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WIIW erwartet Produktionsverlagerung von Asien zum Balkan

Durch die Coronakrise dürfte sich der Trend zur Rückverlagerung von Produktionen aus Fernost nach Europa verstärken. Die Westbalkan-Länder Serbien, Albanien, Bosnien-Herzgowina, Kosovo, Montenegro und Nordmazedonien könnten davon profitieren und Direktinvestitionen im Milliardenhöhe anziehen, sagt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Dafür müssten sie aber vor allem ins Bildungssystem und den Ausbau der Transportinfrastruktur investieren.

"Angesichts protektionistischer Tendenzen im Welthandel setzte bereits im vergangenen Jahrzehnt eine Rückverlagerung von Produktionen aus Asien in die Nähe der alten Industrieländer ein", erklärt der WIIW-Ökonom Branimir Jovanovic. "Dieses 'Nearshoring' wird sich in Europa nach der Pandemie signifikant verstärken", so der Co-Autor der Studie "Getting stronger after COVID-19: Nearshoring potential in the Western Balkans". Die Studie wurde in Kooperation mit den Wirtschafts- und Handelskammern Albaniens, Bosnien und Herzegowinas, Kosovos, Montenegros, Nordmazedoniens und Serbiens erstellt und vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitfinanziert. 

"Die Volkswirtschaften am Westbalkan könnten vom Nearshoring eindeutig profitieren, sofern sie ihre Hausaufgaben machen", sagt Jovanovic. Das hätten auch Umfragen der Deutschen Außenhandelskammern und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gezeigt. "Auch wenn nur ein kleiner Teil der befragten Unternehmen tatsächlich Veränderungen bei Lieferketten und Produktionsstandorten vornimmt, könnte das noch immer Milliarden an Direktinvestitionen für die Westbalkanländer bedeuten." 

So hätten etwa deutsche Unternehmen zwischen 2010 und 2019 nur 2,5 Mrd. Euro am Westbalkan investiert - von weltweit 1,7 Billionen Euro. "Es gäbe also noch genug Luft nach oben, auch bei den anderen großen westeuropäischen Investoren in der Region, namentlich den Niederlanden, der Schweiz und Österreich", so Javonovic.

Dafür empfiehlt die Studie neben der Behebung altbekannter Defizite wie schlechter Regierungsführung und politischer Instabilität aber auch eine grundlegende Änderung des Investitionsumfeldes. "Geringe Lohnkosten und niedrige Steuern spielen nicht mehr die entscheidende Rolle. Auslandsinvestoren brauchen vor allem gut qualifizierte Arbeitskräfte und Infrastruktur", sagt Jovanovic. Für ihn impliziert das höhere Ausgaben der Regierungen für das Bildungssystem, einen verstärkten Fokus auf die MINT-Fächer, einen qualitativen Sprung bei der Berufsausbildung - Stichwort Lehre -, und einen Ausbau der Transportinfrastruktur.

(APA)

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