowie hohe Rohstoff- und Energiepreise so kurz nach der Corona-Pandemie verlangsamt vielerorts die Zinswende, was weiterhin niedrige Zinserträge für Banken bedeutet. Geldhäuser mit Engagements in Russland müssen zudem mit höheren Kreditausfällen und Abschreibungen rechnen und besonders der europäische Bankensektor leidet unter dem sanktionsbedingten Ausschluss russischer Banken aus dem Zahlungssystem SWIFT.

Wie reagieren die Kunden auf die aktuellen Verwerfungen und Teuerungen und welche Antworten hat die Volksbank Vorarlberg?

Es heißt für uns alle, Geld neu zu denken. Viele unserer Kund(inn)en wechseln deshalb von den klassischen Sparprodukten wie Sparbuch und Festgeld auf das flexible Fondssparen. Mit bereits 50 Euro pro Monat kann damit auch in Zeiten von niedrigen Zinsen Schritt für Schritt ein Vermögen aufgebaut werden. Da wir auf allen Ebenen Nachhaltigkeit als den richtigen Weg in die Zukunft sehen, bauen wir auch im Private Banking auf diese. Das Beste ist: Gute Erträge und gutes Gewissen stehen in keinem Widerspruch.

Ist die „achtsame“ Natur und Klima schützende Anlage-ausrichtung jetzt wichtiger denn je – wie sehen das die Kunden, wie hoch ist das Interesse?

Die Corona-Pandemie ermöglicht den ersten Vergleichstest in einer realen Krisensituation zwischen nachhaltigen und traditionellen Anlageprodukten.

Zahlreiche Studien deuten bisher darauf hin, dass nachhaltig agierende Unternehmen Krisen deutlich resilienter meistern als ihre konventionellen Pendants und daher einen Sicherheitspuffer für das Depot bieten können. Auch in der Volksbank Vorarlberg verzeichnen wir ein erhöhtes Interesse an unserem achtsamen Investmentansatz sowie eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen.

Welche sind die Kriterien für achtsames und zukunfts­weisendes Anlegen?

In einem ersten Schritt können Ausschlusskriterien dafür sorgen, dass gewisse Branchen von vornherein aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen werden. Innerhalb der einzelnen, nicht ausgeschlossenen Branchen können die Faktoren Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) bei der Investitionsentscheidung berücksichtigt und die Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen miteinander verglichen werden. Impact Investing bietet die Möglichkeit, eine positive soziale oder ökologische Wirkung mit dem Investment zu erzielen.

Welche Tipps kann man den Menschen derzeit zum richtigen Umgang mit Geld ­geben?

Aus unserer Sicht ist die Diversifikation ein wichtiger Aspekt. Das bedeutet, man sollte seine Vermögensstruktur – wie bei einem Haus – auf mehrere Säulen verteilen, um die Chancen auf Ertrag und mehr Stabilität zu erhöhen. Als „liquiden Notgroschen“ empfehlen wir einen Betrag in der Höhe von circa drei Monatsgehältern vorzusehen. Aktien und Anleihen sowie Sachwerte wie Immobilien oder Immobilienfonds stellen weitere Säulen des „Finanzhauses“ dar.

Was ist der Unterschied einer Genossenschaftsbank im Vergleich zu anderen Geldinstituten?

Der Volksbank Vorarlberg wurde bereits bei der Gründung im Jahr 1888 der Fördergedanke in die Wiege gelegt. Wir stellen deshalb traditionsgemäß die Entwicklung unserer Region über die reine Gewinnmaximierung.

Diese Konzentrierung auf den Heimatmarkt deckt sich mit den Präferenzen unserer Kund(inn)en, die einen Partner mit einem rein nationalen Risikoprofil schätzen. Zudem sind im Rahmen einer Genossenschaft Leistungen möglich, die einer alleine nicht erbringen könnte.

Mehr Infos: www.volksbank-vorarlberg.at

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