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Wie Afrika das Leben der Grete Bösch prägte

Neo-Autorin Margarethe Bösch
Neo-Autorin Margarethe Bösch ©Edith Rhomberg
Noch heute hat die einstige Stickereifachfrau aus Lustenau manchmal ‚Heimweh' nach Westafrika.
Margarethe Bösch

Dornbirn/Lustenau. „Manche Dinge, die einem passieren, muss man einfach aufschreiben”, sagt die seit 18 Jahren in Dornbirn lebende Neo-Autorin Margarethe Bösch. Mit ihren Aufzeichnungen begann sie bereits in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. „Einerseits geraten so auch Details nicht in Vergessenheit und andererseits wird durch das Schreiben erst vieles verarbeitet”, ist sie überzeugt. Bei einigen dramatischen Ereignissen, in deren Mittelpunkt sie lieber nicht gestanden wäre, kann man das nachträgliche Aufschreiben auch als eine Art Therapie bezeichnen. Denn, erst nachdem sie die Geschichten zu Papier gebracht hatte, konnte sie auch traumatische Begebenheiten, wie den Verlust bzw. Diebstahl einer großen Summe Geld, einigermaßen beruhigt ad acta legen. Während ihren Geschäftsreisen zwischen 1975 und 1984 in westafrikanische Länder haben sich äußerst abenteuerliche Episoden zugetragen, dies hauptsächlich im positiven, aber auch im negativen Sinn.

Stickereiexport in viele Länder

Gleich nach ihrem Abschluss der Handelsschule im Jahr 1963 fasste Margarethe Bösch Fuß in der exportorientierten Lustenauer Stickereibranche. Das Erlernen von Fremdsprachen machte ihr damals wie heute kein Problem und so bereiste sie bald die europäischen Märkte, aber auch den Nahen Osten. Es galt, immer neue Abnehmer für die edlen Stickereien zu akquirieren und aufzubauen. Die Trends in den Metropolen machten Stickereien einmal zum unentbehrlichen Bestandteil der Mode, um dann auch wieder von den Laufstegen und aus den Kollektionen zu verschwinden.

Der Boom in Nigeria

Ihre damaligen Arbeitgeber und Margarethe Bösch naschten, wie die meisten Vorarlberger Sticker, am großen und sehr verlockenden Kuchen des westafrikanischen Marktes mit. Bereits seit den 1960er Jahren war es für die nigerianische Oberschicht, die durch Erdöl zu viel Geld gekommen war, eine prestigeträchtige Angelegenheit, sich in luxuriöse Stickereien made in Lustenau und Umgebung zu hüllen. Also reiste Bösch ab 1975 öfters nach Lagos und später unzählige Male nach Cotonou im westlichen Nachbarstaat Benin. „Jene jungen Frauen, die damals das Experiment einer Reise nach Lagos und in andere westafrikanische Städte wagten, lassen sich an einer Hand abzählen, denn es gab weder funktionierende Telefonverbindungen noch andere Mittel der Kommunikation – kein Handy, kein Internet, nicht einmal ein Fax”, weiß sie und erinnert sich an die heutzutage fast unvorstellbaren Reise- und Arbeitsbedingungen.

Faszination Afrika

Abgesehen von Skandalen rund um Geldgeschäfte, Problemen mit Behörden durch das spätere Importverbot von Luxusgütern in Nigeria, oder ihrer mit großer Angst verbundenen Flucht aus Lagos kann Margarethe Bösch ihrer prägenden Verbindung zu Afrika viel Gutes abgewinnen. Danach gefragt, was den speziellen Reiz für sie ausmachte sagt sie spontan: „Die Schönheit von Lagos ist es sicher nicht. Aber das Land, die Menschen und die Kulturen verschiedener Völker übten von Anfang an eine besondere Faszination auf mich aus. Das Reisen hat meinen Blick für das Neue, das Andere geöffnet und etwas von der „Laisser-faire” Lebenseinstellung habe ich früher oder später auch für mich persönlich übernommen”. Und dass eine Terminvereinbarung in Afrika ganz was anderes heißen kann als bei uns, sollte man wissen und akzeptieren. „Als ich in Lagos einmal bei größter Hitze zur vereinbarten Zeit auf einen Kunden wartete versicherte man mir während mehreren Stunden, er würde ganz sicher gleich kommen –also „any minute from now”. Und das, obwohl er nach London gereist und seine Rückkehr nicht wirklich vorhersehbar war, wie ich später erfuhr. Bei dieser sehr unterschiedlichen Auffassung von Zeit ist mir dann doch fast der Kragen geplatzt”, gibt sie offen zu.

Das Buch ist im Entstehen

Vor rund zehn Jahren machte Margarethe Bösch einen ersten Anlauf, ihre Aufzeichnungen von vielen Erfahrungen in Afrika in eine komplette Geschichte zu verpacken. Der entscheidende Impuls, daraus endlich ein Buch zu machen, kam aber erst im Sommer 2013 im Zusammenhang mit der Ausstellung „Lustenau Lagos African Lace”, die bis 6. Jänner im Vorarlberg Museum zu sehen war. Außerdem gab es eine Befragung von Zeitzeugen rund um das Afrika Geschäft der Sticker, an der sie ebenfalls beteiligt war.

Nun ist das Manuskript fertig und die Autorin rechnet mit dem Erscheinen ihres Erstlingswerks im Bucher Verlag schon Anfang März. Viele, die vom Projekt wissen, sind neugierig auf den Titel und den Inhalt, aber nur ein kleiner Einblick in die Kapitel wird derzeit verraten: „Meine Flucht aus Lagos”, „Mit 30 kg Geld nach Brüssel”, „Wie eine Schafsgurgel in die Louis Vuitton Tasche kam”, „Die Prinz of Kosoko Story”, „Die Pille für eine Kundin”, etc.

Auch „Big Bela”, der Milliardenjongleur Bela Rabelbauer – seine Enthüllungen sind ebenfalls in Buchform erschienen – spielt eine Rolle in der Biografie der junggebliebenen Autorin und man darf gespannt sein, davon zu lesen.

Ehemann Harald Bösch wartet genauso ungeduldig wie alle anderen auf die Veröffentlichung des Buches, dessen Titel noch nicht offiziell bekannt ist. Seiner Frau vertraut er voll und ganz aber, auch er will nun endlich die ganze Wahrheit erfahren.

 

Margarethe Bösch

Geb. 1946 in Lustenau

Wohnort: seit 18 Jahren Dornbirn, davor Lustenau

Familie: Verheiratet mit Harald Bösch – zwei Söhne, ein Enkel

Lieblingsstadt: Istanbul

Hobbies: Golf spielen, lesen

Sprachen: Englisch, Spanisch, Französisch, Türkisch

Russisch lernen steht demnächst auf dem Programm

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