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"Wir fühlen uns nicht mehr sicher!"

Natalie (19) entging vergangenes Wochenende nur knapp einem Übergriff vor dem Cruise und hat Angst, sich alleine als Frau in Bludenz aufzuhalten. Rainer (31) steht stellvertretend für seine Freunde und Familie, die schon teilweise Zeugen von brutalen Schlägerattacken wurden und sich nicht mehr sicher fühlen.
Natalie (19) entging vergangenes Wochenende nur knapp einem Übergriff vor dem Cruise und hat Angst, sich alleine als Frau in Bludenz aufzuhalten. Rainer (31) steht stellvertretend für seine Freunde und Familie, die schon teilweise Zeugen von brutalen Schlägerattacken wurden und sich nicht mehr sicher fühlen. ©MiK
Bludenz - Wie WANN & WO berichtete, kam es vor Kurzem zu brutalen Schläger­attacken in Bludenz und Bürs. An den darauf folgenden Wochenende passierten wieder Zwischenfälle, die der Bevölkerung Sorgen bereiten.

Eine beschauliche Kleinstadt und ein friedliches Miteinander: Das würden sich Natalie (19) und Rainer (31) wieder wünschen. Sie sowie ihre Freunde und Familien sind mit der momentanen Situation unglücklich. „Früher sind wir alleine nachhause gelaufen, sogar meine Freundin hat sich als Frau keine Sorgen gemacht. Nun ist das leider nicht mehr denkbar. Auch meine männlichen Freunde, die gestandene Männer sind, trauen sich nicht mehr allein in der Nacht unterwegs zu sein, denn gegen Gruppen kommen einzelne nicht an“, berichtet Rainer. Eine Freundin von ihm konnte den Vorfall am 3. April von ihrer Wohnung aus beobachten. „Sie hörte Lärm und Schreie, dann schaute sie aus dem Fenster und sah eine Gruppe von mehreren Leuten, die in eine Rangelei verwickelt waren. Einer von ihnen wurde auf die Straße ge­­worfen, wo er auch liegen blieb. Sie alarmierte daraufhin die Polizei. Wir fühlen uns nicht mehr sicher“, erzählt der 32-Jährige weiter. Auch Natalie (19) ist immer gerne in die Lokale in Bludenz gegangen, mittlerweile hat sie aber Angst, denn auch sie wurde fast zum Opfer. „Ich war am 4. April mit Freunden im Cruise und wollte frische Luft schnappen. Ich ging alleine hinaus und plötzlich kam ein Mann auf mich zu und hielt mir die Faust ins Gesicht. Durch Zufall kam in diesem Moment ein Kollege von mir und konnte den Angreifer abwehren. Ich weiß nicht, wie die Situation sonst ausgegangen wäre“, berichtet sie immer noch sichtlich geschockt. Sie wünscht sich, dass die Polizei präsenter ist. „Ich kann mich noch gut an vergangenes Jahr erinnern, als es die Sperrstunden-Diskussion gab. Alle halbe Stunde sah man einen Streifenwagen vorbei fahren, um zu kontrollieren, ob schon niemand überzieht. Jetzt sind Menschen in Gefahr und wurden sogar fast zu Tode geprügelt“, so die 19-Jährige. (Laut Polizei wurden verstärkt Zivilstreifen in letzter Zeit eingesetzt.) Am selben Abend kam es noch zu einer weiteren Körperverletzung: „Mein Kollege und ich sind aus dem Lokal raus und haben eine Schlägerei beim Zebrastreifen gesehen, blutüberströmt ist wieder jemand auf der Straße gelegen. Es muss sich etwas ändern, bevor die Situation eskaliert!“

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Nachdem WANN & WO den Bludenzer Bürgermeister mit der Situation konfrontierte, erklärte er sich bereit, mit uns und allen Beteiligten sowie der Polizei an einen Tisch zu sitzen und über eine Lösung für die angespannte Situation zu beraten.

„Stehe im Kontakt mit der Polizei“

Bürgermeister Mandi Katzenmayer: „Ich bedauere, dass es zur Zeit leider ein Problem in Bludenz gibt und es immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt. Ich stehe im Kontakt mit der Polizei. Wenn es sein muss, werden wir mehr Beamten einsetzen.“

„Sicherheit ist ­­­ ein hohes Gut“

WANN & WO fragte bei Landesrat Erich Schwärzler nach, der für die Sicherheit in Vorarlberg zuständig ist.

WANN & WO: Was sagen Sie zu den neuerlichen Vorfällen in Bludenz? Erich Schwärzler: Laut Mitteilung der Landespolizeidirektion Vorarlberg sind in der Nacht vom 3. auf den 4. April 2015 zwei alkoholisierte, junge Erwachsene infolge eines persönlichen Streits aneinandergeraten und haben sich dabei verletzt. Seitens der Polizei ist die Erhebung des Sachverhaltes sowie eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft im Gange.

WANN & WO: Es steht immer wieder die Annahme im ­Vordergrund, dass es sich um Asylanten handelt. Wie ist die Vorgehensweise in dieser ­Hinsicht? Erich Schwärzler: Aggression und Gewalt dürfen nicht toleriert werden und haben in unserem Land keinen Platz. Wer sich nicht an unsere Werteordnung und Gesetze hält, hat das Land zu verlassen.

WANN & WO: Einige Leute fühlen sich in Bludenz, beispielsweise nach dem Ausgehen, nicht mehr sicher und trauen sich nicht alleine den Heimweg anzutreten. Sind von der ­Seite des Landes Maßnahmen ­geplant? Erich Schwärzler: Sicherheit ist ein hohes Gut. Wenn Entwicklungen wie im vorliegenden Fall zunehmen, sind alle geeigneten Kräfte dafür einzusetzen, dass die Sicherheit weiterhin gewährleistet bleibt. Da es in letzter Zeit in Bludenz vermehrt Vorfälle gegeben hat, werde ich in nächster Zeit einen „Sicherheitsstammtisch“ einberufen.

„Man kann sich sicher fühlen“

WANN & WO holte auch die Meinung der Landespolizeidirektion bei Amtsdirektor Stefan Morscher ein.

WANN & WO: Ist es vergangenes Wochenende wieder zu einem gewalttätigem Übergriff in Bludenz gekommen? Stefan Morscher: Uns ist ein Zwischenfall bekannt, bei dem zwei alkoholisierte Personen an einer Bushaltestelle aneinander gerieten. Dieser Vorfall hat aber nichts mit dem Übergriff vor zwei Wochen zu tun. Nach dem letzten Zwischenfall wurden die Einsatzkräfte sehr wohl verstärkt, jedoch nicht nur durch klar erkenntliche Streifen, sondern auch durch den Einsatz von Zivilpersonal. Es gab zudem Gespräche mit der Stadt und diversen Jugendorganisationen, um die Situation zu beruhigen und weiteren Zwischenfällen entgegenzuwirken.

WANN & WO: Es soll auch am Wochenende nach der brutalen Schlägerattacke zu einem Massenauflauf am Bahnhofsgelände gekommen sein. Gibt es dazu Informationen? Stefan Morscher: Personen mit migrantischem Hintergrund sollen auf Social Media Plattformen angekündigt haben, sich vermehrt in dieser Region aufzuhalten. Die Polizei wusste aber davon und kontrollierte die Personen. So kam es ohne Zwischenfälle zu einer Auflösung der Menschenmenge.

WANN & WO: Was sagen Sie dazu, dass sich viele Bludenzer nicht mehr sicher fühlen? Stefan Morscher: Wir haben in Vorarlberg – jetzt also nicht ausschließlich auf Bludenz bezogen – eine Aufklärungsquote bei vorsätzlicher Körperverletzung von fast 90 Prozent. Das ist durchaus bemerkenswert und zeigt, dass man sich im Ländle sicher fühlen kann.

(WANN & WO)

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