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Wie werden Menschen zu Mördern?

Doris Rüdisser beeindruckt mit ihrem Erstlingswerk Fuchsgesicht.
Doris Rüdisser beeindruckt mit ihrem Erstlingswerk Fuchsgesicht. ©Limbus Verlag
Wie werden Menschen zu Mördern?

Dornbirn. Die gebürtige Hohenemserin Doris Rüdisser hat soeben ihr erstes Buch veröffentlicht – Fuchsgesicht. Die Erzählung basiert auf einem Kriminalfall, der im Winter 1890/91 in Vorarlberg für ungeheures Aufsehen sorgte. Wie lebten Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert ihren Alltag in einer harten Gesellschaft? Wie überlebten sie in einer patriarchalen Dorfgemeinschaft, in der lediglich Arbeitskraft und Grundbesitz zählten und der Leumund über Leben und Tod entschied? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das starke Debüt der in Thal lebenden Volksschullehrerin. VN-Heimat traf die Neo-Buchautorin zum Interview, um über ihr Erstlingswerk und ihre Liebe zum Schreiben zu plaudern.

VN-Heimat: Wie sind sie überhaupt zum Schreiben gekommen?

Rüdisser: Mich hat immer schon die Schönheit sprachlicher Bilder fasziniert. Es ist wunderbar, die feinen Nuancen des Lebens fühlbar und nachvollziehbar zu machen.

VN-Heimat: Wie entstand schließlich die Idee zur Umsetzung von “Fuchsgesicht”?

Rüdisser: Eigentlich über den Wettbewerb von Stemmeisen und Zündschnur, Hans Bach und den Limbus Verlag. Ich hatte zufällig davon erfahren und eigentlich hätten aus dem Wettbewerb eine CD, DVD und ein Buch im Kombipack hervorgehen sollen. Irgendwie ist dann aber alles anders gekommen. Mich haben die Dokumente die es zum Fall gibt (Prozessakten, Polizeiberichte, Pfarrchronik) in ihrer schamlos, offensichtlichen Tendenz, diese Menschen – vor allem die Frauen – als Volksbelustigung zu benutzen und als Exempel vorzuführen, sehr schockiert. Hier wurde sichtbar, was geschieht, wenn jemand sich nicht an gesellschaftlich-kirchliche Normen hält. Was an Lebensgeschichte hinter den drei Verurteilten stand, hat damals niemanden interessiert und war auch in den Akten nicht zu finden. Ich wollte in diesem Sinne sozusagen “rehabilitieren”.

VN-Heimat: Wovon handelt ihr Erstlingswerk und wieso der Titel “Fuchsgesicht”?

Rüdisser: Der Titel stammt von der Fuchsmaske, die der Täter am Tag, als der Mord geschah und als er ihn verübte – es war Fasnacht – trug. Der Tagelöhner Peter Paul Adametz hatte in Schwarzenberg den Bauern Michael Mätzler ermordet, angestiftet von zwei Frauen. Alle drei werden zum Tod verurteilt. Die Zeitungsberichte und Gerichtsakten strotzen vor Kälte, Voreingenommenheit, Ungerechtigkeit gegenüber den drei Verurteilten. Ich erzähle Geschichte neu und aus der Perspektive der Mutter von Peter Paul Adametz. Das Buch versucht in nicht chronologisch geordneten Erinnerungsbildern, das Leben der drei Täter zu beschreiben. Den Mord selbst als Eskalation darzustellen, als der Lebensweg so schmal wurde, dass es lediglich drei mögliche Alternativen gab: wahnsinnig zu werden, Selbstmord zu begehen oder Mord.

VN-Heimat: Wie ist die bisherige Resonanz auf ihr Buch?

Rüdisser: Die Rezensionen sind sehr gut und die Schicksale, besonders das der ledigen Mutterschaft berühren auch heute noch, weil die Normen, vor allem die kirchlichen sich vermenschlicht haben, gleichzeitig aber allen noch in den Knochen sitzen.

VN-Heimat: Was bedeutet Schreiben für sie?

Rüdisser: Schreiben ist für mich kurz gesagt, in mir einen Standpunkt zu suchen und zu finden. Ethnische Einstellungen zu erproben und zu hinterfragen. So gesehen ist Schreiben manchmal auch mühsam, aber auch sehr lustvoll und lustig, weil unsere Sprache so schön ist.

Steckbrief:
Doris Rüdisser
Geb. 12.11.1956
Beruf: Volksschullehrerin
Wohnort: Thal
Lieblingsbuch: ich liebe Lyrik – Lavant, Busta, Morgenstern, etc.
Lebensmotto: “Endlich das zu tun, was man richtig erkannt hat.”

Buchpräsentation mit Doris Rüdisser am 13. April 2010 in der Stadtbücherei Dornbirn
Beginn: 20.00 Uhr

 

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